Glow Glow ist der Naturwein der Familie Baumberger von der Nahe
Glow Glow ist die Naturweinlinie des Weinguts Baumberger in Mandel an der Nahe. Pauline und Carl Baumberger keltern seit 2019 Weine aus biologisch gezogenen Trauben, von Hand gelesen, spontan vergoren, unfiltriert und ungeschönt gefüllt. Dazu kommen Pet Nats, ein Traubensaft und ein alkoholfreier Aperitif.
Glow Glow steht für Weine, welche so wenig Eingriff wie möglich erfahren und trotzdem nicht auf Trinkfreude verzichten. Hinter der Marke arbeitet die Familie Baumberger in Mandel, einem Dorf mit 900 Einwohnern und 18 Weingütern mitten im Nahetal. Auf den Etiketten leuchtet ein farbiges Oval, rundherum läuft der Satz, dass hier die Energie der Natur eingefangen werden soll. Genau darum geht es in jeder dieser Flaschen.
Seit 1855 in Mandel an der Nahe
Das Weingut Baumberger geht auf Johann Baumberger zurück, welcher 1855 nach Mandel kam, um eine Familie zu gründen und die ersten Reben zu pflanzen.
Aus dem gemischten Bauernhof von damals ist ein reines Weingut geworden, und heute leben die vierte, fünfte und sechste Generation im selben Ort. Rund 15 Hektar Rebfläche und über 50.000 Rebstöcke gehören dazu, verteilt auf Lagen wie das Mandeler Dellchen und den Mandeler Schlossberg.
Die Nahe ist mit 4.200 Hektar eines der kleineren deutschen Anbaugebiete und zugleich das vielfältigste, denn rund 180 Bodenarten liegen hier auf engem Raum nebeneinander. Bei Glow Glow sind es vor allem roter Sandstein und gelber Sand, dazu ein wenig Lehm.
Über 300 Hektar Weinberge umgeben die 900 Einwohner von Mandel, das Dorf liegt damit tief im Weinbau und nicht am Rand davon. Beide Böden sind mager und halten wenig Wasser, weshalb die Reben tief wurzeln und kleine Beeren mit dichter Schale tragen. Genau daher kommt die schlanke Statur dieser Weine, und genau deshalb schmeckt man das Dorf und nicht den Keller.
Zwei Fässer waren 2019 der Anfang
Die Idee zu Glow Glow kam von Pauline, welche Kommunikationsdesign studiert und in Paris, Berlin und Den Haag gearbeitet hatte, bevor ein Besuch im Kölner Weinsalon Natúrel sie zum Naturwein und damit zurück ins elterliche Weingut brachte.
2019 füllte sie gemeinsam mit ihrem Bruder Carl zwei Halbstückfässer als Experiment ab, einen Riesling und einen Muskateller. Aus dem Versuch wurde eine eigene Linie, welche heute über Importeure in etliche Länder geht und in der internationalen Naturweinszene einen Namen hat.
Paulines Beruf sieht man den Flaschen bis heute an. Die runden Etiketten mit dem geglühten Farboval und der ringsum laufenden Schrift gehören zu den wenigen, welche man quer durch ein volles Regal auf Anhieb wiedererkennt.
Die Geschwister teilen sich Weinberg und Keller, und man merkt den Weinen an, dass hier zwei Menschen dieselbe Idee verfolgen. Marcus Baumberger führt das Weingut, während Glow Glow als eigene Handschrift danebensteht.
Stille Weine, Pet Nats und ein Saft
Das Sortiment reicht von den beiden Cuvées über sortenreine Weine bis zu Schaumweinen und alkoholfreien Flaschen, und es wechselt mit jedem Jahrgang.
Der Weiss ist die weiße Cuvée für den Alltag, gebaut aus Bacchus, Müller-Thurgau, Riesling und Weißburgunder. Ihm gegenüber steht der Rays of Red, ein leichter Roter aus fünf Sorten, welcher gekühlt getrunken wird. Beide Cuvées sind leicht, saftig, unangestrengt und liegen bei 10,0 bis 11,5 % vol.
Daneben füllen Pauline und Carl sortenrein ab: Riesling, Weißburgunder, Muskateller, Chardonnay und Spätburgunder. Dazu kommt in kleiner Menge ein Riesling von 42 bis 44 Jahre alten Reben aus dem Mandeler Dellchen, von dem es nur 750 Flaschen gab. Der Muskateller wiederum vergärt in einem Fass von 1995, welches der Großvater dem Vater bei der Übergabe des Weinguts geschenkt hatte.
Weil jeder Jahrgang neu entscheidet, was möglich ist, ändert sich die Aufstellung Jahr für Jahr. Mal fällt eine Sorte komplett aus, mal kommt eine Flasche dazu, welche eigentlich gar nicht geplant war. Genau darin liegt der Reiz, wenn man dieses Sortiment über mehrere Jahre verfolgt.
Prickelnd wird es beim Fizzy und beim Pink Fizzy, zwei Pet Nats, welche ihre Gärung in der Flasche beenden und anschließend degorgiert werden. Four Fruits vergärt Äpfel, Trauben, Birnen und Quitten von den Wiesen rund um das Weingut gemeinsam.
Ohne Alkohol kommen der Traubensaft naturtrüb aus früh gelesenem Müller-Thurgau und Freija No.1, ein Kräuteraperitif aus Melisse, Traube, Verjus, Himbeere und Wermut, den Glow Glow gemeinsam mit den Brand Bros aus der Pfalz entwickelt hat. Was davon gerade im Regal steht, siehst du unten im Raster.
Nichts hinzufügen, nichts wegnehmen
Der Satz ist das Arbeitsprinzip des Hauses, und er meint jeden einzelnen Schritt zwischen Rebe und Flasche.
Naturwein ist dabei kein geschützter Begriff, sondern eine Haltung, wie Pauline und Carl es selbst beschreiben. Es gibt kein Amt, welches ihn vergibt, und keine Prüfnummer, welche ihn bestätigt. Was zählt, ist allein die Frage, wie wenig zwischen Traube und Flasche passiert.
Die Trauben wachsen nach ökologischen Grundsätzen und werden von Hand gelesen. Vergoren wird spontan, also mit den Hefen, welche ohnehin auf den Beeren sitzen, ohne Reinzuchthefen und ohne Temperatursteuerung nach Lehrbuch.
Anschließend liegen die Weine auf der Vollhefe, bis sie ungeschönt und unfiltriert in die Flasche gehen. Geschwefelt wird nicht zusätzlich, in den Weinen stehen nur die Sulfite, welche bei jeder Gärung von selbst entstehen. Der Bio-Anbau ist unter DE-ÖKO-039 kontrolliert.
Für dich zu Hause heißt das dreierlei. Die Flaschen stehen besser aufrecht als liegend, ein leichter Bodensatz gehört dazu und wird einfach im letzten Glas gelassen, und fast alles hier verträgt ein paar Grad weniger als gewohnt. Die Weinflaschen tragen Kronkorken statt Korken, was zum Charakter passt, denn hier wird nichts zelebriert, was man auch einfach trinken kann.
Der Frost vom 23. April und was danach kam
2024 wollten Pauline und Carl nach einem schweren Vorjahr endlich einen unkomplizierten Jahrgang, und dann kam in einer einzigen Nacht der Frost.
37 % der Ernte waren am Morgen des 23. April verloren, und was der Peronospora später noch zum Opfer fiel, kam obendrauf. Die Scheurebe wurde in diesem Jahr gar nicht erst gelesen, weshalb erstmals Riesling und Weißburgunder in die weiße Cuvée gingen.
Im Jahr davor hatte die Essigfliege fast die komplette rote Ernte geholt, sodass es 2023 überhaupt keinen Roten gab. Zwei solche Jahre hintereinander zehren, und tatsächlich haben in dieser Zeit langjährige Kolleginnen und Kollegen ihre Weingüter aufgegeben.
Über den Jahrgang 2024 stellten die beiden einen Satz von Ernst Bloch, welcher gut zu ihnen passt: „Du musst ins Gelingen verliebt sein, nicht ins Scheitern.“ Was von den wenigen Trauben übrig blieb, wurde von den mageren Böden umso besser versorgt und reifte früher als sonst. Herausgekommen sind kräftige Rote und feine Weiße.
Wer die Nahe weiter erkunden möchte, findet bei Anette Closheim eine ganz andere Handschrift derselben Region. Unter Rotwein, Weißwein und alkoholfreie Getränke steht das übrige Sortiment im Shop bereit.