Spirituosen alkoholfrei mit Würze statt Alkohol
Im Regal Spirituosen alkoholfrei stehen bei nur Gutes die Flaschen, in welchen Nelke und Piment den Wacholder begleiten, die Gurke nachklingt, Enzian unter der Bitterorange liegt und Chili der Blutorange zuletzt folgt. Getrunken wird hier lang, meist auf Eis.
Spirituosen alkoholfrei steht für würzige Getränke ohne Alkohol, deren Aroma als Destillat, Hydrolat oder Aufguss aus Kräutern, Beeren und Schalen stammt. Als alkoholfreie Spirituosen werden sie gesucht, rechtlich aber ist keines dieser Getränke eine Spirituose, denn die beginnt nach EU-Recht erst bei 15 % vol.
Wacholder und Kräuter gehen als Destillat, Hydrolat oder Aufguss in die Flasche
Drei Wege führen in diesem Regal zur Würze, und am Ende steht jedes Mal ein Getränk ohne Alkohol. Windspiel in der Vulkaneifel mazeriert seine Botanicals, lässt die Pflanzen also in Flüssigkeit ziehen, und destilliert sie dann. Destillateurmeister ist dort Holger Borchers, und das Rezept bleibt ein Geheimnis des Hauses.
Jörg Geiger in Schlat setzt Wacholder oder Albkümmel in Wasser an und destilliert sie. Was dann aus der Brennblase läuft, ist ein Hydrolat, ein Wasser voller Pflanzenduft. Mit Säften von Apfel, Gurke und Stachelbeere und etwas Kohlensäure wird daraus der Dzin Bitter, trinkfertig aus der Flasche.
Im San Orangello aus Berlin stehen Kräuterdestillate, welchen der Alkohol nach dem Brennen wieder entzogen wurde, neben Bitterorange, Enzianwurzel und Artischockenblättern. Den San Limello desselben Hauses trägt dagegen ein Aufguss aus Zitronen.
Im November 2025 hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass ein Getränk ohne Alkohol nicht Gin heißen darf, auch nicht mit dem Zusatz alkoholfrei. Das Oberlandesgericht Hamburg hat 2026, noch nicht rechtskräftig, auch Umschreibungen untersagt, welche ein solches Getränk an einer Spirituose messen. Als Getränkename ist Kümmel so geschützt wie Gin, das Wort Bitter darf dagegen auch ein Getränk ohne Alkohol tragen.
Aus Schlat duftet es nach Wacholder und Dill, daneben würzen Nelke, Enzian und Chili
Am meisten verlangt werden die beiden Flaschen der Manufaktur Jörg Geiger, allen voran der Dzin Bitter. Der Virgin Longdrink mit Wacholder und Gurke duftet zitronig und nach Bitterorange, bevor die Gurke im langen Nachhall auftaucht.
Der Aecht Kimmel duftet grün nach Dill, dazu nach Honig und Kamillenblüte, bevor Kümmel und am Ende etwas Gerbstoff folgen. Den Wiesenkümmel dafür baut Wilfried Holder auf der Alb wieder an.
Aus der Vulkaneifel kommt das alkoholfreie Destillat mit Wacholder, welches Windspiel als Basis für Longdrinks und Cocktails führt. Im Duft stehen Nelke und Piment vorn, dann folgen die Beeren und eine Zitrusnote, welche lange bleibt.
Die bittere Kräuterseite zeigt die Bitterorange mit Kräuterdestillaten aus dem Haus von Christina Jagla, dunkel bernsteinorange in der Flasche. Für Schärfe im Abgang sorgt der Zero Spritz aus Werne, eine Blutorange mit Chili und einer herben Kräuternote dazwischen. Die Spritz und Basen von Dr. Jaglas und Windspiel stellen wir ausführlich bei den alkoholfreien Aperitifs und Spritz vor.
Bei Spirituosen alkoholfrei führt die Würze zum passenden Glas
Wer bei nur Gutes im Regal Spirituosen alkoholfrei eine Flasche aussucht, fragt zuerst nach der Würze, dann nach der Machart und zuletzt nach dem Glas, in welches sie kommt. Bei der Würze stehen vier Richtungen zur Wahl, Wacholder im Destillat von Windspiel und im Dzin Bitter, Kümmel und Dill im Aecht Kimmel, Bitterorange mit Enzian im San Orangello und Chili zur Blutorange im Zero Spritz.
Bei der Machart trennt sich das Destillat, welches man als Basis aufgießt, etwa mit Tonic, vom Hydrolat aus Schlat, welches mit Saft und Kohlensäure schon trinkfertig ist. Auch der San Orangello wird nach dem Rezept des Hauses mit Tonic aufgegossen.
Zwei Häuser nennen das Glas gleich mit, Jörg Geiger das Burgunder- oder Longdrinkglas auf Eis bei 8 bis 10 °C, Dr. Jaglas für den San Orangello das Weinglas mit Eis und einer Orangenscheibe. Nach der Würze wählen, nach der Machart unterscheiden, nach dem Glas einschenken.
Das Destillat will Tonic, die Longdrinks aus Schlat wollen Kälte und Eis
Das Destillat von Windspiel gießt du mit einem Tonic Water aus derselben Manufaktur auf oder nimmst es als Basis für einen Cocktail. Geöffnet hält es sich ungekühlt mindestens acht Wochen, und so wartet die Flasche im Schrank, bis der nächste Abend danach verlangt.
Die beiden Longdrinks aus Schlat schenkst du gut gekühlt auf Eis ein, so wie sie aus der Flasche kommen. Zu Gegrilltem, Artischocken und eingelegten Oliven stellst du den San Orangello auf den Tisch, lang aufgegossen und mit viel Eis.
Dann duftet am Tisch das eine Glas nach Nelke und das andere nach Gurke, und die Gläser wandern von Hand zu Hand, damit jeder vergleichen kann. Für den kurzen Schluck in einem Zug ist keine dieser Flaschen gemacht, sie alle wollen Raum im Glas und etwas Zeit.
Nelke und Piment für den Winter, Gurke und Eis für den Sommer
Wenn es früh dunkel wird, gehören Nelke und Piment ins Glas, das Destillat aus der Vulkaneifel mit Tonic, während draußen der erste Frost auf den Scheiben liegt. Im Sommer stehen die Longdrinks aus Schlat kalt auf dem Gartentisch, zwischen Salatschüssel und Brotkorb, und die Gurke darin kommt dann wie gerufen.
Dazwischen liegen all die Abende, an welchen jemand am Tisch ohne Alkohol anstößt, und für jeden davon hält dieses Regal eine eigene Würze bereit.