Sasse Liköre schmecken nach dem, was drin ist
Die Liköre der Feinbrennerei Sasse aus Schöppingen heißen Naturtalente, weil am Anfang jeweils der Rohstoff steht – die Frucht, die Blüte, die Bohne. Das Sortiment reicht vom Blumenlikör über Schokolade, Nuss und Kaffee bis zum Kräuterbitter und zu den Sahnelikören.
Sasse Liköre sind die Naturliköre einer Kornbrennerei – gemacht in Schöppingen im Münsterland, wo sonst Getreide ins Fass geht. Der Alkoholgehalt reicht von 16 % Vol. beim Butterscotch bis 35 % Vol. beim Sechser Kräuterlikör. Bio-zertifiziert sind der Holunderblütenlikör, der Limoncello Artigiano, der Schoko Mint, der Kaffee Arabica und der Sechser. Zwei Miniatur-Sets führen mit je sechs Fläschchen à 20 Milliliter durch das Sortiment.
Eine Kornbrennerei, die Liköre macht, klingt nach Nebengeschäft. Bei Sasse füllt es den größeren Teil des Regals – und der Sechser Kräuterlikör steht dort länger im Programm als der Lagerkorn, mit dem das Haus berühmt wurde.
Bei den Naturtalenten führt die Zutat
Sasse nennt seine Liköre Naturtalente, und der Name beschreibt das Vorgehen: Am Anfang steht der Rohstoff – die Frucht, die Blüte, die Bohne.
Das merkt man beim Nebeneinandertrinken am deutlichsten. Jede Sorte schmeckt nach ihrer Zutat und nicht nach einem gemeinsamen Hausstil: Die Holunderblüte bleibt zart, der Kaffee bleibt kräftig, keiner wird dem anderen angeglichen. Wo andere Liköre eine Basis aromatisieren, wird hier von der Zutat aus gedacht.
Beim Holunderblütenlikör geht das so weit, dass die Blüten vom Team selbst gepflückt werden – eine kurze Blütezeit im Jahr, und dann muss es schnell gehen. Die Bio-Kontrollnummer DE-ÖKO-006 tragen der Holunderblütenlikör, der Limoncello Artigiano, der Schoko Mint, der Kaffee Arabica und der Sechser.
Von der Blüte bis zur Kräuterwurzel
Die Sorten stehen hier dicht nebeneinander, und die Spanne dazwischen ist größer, als das Wort Likör vermuten lässt.
Fruchtig wird es bei Marille mit Honig, der Winterzwetschge und dem Limoncello Artigiano. Blumig bleibt die Holunderblüte allein, dunkel wird es beim Kakao mit Nuss und beim Schoko Mint, röstig beim Kaffee Arabica. Der Sechser Kräuterlikör steht für sich, und cremig wird es bei den Sahnelikören.
Der Butterscotch Likör ist mit 16 % Vol. der leichteste im Sortiment und die jüngste Idee: handgerührtes Karamell mit echter Butter. Am anderen Ende stehen Marille mit Honig und der Sechser mit je 35 % Vol.
Diese Spanne ist der eigentliche Nutzen einer Likörsammlung. Ein 16-prozentiger Karamell nach dem Kuchen und ein 35-prozentiger Kräuterbitter nach dem Braten sind zwei völlig verschiedene Aufgaben – hier gibt es für beide etwas.
Auffällig ist, wie trocken viele davon bleiben. Ein Likör braucht laut Spirituosenverordnung mindestens 100 Gramm Zucker je Liter, nach oben ist er offen – und genau dort trennt sich die Spreu. Bei den Naturtalenten darf der Kakao seine Bitterkeit behalten und die Zitrone ihre Säure, statt unter Zucker zu verschwinden. Deshalb stehen sie auch am Ende eines langen Menüs noch gut da.
Den Kakao mit Nuss und die Herrencreme gibt es zusätzlich in der kleinen 200-Milliliter-Flasche. Wenn du eine Sorte erst kennenlernen möchtest oder etwas zum Mitbringen suchst, ist das der bequemere Weg als die große Flasche.
Die Sahneliköre aus einer Zusammenarbeit
Seit 2021 arbeitet die Feinbrennerei Sasse mit Paula Pumpernickel zusammen, einer Münsterländer Genussbloggerin, welche seit Jahren die Spezialitäten ihrer Region sammelt.
Aus dieser Kooperation stammen die Sahneliköre Herrencreme, Milchkaffee und Salzkaramell mit je 17 % Vol. Sie stehen auch in der Paula-Pumpernickel-Familie, wo mehr zur Reihe steht.
Sahneliköre sind handwerklich heikler, als ihr gemütliches Image vermuten lässt. Sahne und Alkohol wollen sich trennen, und je höher der Alkohol, desto entschlossener. Die 17 % Vol. markieren deshalb genau den Punkt, an dem beides zusammenbleibt – darüber wird die Bindung zur Kunst.
Praktisch heißt das auch: Sahneliköre gehören nach dem Öffnen in den Kühlschrank und halten dort einige Wochen, während ein Kräuter- oder Fruchtlikör monatelang im Schrank stehen darf. Sahne bleibt Sahne, auch mit Alkohol darin.
Der Sechser ist seit 1928 dabei
Der älteste Likör im Sortiment ist ein Kräuterlikör, und er trägt seine Rezeptur im Namen.
Sechs Zutaten geben dem Sechser seinen Namen: Galgant, Engelwurz, Kalmus, Orange, Zitrone und Pomeranze, alle aus biologischem Anbau. Seit 1928 wird er in Schöppingen hergestellt, die Rezeptur ist bis heute unverändert, und mit 35 % Vol. ist er der kräftigste hier.
Bemerkenswert an dieser Jahreszahl ist der Zeitpunkt. 1928 lag die deutsche Kornbrennerei bereits im Abstieg – das Branntweinmonopol von 1918 hatte den Markt mit Industriealkohol geflutet. Dass ausgerechnet in diesen Jahren ein Kräuterlikör entstand, der hundert Jahre später noch verkauft wird, sagt einiges über die Rezeptur.
Zwei Wege, alles zu probieren
Wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst, gibt es zwei Sets mit je sechs Fläschchen à 20 Millilitern.
Das Miniatur Tasting Set Naturtalente versammelt Holunderblüte, Marille, Williams, Schoko Mint, Kakao mit Nuss und Kaffee Arabica – 120 Milliliter, sechs Richtungen. Das Paula-Pumpernickel-Set macht dasselbe für die Sahneliköre.
Für den Abend gilt eine Reihenfolge: erst die blumigen und fruchtigen, dann die dunklen. Holunderblüte vor Marille, Kaffee und Kakao zum Schluss, weil sie alles überdecken, was nach ihnen käme. Ein Glas Wasser dazwischen, und für jede Sorte ein eigenes Gläschen.
Gebrannt und angesetzt wird alles in Schöppingen, wo seit 1707 eine Brennerei steht. Beim World Spirits Award 2025 wurde das Haus als einzige Kornbrennerei Deutschlands zur World-Class Distillery gekürt – eine von 18 weltweit. Die ganze Geschichte steht bei der Feinbrennerei Sasse.