Limoncello

Limoncello ist ein Zitronenlikör aus Süditalien, für den die gelbe Schale von Zitronen in Alkohol zieht, bis der Alkohol ihr Duftöl aufgenommen hat, und der danach mit Zucker und Wasser auf Trinkstärke gebracht wird.

Limoncello il Convento von Antonio Viani

Limoncello ist ein Zitronenlikör aus Süditalien, für den die gelbe Schale von Zitronen in Alkohol zieht, bis der Alkohol ihr Duftöl aufgenommen hat, und der danach mit Zucker und Wasser auf Trinkstärke gebracht wird.

Der Saft der Zitrone kommt dabei nicht in die Flasche. Er liefert vor allem Säure, der Duft dagegen sitzt in der Schale, genauer in ihrer äußersten, gefärbten Schicht. Die heißt Flavedo, und um sie dreht sich alles. Das Weiße darunter bringt Bitterkeit mit und soll am Obst bleiben. Deshalb verlangen die Regeln für den Zitronenlikör aus Sorrent, die Zitronen so zu schälen, dass möglichst nur diese gelbe Haut abgeht. Wer einmal eine Zitrone mit dem Sparschäler bearbeitet und an den Streifen gerochen hat, kennt den Kern von Limoncello schon.

Was steckt in einer Flasche Limoncello?

Im Kern Zitronenschale, Alkohol, Wasser und Zucker. Rechtlich ist Limoncello ein Likör, also eine Spirituose mit mindestens 100 Gramm Zucker je Liter und mindestens 15 % vol. Liköre aus Zitrusfrüchten dürfen nur natürliche Aromastoffe enthalten.

Viel genauer werden zwei geografische Angaben aus Kampanien, die im EU-Register eAmbrosia eingetragen sind. Der Liquore di limone di Sorrento stammt aus acht Gemeinden rund um Sorrent, darunter Massa Lubrense, Capri und Anacapri. Er entsteht nur aus Zitronen der g.g.A. Limone di Sorrento, dem Ökotyp Ovale di Sorrento. Die Schalen liegen mindestens 48 Stunden kalt in Alkohol, in Edelstahl, danach kommen Wasser und Zucker dazu. Vorgeschrieben sind mindestens 30 % vol, zwischen 200 und 350 Gramm Zucker je Liter und mindestens 250 Gramm ganze Zitronen je Liter Likör, und diese Menge steht auf dem Etikett. Farbstoffe, Emulgatoren, Stabilisatoren und Aromen sind verboten. Das Gelb im Glas muss also aus der Schale kommen.

Der Liquore di limone della Costa d'Amalfi folgt demselben Muster mit der Zitrone der Amalfiküste, dem Sfusato Amalfitano: mindestens 36 Stunden Ansatz, mindestens 25 % vol, wieder 250 Gramm Zitronen je Liter. Seine technische Unterlage erzählt, dass im 19. Jahrhundert in vielen Häusern der Küste, besonders in Minori, ein solcher Likör angesetzt und zum Abschluss großer Essen gereicht wurde. Die Grammzahl auf dem Etikett ist die ehrlichste Angabe, die ein Limoncello machen kann: Sie sagt dir, wie viel Zitrone in deinem Glas steckt.

Woran erkennst du einen guten Limoncello?

Halt die Flasche gegen das Licht. Ein Limoncello aus Schalen darf trüb sein. Beide Unterlagen beschreiben ihn als opaleszent bis klar, also milchig schimmernd, und die aus Sorrent hält fest, dass er sich mit der Zeit von selbst klärt. Die Trübung kommt von den ätherischen Ölen der Schale, die beim Verdünnen mit Wasser ausfallen. Zeigt sich am Flaschenhals ein feiner Ölrand, nennt die Unterlage aus Amalfi das ausdrücklich ein Zeichen der Echtheit. Ein Rand, der aussieht wie ein Fehler, ist hier also ein gutes Zeichen.

Dann lies die Zutatenliste. Beim Zitronenlikör aus Sorrent steht dort die Zitronenmenge je Liter. Der Limoncello il Convento aus Massa Lubrense setzt 350 Gramm ein, wo 250 Gramm verlangt sind. Die Familie Pollio zieht die Schalen von Hand ab und lässt sie acht bis zehn Tage kalt in Alkohol stehen. Den Likör macht der Betrieb seit 1995, benannt ist er nach dem benachbarten Kloster aus dem 14. Jahrhundert.

Wie schmeckt Limoncello?

Süß und nach Zitrone, so knapp sagen es die Regeln von Sorrent. Genauer: nach Zitronenschale, nicht nach Zitronensaft. Die Säure einer frisch gepressten Zitrone bringt er nicht mit, weil nur die Schale angesetzt wird. Dafür ist der Duft da, den du beim Abreiben der Schale an den Fingern hast, und am Ende eine feine Bitterkeit. Wie süß ein Limoncello wirkt, hängt an der Temperatur: Die Kälte nimmt der Süße die Wucht und lässt die Zitrone stehen.

Kann man Limoncello pur trinken?

Ja: pur, eiskalt, in kleinen Gläsern, nach dem Essen. Stell die Flasche ins Gefrierfach und lass sie dort. Bei 30 % vol friert der Likör nicht ein, er wird nur dickflüssig und fließt langsam ins Glas. Die kleinen Gläser kühlst du vorher mit.

Ein Limoncello muss übrigens nicht in Italien angesetzt werden. Die Feinbrennerei Sasse in Schöppingen, seit 1707 im Münsterland, lässt sich Bio-Zitronen von der Amalfiküste kommen, schält sie in Schöppingen von Hand und setzt die Schalen in Alkohol an. Ihr Limoncello Artigiano hat 30 % vol.

Wie trinkt man Limoncello am besten?

Pur aus dem Gefrierfach ist die eine Hälfte der Antwort, die andere steht auf der Terrasse. Für einen Limoncello Spritz gibt Sasse drei Eiswürfel ins Glas, dazu zwei Teile Prosecco und einen Teil Limoncello. Wer lieber nach Zentilitern misst: 2 cl Limoncello, mit Prosecco auffüllen, Eis und eine Zitronenscheibe dazu.

In der Küche ist er ein Schuss, der viel ausrichtet. Gieß ihn über eine Kugel Vanilleeis oder über Zitronensorbet, dann hast du ein Dessert in zehn Sekunden. Im Tiramisu tränkt er die Löffelbiskuits statt Kaffee, und aus dem Abenddessert wird ein Sommerdessert.

Die Distilleria Marzadro aus Nogaredo im Etschtal, unweit des Gardasees, nennt ihren Zitronenlikör Limoncino und setzt ihn ebenfalls als Aufguss von Zitronenschalen in Alkohol an. Seit 1949 wird dort destilliert, bekannt ist das Haus vor allem für seine Grappa. Ein kleiner Teller Erdbeeren, darüber ein Löffel eiskalter Limoncino, daneben die Espressotassen: So endet ein Sonntagsessen ohne großen Aufwand.

Zitronenlikör aus Massa Lubrense, Schöppingen und Nogaredo

Aus unserem Sortiment kommt der Limoncello il Convento von der Sorrentiner Halbinsel, den Antonio Viani nach Deutschland bringt. Aus dem Münsterland stammt der Limoncello Artigiano von Sasse. Den Limoncino von Marzadro gibt es in drei Größen mit demselben Inhalt: die 700-ml-Flasche für den Vorrat im Gefrierfach, die 200-ml-Flasche für eine Runde Spritz und die Miniatur mit 5 cl zum Kennenlernen.

Quellen

Zuletzt geprüft am 06.10.2026


By Kerstin Uhlenbusch
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