Champagne Drappier, das Pinot-Noir-Haus aus Urville
Champagne Drappier ist ein Champagnerhaus in Familienbesitz, das seit 1808 in Urville an der Côte des Bar Wein macht. Ein Drappier Champagner besteht meist zum größten Teil aus Pinot Noir und kommt mit sehr wenig Schwefel aus.
Champagne Drappier ist ein Champagnerhaus aus Urville im Département Aube, im Süden der Champagne. Die Familie bewirtschaftet 62 Hektar eigene Reben auf Kalkstein aus dem Kimmeridgium, dazu kommen 50 Hektar von Partnerwinzern. Sein bekanntester Champagner ist die Carte d'Or.
Ein Keller aus dem zwölften Jahrhundert
Die Geschichte von Champagne Drappier beginnt lange vor der Familie, denn am Hang von Urville wuchsen schon vor fast 2000 Jahren die ersten Reben.
Im Jahr 1152 ließ der Heilige Bernhard, Gründer der Abtei Clairvaux, in Urville einen Weinkeller bauen, der zu einem landwirtschaftlichen Außenposten der Abtei gehörte. Die Zisterzienser brachten den Morillon Noir mit, einen Vorfahren des Pinot Noir, und machten den Wein der Gegend weit über die Region hinaus bekannt. Später wurde der Keller Pfarrhaus des Dorfes, bis die Familie Drappier das Gebäude nach dem Zweiten Weltkrieg kaufte, das sie zuvor schon mitgenutzt hatte.
Heute ruhen in diesem Gewölbe seltene alte Jahrgänge und die größten Flaschen des Hauses. Als die Champagne im Jahr 2015 zum Welterbe der UNESCO erklärt wurde, gehörte der Keller von Urville zu den Orten, die im Antrag beschrieben waren.
Der Stammbaum der Familie reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück, zu Rémy Drappier, der als Tuchhändler nach Reims ging. Erst 1808 ließ sich mit François ein Nachfahre in Urville nieder und begann, einen wenige Hektar großen Weinberg zu bewirtschaften.
Pinot Noir und die Familie Drappier
Zu Beginn der 1930er-Jahre pflanzte Georges Collot, der Großvater von Michel Drappier mütterlicherseits, als Erster im Kanton wieder Pinot Noir und wurde dafür als Père Pinot belächelt.
Die Zeit hat ihm recht gegeben, denn heute stellt der Pinot Noir rund siebzig Prozent der Reben bei Drappier. Auch im Département Aube ist er die wichtigste Rebsorte, während sich Meunier, Chardonnay und einige alte Sorten den Rest der Weinberge teilen. Auf Meunier setzte André Drappier nach dem verheerenden Frost von 1957, weil er den Spätfrösten im Frühjahr besser standhält.
Im Jahr 1952 schufen André und Micheline Drappier die Cuvée Carte d'Or mit ihrem gelben Etikett, das an die Quitte erinnert. Sechzehn Jahre später, 1968, erdachte Micheline einen Rosé aus reinem Pinot Noir, der es fünfzig Jahre danach bis in den Élysée-Palast schaffte. Schon 1965 hatte General de Gaulle eine Cuvée des Hauses für seine privaten Empfänge in Colombey-les-Deux-Églises gewählt, das nur wenige Kilometer von Urville entfernt liegt. Auch Luciano Pavarotti feierte seine Hochzeit mit Champagner von Drappier.
André Drappier hat Weinberg und Keller bis in seine letzten Jahre mit der Erfahrung von mehr als siebzig Lesen begleitet. Er ist 2025 gestorben, in seinem neunundneunzigsten Lebensjahr.
Seit 1979 leitet Michel Drappier die Weinbereitung in Urville, und seit 2016 arbeiten seine Kinder Charline, Hugo und Antoine an seiner Seite.
Charline kümmert sich um Marketing und Verkauf, Hugo ist für die Reben und die Weinbereitung zuständig, und Antoine bearbeitet einen Teil der Weinberge mit seinem Arbeitspferd. Michel und Hugo stellen mit dem Kellermeister jedes Jahr die Cuvées zusammen. Dabei geht es ihnen weniger um einen immer gleichen Geschmack als darum, jedem Wein seinen eigenen Charakter zu lassen.
Die Weinberge liegen nah beieinander rund um Urville, auf einem Sockel aus Kalkstein des oberen Kimmeridgium. Auf Unkrautvernichter und Insektizide verzichtet die Familie ganz. Gepflügt wird von Hand, mit Pferden oder mit Zugmaschinen, und begrünte Zeilen sorgen für Leben im Boden. Aus zertifiziert ökologisch bewirtschafteten Parzellen stammen unter anderem die Cuvées Clarevallis und Quattuor.
Wenig Schwefel und viel Geduld im Keller
Im Keller von Champagne Drappier wird so wenig wie möglich eingegriffen, und die Weine laufen ohne Pumpen allein mit der Schwerkraft von Station zu Station. Gefiltert und entfärbt werden sie nicht, damit Farbe und Aromen ganz erhalten bleiben.
Ein Teil der Hefen wurde auf dem Gut ausgelesen und vermehrt, das Haus nennt sie Drappier Fermentum Meum. Vor allem aber ist Drappier dafür bekannt, besonders wenig Schwefel zu verwenden, nach eigener Angabe weniger als ein Viertel der erlaubten Menge. Das schenkt jedem Drappier Champagner seine natürliche, oft ins Kupferne gehende Farbe. Außerdem erlaubt es eine langsame zweite Gärung bei niedriger Temperatur, die eine besonders feine Perlage bildet.
Seit fast vierzig Jahren beschäftigt sich das Haus mit Champagner ohne Dosage. Der Brut Nature aus reinem Pinot Noir ist das bekannteste Ergebnis, 2007 folgte eine Cuvée ganz ohne zugesetzten Schwefel. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Champagner heute Brut Nature oder Extra Brut. Wo doch eine Dosage zugegeben wird, kommt sie aus Likören, die fünfzehn Jahre in Fässern aus Limousin-Eiche und danach in Glasballons reifen.
Alte Rebsorten und die größten Flaschen der Champagne
Vor über zwanzig Jahren begann Michel Drappier, die fast vergessenen Rebsorten Arbanne, Petit Meslier, Blanc Vrai und Fromenteau wieder anzupflanzen, die heute auf vier Hektar wachsen.
Aus ihnen entstand 2007 die Cuvée Quattuor, ein Blanc de Blancs aus vier weißen Sorten, und 2019 der Trop m'en Faut aus reinem Fromenteau. Wie das Lastenheft der Champagne diese alten Sorten zulässt, erklärt unsere Warenkunde Champagner.
Bekannt ist Drappier außerdem für seine großen Flaschen, die in den kühlen Kellern von Urville reifen. Weltweit ist es das einzige Haus, das von der halben Flasche bis zum Melchisédech mit dreißig Litern jede Flasche selbst vergären, rütteln und degorgieren lässt. Andere Häuser füllen die ganz großen Formate meist mit fertigem Wein aus kleineren Flaschen. Den Primat mit 27 Litern durfte das Haus sogar selbst benennen, weil es als einziges diese Größe anbietet.
Die Cuvées von Drappier im Überblick
Das Herz des Hauses ist die Carte d'Or, ein Extra Brut aus viel Pinot Noir mit Chardonnay und Meunier, der fast wie ein Blanc de Noirs schmeckt. Es gibt sie auch als halbe Flasche und als Magnum, und noch immer ist mehr als jede zweite Flasche, die Urville verlässt, eine Carte d'Or.
Zum Programm gehören außerdem der Rosé de Saignée, für den der Pinot Noir zwei Tage auf der Maische liegt. Der Blanc de Blancs bekommt neben Chardonnay einen kleinen Anteil Blanc Vrai. Dazu kommen die Cuvée Charles de Gaulle und der Jahrgangschampagner Millésime Exception.
An der Spitze steht die Grande Sendrée aus einer einzelnen Lage, deren Name auf einen Brand im Jahr 1836 zurückgeht. Ebenso selten sind die gereiften Jahrgänge der Oenothèque, die das Haus in kleinen Serien degorgiert. Dazu kommen Coteaux Champenois, also stille Weine aus der Champagne, ein Ratafia und ein Marc de Champagne.
Wer Drappier Champagner gern kalt serviert, findet passend zur Carte d'Or den gelben Champagner Kühler des Hauses. Was gerade vorrätig ist, siehst du unten im Raster, und weitere Häuser findest du in unserer Kategorie Champagner.