Kakuzo aus Berlin und seine mit Tee gebauten Spirituosen
Kakuzo ist eine Berliner Spirituosenmarke, die Paul Meinert und Marc Bergmann 2017 gegründet haben. Sie verbinden japanische Zutaten und Bildwelten mit deutscher Brennkunst, und in jeder ihrer vier Flaschen steckt Tee, entweder als Infusion im Vodka oder destilliert im Gin.
Kakuzo steht für asiatisch inspirierte Spirituosen aus Berlin, gebaut auf einem eigenen Blend aus drei Schwarztees. Der Name stammt von Okakura Kakuzō, der 1906 mit „The Book of Tea" dem Westen die japanische Teekultur erklärte, und das Motto der Marke lautet seither „Made by tea. Formed by time". Gebrannt wird bei Schladerer im Schwarzwald, gedacht und gestaltet wird in Berlin.
Zwei Schulfreunde und eine ausdauernde Badewanne
Paul und Marc kennen sich seit der Schulzeit und haben als junge Erwachsene die Berliner Barszene durchgearbeitet, wo Bartender seit Jahren eigene Teeinfusionen ansetzen.
Genau das ließ die beiden nicht mehr los, denn was in der Bar frisch angesetzt wurde, wollten sie fertig in eine Flasche bringen. Dafür brauchte es Jahre in der heimischen Badewanne, bevor 2017 eine Rezeptur stand, die sie überzeugte, und aus einer Schnapsidee im Wortsinn eine Firma wurde.
Bei Paul kam die Begeisterung für Asien von der Straße. Nach Ausbildung und Zivildienst verbrachte er 2011 drei Monate in Surat Thani in Thailand, weitere Reisen folgten, und irgendwann rückte Japan in den Mittelpunkt. Marc wiederum verschlang schon als Junge Manga-Serien und war von der japanischen Lust auf Perfektion angesteckt.
Als Namenspaten wählten sie einen Gelehrten statt eines Gründervaters. Okakura Kakuzō erklärte um 1900 der westlichen Welt, dass die Teezeremonie mehr ist als heißes Wasser über Blättern. Er verknüpfte dabei Zen-Buddhismus, Taoismus und Handwerk zu einem Blick aufs Ganze, der bis heute nachwirkt. Wer eine Spirituose um einen Tee herum baut, findet kaum einen passenderen Paten.
Vier Flaschen, vier Temperamente
Den Anfang machte 2018 der Earl Grey Vodka, ein Tea Infused Vodka, in dem der Teeblend im Roggenbrand mazeriert. Dabei gibt der Tee dem Brand seine Würze und gleich noch sein tiefes Rotbraun mit. Warm getrunken öffnet sich dieser Vodka so weit wie sonst nur eine frisch aufgegossene Kanne.
Im November 2019 kamen gleich zwei Flaschen dazu, und beide gingen in eine andere Richtung. Der Yuzu Gin Liqueur setzt japanische Yuzu und Mandarine auf einen Gin und gehörte zu den ersten Gin-Likören überhaupt, hell, zitrisch und mit einer leichten Bitternote am Schluss.
Der Cherry Bitter dagegen zieht Kirsche, Enzian und Grapefruit zu einem herben Aperitif zusammen. Im Negroni ersetzt er den klassischen roten Bitter, im Spritz kommt er mit trockenem Weißwein und Soda besonders gut zurecht.
Der jüngste Zugang ist der Organic Dry Gin, die einzige Flasche der Marke in Bio-Qualität. Bei ihm kommt der Tee über die Destillation in den Brand statt über die Mazeration, weshalb er sein Aroma abgibt und der Gin trotzdem glasklar bleibt.
Zusammen ergeben die vier eine kleine Hausbar, die von klar bis dunkelrot und von zwanzig bis vierundvierzig Prozent alles abdeckt. Zwei davon sind leichte Aperitifs für den frühen Abend, zwei sind vollwertige Brände für die späte Stunde, und alle vier vertragen sich mit demselben Tonic. Was gerade vorrätig ist, siehst du unten im Raster, und Verwandtes findest du im Gin-Regal sowie im Likör-Regal.
Dosierung, Ziehzeit und Temperatur
Die Grundlage aller Kakuzo-Spirituosen ist ein Blend aus Sencha aus Japan, Keemun aus China und Assam aus Indien, den es so nirgends zu kaufen gibt.
Bis er stand, haben Paul und Marc in einem Hamburger Teekontor über 60 Schwarztees verkostet. Herausgekommen ist eine Mischung, die würzig und leicht malzig schmeckt und Honig sowie Zitrusfrüchte mitbringt, ohne dabei laut zu werden. Verfeinert wird sie mit ätherischen Ölen von Bergamotte, Grapefruit und Limette.
Das eigentliche Handwerk liegt danach im Zusammenspiel dreier Größen, nämlich Dosierung, Ziehzeit und Temperatur. Zieht der Tee zu lange, wird er bitter, zieht er zu kurz, steht der Alkohol nackt da, und beides verzeiht die Flasche hinterher nicht mehr.
Der Vodka darunter wird fünffach gefiltert und mehrfach destilliert, damit er weich genug bleibt und dem Tee nicht ins Wort fällt. Gebrannt wird bei Schladerer in Staufen im Schwarzwald, wo seit 1844 vor allem Obst durch die Blase läuft und der Umgang mit Frucht zum Alltag gehört.
Beim Gin greift zusätzlich die London Dry Art, bei der nach dem Brennen nichts mehr zugesetzt werden darf. Seine Botanicals stammen aus kontrolliert biologischem Anbau, wofür die Öko-Kontrollstelle DE-Öko-003 geradesteht, und bei so viel Zitrusschale in der Rezeptur ist das mehr als eine Formalie.
Yokai, Ukiyo-e und ein Samurai aus Teeblättern
Die Etiketten sind keine bloße Dekoration, sondern erzählen die halbe Geschichte mit. Sie greifen die Ukiyo-e auf, jene Holzdrucke aus dem alten Edo, die Künstler wie Hokusai, Hiroshige und Utamaro zu Tausenden auf die Straßen brachten.
Nach der Öffnung Japans 1853 kamen diese Blätter als billiges Verpackungsmaterial für Porzellan nach Europa und krempelten dort die Kunst um. Ohne Ukiyo-e, so heißt es, gäbe es die westliche Moderne nicht, und Kakuzo nimmt diesen Faden sichtbar wieder auf.
Bevölkert werden die Flaschen von Yokai, den Fabelwesen der japanischen Geisterwelt. Auf dem Earl Grey Vodka fallen der listige Fuchs Kitsune und der streitbare Himmelshund Tengu in einem Samurai aus Teeblättern zusammen, Ruhe und Sturm in einer einzigen Figur.
Der Yuzu Gin Liqueur trägt einen goldenen Drachen über blauer Welle, der Cherry Bitter einen Leoparden zwischen roten Blüten. Über den Organic Dry Gin ziehen zwei Koi-Karpfen, die in Japan für Stärke, Ausdauer und Strebsamkeit stehen. Auch eine Winkekatze hat es auf die Familie geschafft, weil Glück in dieser Bildwelt selten fehlen darf.
Um jeden Flaschenhals läuft außerdem eine Banderole mit einem Satz von Okakura Kakuzō. Wer eine Flasche verschenkt, gibt damit eine kleine Geschichte mit, ohne eine Karte dazulegen zu müssen, und das Glas bleibt hinterher auf dem Regal stehen.
Silber und Bronze von der IWSC-Jury
Die International Wine and Spirit Competition hat gleich drei der vier Flaschen ausgezeichnet, was für ein so junges Haus bemerkenswert ist.
Silber ging an den Yuzu Gin Liqueur, den die Jury als „eine kühne Yuzu mit einer fabelhaften bitter-süßen Kombination" beschrieb. Ebenfalls Silber bekam der Cherry Bitter, den sie „außergewöhnlich fruchtig und würzig" mit „schwarzen Kirschen und Waldfrüchten" nannte. Der Organic Dry Gin holte Bronze für „einen erdigen Charakter mit frischem Wacholder und hellen Kräuternoten".
Fast noch bemerkenswerter finden wir allerdings eine andere Wendung dieser Geschichte. Seit 2019 exportiert Kakuzo nach Japan, zwei Berliner verkaufen also Tee-Spirituosen in genau das Land, aus dem die Idee dazu stammt. Über diesen Umstand staunen Paul und Marc nach eigener Aussage bis heute selbst.
„Ein Lächeln ist hundert Worte wert" steht als japanisches Schriftzeichen auf jeder Flasche, und genau darum geht es dieser Marke. Wer sich danach weiter umschauen möchte, findet Häuser mit ähnlicher Handschrift im Spirituosen-Regal. Alle Achtung.