Lantenhammer Destillerie aus Hausham am Schliersee seit 1928
Die Lantenhammer Destillerie ist eine Familienbrennerei aus Hausham am Schliersee in Oberbayern, gegründet 1928 als Enzianbrennerei. Aus ihr sind über die Jahre eigene Marken gewachsen, der Josef Gin, der Rumult Rum und die Likörlinie Raritas. Beim Spirituosenwettbewerb des Meininger Verlags wurde sie 2026 zum sechsten Mal Destillerie des Jahres.
Lantenhammer Destillerie steht für bayerische Brennkunst, die sich nie auf den Obstbrand beschränkt hat. Was 1928 mit Enzian anfing, umfasst heute Edelbrände, Geiste, Liköre, Gin und Rum, gebrannt in einer Erlebnisdestillerie aus Beton und Lärchenholz am Josef-Lantenhammer-Platz in Hausham. Die Anlage ist auf rund 100.000 Liter im Jahr ausgelegt, und die Türen stehen offen für jeden, der beim Brennen zusehen möchte.
Vierzig Mark aus der Währungsreform
Amalie und Josef Lantenhammer gründeten 1928 im Haushamer Ortsteil Agatharied ihre eigene Enzianbrennerei, damals noch neben Weinhandel und Limonadenherstellung.
1935 zog der Betrieb nach Schliersee in die Urtlbach Straße. Dort standen kleine Kupferbrennblasen, und der dazugehörige Laden war über die Region hinaus bekannt für seine geistreichen Kostbarkeiten. Der Zweite Weltkrieg beendete das vorerst, die Brennerei wurde geschlossen.
1948 investierte Josef Lantenhammer die ersten vierzig D-Mark der Währungsreform in den Neuanfang. Vierzig Mark, mehr war nicht da, und daraus wurde eine Leidenschaft, die inzwischen drei Generationen trägt.
1960 heiratete die Tochter Annelise den Siegfried Stetter, welcher als Schwiegersohn in den Betrieb kam. Die beiden Söhne Florian und Anton wuchsen zwischen Brennblasen auf, und der gelernte Brauer Florian stieg 1985 ein. Als Destillateurmeister baute er das Haus zur Edelbrand-Destillerie aus und setzte dabei auf beste Früchte statt auf Menge. 2010 übergab er die Geschäftsführung an seinen Bruder Anton, welcher das Sortiment um etliche neue Ideen erweiterte.
Eine Wette um einen Kasten Weißbier
1994 fuhr Florian Stetter mit Kollegen auf Studienreise nach Schottland, und was er dort sah, kam ihm bekannt vor.
Die hügelige Landschaft, das klare Wasser, die reine Luft, all das erinnerte ihn an daheim. Warum also sollte man in Bayern keinen Whisky brennen können? So wurde um einen Kasten Weißbier gewettet und die Idee in die Tat umgesetzt.
1999 kam der erste bayerische Single Malt auf den Markt, benannt nach Slyrs, jenem Kloster, das fünf Mönche im Jahr 779 in der Gegend gegründet haben sollen und von dem sich der Name Schliersee ableitet. Belächelt wurde die Idee anfangs durchaus, denn eine alteingesessene Obstbrennerei und Whisky, das ging in vielen Köpfen nicht zusammen.
Heute steht bayerischer Whisky selbstverständlich neben schottischem im Regal. Zum 1. Februar 2022 endete allerdings die Vertriebspartnerschaft mit Slyrs, seither geht diese Marke als eigenes Unternehmen ihren Weg. Der Whisky des Hauses heißt seitdem SILD und kam über eine Beteiligung an der Sylter Brennerei nach Oberbayern.
Vom Enzian über den Rum bis zum Gin
Das Sortiment reicht heute von klaren Obstbränden über Geiste und Liköre bis zu Rum, Gin und Whisky, was für eine Brennerei dieser Größe ungewöhnlich breit ist.
Am Anfang stand der Enzian, und der ist bis heute die aufwendigste Sache im Haus. Für einen Enzianbrand braucht es die Wurzel des gelben Enzians, und die wächst viele Jahre, bevor sie überhaupt geerntet werden darf. Wer damit anfängt, hat Geduld gelernt, bevor er das erste Fass füllt.
Die Edelbrände sind der älteste Zweig. Williamsbirne, Mirabelle, Apfel und der im französischen Limousin-Fass gereifte Holzfass Obstbrand stehen für das, womit hier alles anfing. Wie ein Brand schmeckt, entscheidet sich lange vor der Brennblase, nämlich beim schonenden Einmaischen der reifen Frucht.
Später kam der Josef Gin dazu, benannt nach dem Gründer und gemacht aus Wacholder, Heublumen, Hopfen und Hagebutte. Der Rumult Bavarian Rum geht noch weiter weg von Bayern, jedenfalls im Rohstoff, denn dafür reist Zuckerrohrsirup von Mauritius nach Oberbayern und wird dort im Pot-Still-Verfahren gebrannt.
Die jüngste Linie heißt Raritas und besteht aus Likören. Der Eierlikör mit Orangengeist ist davon der bekannteste, daneben stehen Marille, schwarze Johannisbeere, Bergamotte, Walnuss, Schokolade mit Haselnuss und der Likör aus gehobeltem Zirbenholz.
Vier Kupferblasen und sehr viel Zeit
2014 zog die Destillerie von Schliersee zurück nach Hausham, in einen Neubau für rund 2,5 Millionen Euro auf 1.000 Quadratmetern, in dem vier Brennblasen stehen.
Beton trifft dort auf Lärchenholz, Werkstatt auf Besucherzentrum, und im ersten Stock wird verkostet. Damit ist das Haus an seinen Ursprungsort zurückgekehrt und brennt dort wie vor beinahe hundert Jahren, nur eben mit moderner Technik.
Wer in der Gegend unterwegs ist, kann das ansehen. Die Erlebnisdestillerie liegt am Josef-Lantenhammer-Platz in Hausham, zwischen Schliersee und Tegernsee, und sie ist ausdrücklich für Besucher gebaut worden, nicht bloß für die Produktion.
Das Handwerk selbst ist langsam geblieben. Beim Gin zieht der Wacholder bis zu drei Wochen im Kartoffelbrand, bevor überhaupt destilliert wird, und dann noch einmal acht Stunden lang. Der Rum reift jahrelang in Bourbon-, Cognac-, Madeira- und Sherryfässern.
Die Raritas-Liköre entstehen nicht in Hausham, sondern in der Tegernseer Schlossbrennerei, wo die historischen Lantenhammer Brennblasen stehen. Destillateurin Christina Kölbl führt diese Linie und arbeitet in Chargen von jeweils nur 200 Litern. Auf den Etiketten sitzt der Wolpertinger, jenes scheue Fabelwesen der bayerischen Sagenwelt, dem zu begegnen ungefähr so selten sei wie ein wirklich gelungener Tropfen.
Die Jury kommt immer wieder nach Hausham
Beim Meininger's International Spirits Award, dem größten deutschen Spirituosenwettbewerb, wurde Lantenhammer 2026 zum insgesamt sechsten Mal zur Destillerie des Jahres gekürt, mit 30 Medaillen für das Haus.
Angefangen hatte diese Serie 2020, danach folgte der Titel Jahr für Jahr. Besonders deutlich fiel 2024 aus, als 24 Medaillen zusammenkamen, darunter zwanzig in Gold und zwei in Großem Gold. Der Raritas Eierlikör mit Orangengeist wurde damals zum besten Destillat des gesamten Wettbewerbs erklärt und trug gleich zwei Sondertitel nach Hause, Spirituose des Jahres und Eierlikör des Jahres.
„Die fünfte aufeinanderfolgende Auszeichnung als ‚Destillerie des Jahres' ist eine Ehre und Verpflichtung zugleich", sagte damals Tobias Maier, welcher das Haus seit 2018 führt und vor gut zwanzig Jahren als Auszubildender angefangen hatte. 2026 kam unter anderem Gold für den Josef Gin Alpine Botanicals dazu, der zugleich zur Bio-Spirituose des Jahres gewählt wurde. Alle Achtung.
Womit du am besten anfängst
Wer die Destillerie noch nicht kennt, greift zum Best of Bavaria Geschenkset, in dem vier Miniaturen des Hauses nebeneinander stehen.
Wenn es dagegen um ein Mitbringsel für jemanden geht, dessen Geschmack du kennst, ist die Sache einfacher. Zum Osterfrühstück gehört der Eierlikör, zum Kaminabend der Rum, zur Brotzeit auf der Hütte der Zirbenlikör. Und nach einem schweren Essen kommt der Obstbrand auf den Tisch, ganz ohne dass jemand darüber diskutieren müsste.
Für den Gin lohnt sich der Blick auf das übrige Gin-Sortiment, für die Brände auf unsere Obstbrände aus verschiedenen Häusern. Und wer bayerische Brennkunst mag, findet mit der Feinbrennerei Sasse aus dem Münsterland ein westfälisches Gegenstück mit ähnlicher Haltung zum Handwerk.