Schokolade von Michel Cluizel, ab der rohen Bohne
Schokolade von Michel Cluizel ist französische Manufakturware, die in Damville von der Kakaobohne bis zur fertigen Praline unter einem Dach entsteht. Seit 2012 trägt das normannische Haus das staatliche Siegel Entreprise du Patrimoine Vivant für lebendiges Handwerk.
Michel Cluizel ist eine Schokoladenmanufaktur aus Damville in der südlichen Normandie, gegründet 1948 von den Konditoren Marc und Marcelle Cluizel. Rund zweihundert Menschen rösten, mahlen und conchieren hier den Kakao selbst, statt fertige Kuvertüre zuzukaufen – dafür hat das Haus den Begriff cacaofèvier prägen lassen.
1948 fing alles in einer Küche in der Rue de Verdun an
Marc und Marcelle Cluizel waren Konditoren, als sie 1948 in ihrer Wohnküche in Damville die erste Schokolade rührten. Noch im selben Jahr stand ihr Sohn Michel als Lehrling daneben.
Was ihn festhielt, war weniger das Süße als das Material: wie eine Bohne riecht, bevor sie geröstet wird, und wie anders sie danach schmeckt. Michel Cluizel, 1933 geboren, machte aus der elterlichen Küche eine Manufaktur, die den Kakao bis heute selbst aufschließt.
1987 kam der Laden in der Pariser Rue Saint-Honoré dazu, 2005 der erste in New York. Im selben Jahr gab Michel die Leitung an seinen Sohn Marc weiter, dem die Geschwister Pierre, Sylvie und Catherine zur Seite stehen; er selbst blieb dem Haus bis zu seinem Tod 2020 verbunden. Heute arbeiten dritte und vierte Generation nebeneinander, und die Manufaktur trägt noch immer denselben Familiennamen wie 1948.
Tafeln, Pralinen und eine Weihnachtskollektion, die jedes Jahr wechselt
Das Haus deckt die ganze Spanne ab, von der puren Plantagentafel über Ganachen und Pralinés bis zu den Marshmallow-Bärchen, die eher den Kindern gehören.
Wir führen die Weihnachtskollektion, die Cluizel jedes Jahr neu erfindet und in kleiner Auflage auflegt: ein Adventskalender, zwei Pralinenschachteln, eine Trüffelschachtel und ein Bärchen, alle mit festlichem Design und mit Geschenktasche.
Für 2026 heißt die Kollektion Royaume du Solstice, das Königreich der Sonnenwende. Auf jeder Kartonage ziehen der weiße Hirsch, die Eule und die Füchse durch den Schnee.
Was hineindarf, steht seit 1999 fest
Damals legte das Haus seine Zutatenliste als Programm an und nannte es Noble Ingredients: eine kurze Liste, an der sich seither jede Rezeptur messen lassen muss.
Gesüßt wird mit Rohrzucker, aromatisiert mit echten Bourbon-Vanilleschoten statt mit Vanillin, emulgiert mit Rapslecithin an der Stelle, an der viele Häuser zu Soja greifen. Künstliche Aromen und Laborfarben bleiben draußen. Das staatliche Siegel Entreprise du Patrimoine Vivant, das Frankreich an Betriebe mit seltenem Handwerkswissen vergibt, trägt Cluizel seit 2012.
Sieben Plantagen, sieben Schokoladen
Die berühmteste Linie des Hauses heißt Plantation: Schokolade aus dem Kakao einer einzigen Pflanzung, nicht aus einer Mischung vieler Herkünfte.
Mokaya in Mexiko, Los Anconès in der Dominikanischen Republik, Vila Gracinda auf São Tomé, El Jardín in Kolumbien, Mangaro auf Madagaskar, Riachuelo in Brasilien, La Laguna in Guatemala – jede trägt ihren Namen auf der Verpackung, und jede schmeckt anders, weil Boden, Regen und Fermentation anders ausfallen. Cluizel arbeitet mit den Pflanzern direkt zusammen, ohne Zwischenhandel, auf allen drei Kakao-Kontinenten.
Damville, zwei Autostunden westlich von Paris
Die Manufaktur steht an der Avenue de Conches, seit 2016 gehört Damville zur Gemeinde Mesnils-sur-Iton. Wer vorbeikommt, kann ins Chocolatrium und der Produktion zusehen.
Im Chocolatrium, dem Besucherbereich der Manufaktur, läuft die Produktion hinter Glas vorbei, und am Ende steht die Verkostung. Für ein Dorf in der Eure ist das ein erstaunliches Ziel.
Der Einstieg fällt zur Adventszeit am leichtesten. Die Weihnachtsschachteln zeigen in einer einzigen Lage, was das Haus kann – Ganache, Praliné, Nougatine, Trüffel, Mendiant, alles nebeneinander. Danach weiß man, welche Plantagentafel als Nächstes an der Reihe ist.