The Illusionist Distillery und ihr blauer Gin aus München
The Illusionist Distillery aus München brennt einen tiefblauen Gin, welcher mit Tonic zartrosa wird. Max Muggenthaler und Tim Steglich gründeten sie 2015, gebrannt wird in Hohenbrunn aus sechzehn Botanicals. Für die Farbe sorgt die Blüte der Schmetterlingserbse, nicht der Farbtopf.
The Illusionist Distillery ist eine Münchner Spirituosenmarke, welche 2015 von Max Muggenthaler und Tim Steglich gegründet wurde. Bekannt wurde sie mit einem Dry Gin, welcher im Glas die Farbe wechselt, gebrannt in kleinen Chargen in einer Kupferdestille in Hohenbrunn bei München.
Eine Idee aus dem Glockenbachviertel
2015 saßen zwei Freunde in München zusammen und wollten einen Gin machen, welcher sich vom Regal abhebt, ohne schlechter zu schmecken.
Max Muggenthaler und Tim Steglich begannen mit kleinen Tischdestillen, probierten Rezeptur um Rezeptur und verwarfen die meisten wieder. Fast ein Jahr verging, bis das Verhältnis der Botanicals so stand, dass sie zufrieden waren. München war dafür kein schlechter Ort, denn zwischen Bars, Brauereien und einer langen Kräuterlikörtradition findet sich hier Rat für fast jede Frage.
Aus den Tischdestillen wurde eine kupferne Anlage im nahen Hohenbrunn, aus zwei Freunden ein Betrieb mit Team. Der Name blieb, was er von Anfang an war: ein Versprechen auf etwas, das man nicht erwartet.
Ihr Leitsatz steht bis heute auf der Flasche: Traditionen beginnen, statt ihnen zu folgen. Das ist eine große Ansage für zwei Anfänger, doch die Rezeptur hat sie eingelöst.
Wichtig war den beiden von Anfang an, dass der Farbwechsel nicht der einzige Grund zum Kauf bleibt. Ein Gin, welcher nur hübsch aussieht, steht nach dem ersten Abend ungeöffnet im Regal, und genau das wollten sie vermeiden. Deshalb ging mehr Arbeit in die Botanicals als in die Blüte.
Warum aus Blau plötzlich Rosa wird
Der Farbwechsel ist kein Zaubertrick, sondern eine Reaktion, welche jede Küche kennt.
Die Blüte der Schmetterlingserbse, in Fernost seit Langem für Tee und Speisen genutzt, enthält Anthocyane. Diese Farbstoffe sind empfindlich gegenüber dem pH-Wert: Im neutralen Bereich erscheinen sie tiefblau, kommt Säure dazu, kippen sie über Violett ins Rosa.
Genau dasselbe passiert mit Rotkohl, welcher im Topf blau wird und erst durch einen Schuss Essig seine rote Farbe bekommt. Tonic Water, Ginger Beer, Limetten- oder Zitronensaft senken den pH-Wert und lösen den Wechsel aus. Wer den Gin dagegen pur trinkt oder mit stillem Wasser mischt, bleibt beim Blau.
Die Blüte selbst ist in Thailand und Malaysia seit Langem in Gebrauch, als Tee, als Farbe für Reis und Gebäck. Neu ist nicht die Pflanze, sondern der Gedanke, sie in einen Gin zu bringen und den Farbwechsel zum Teil des Servierens zu machen.
Ein Hinweis für den Alltag: Wer den Gin über Nacht im hellen Fenster stehen lässt, verliert Farbe, denn Anthocyane sind lichtempfindlich. Dunkel gelagert bleibt das Blau über Jahre kräftig.
Sechzehn Botanicals und eine kupferne Blase
Grundlage ist ein Weizendestillat, in welches sechzehn Botanicals ihre Aromen geben, ausgewählt und einzeln verarbeitet.
Wacholder, Kardamom, Macis, Ingwer und Angelikawurzel bilden das Gerüst, dazu kommen Orange, Grapefruit und Zitrone, außerdem Cranberries, Zitronengras, Kamille, Rosmarin, Lavendel und ein Hauch Süßholzwurzel. Die Botanicals stammen aus zertifiziert biologischem Anbau und werden zum optimalen Reifegrad geerntet.
Gebrannt wird in einer kupfernen Pot Still in Hohenbrunn bei München, in kleinen Chargen und ohne Kältefiltration. Das bedeutet, dass alle Aromastoffe in der Flasche bleiben, auch jene, welche bei Kälte für eine leichte Trübung sorgen. Je weniger nachträglich herausgefiltert wird, desto vollständiger schmeckt am Ende der Gin.
Sechzehn Botanicals sind viel, und die Kunst liegt darin, dass keines das andere erdrückt. Lavendel und Kamille können einen Gin schnell seifig machen, Süßholz kann ihn süßlich wirken lassen, und Macis überdeckt in zu großer Menge alles andere. Hier sind sie so dosiert, dass der Wacholder die Führung behält.
Vom Gin zum Rum und zum Aperitivo
Aus der einen Flasche ist über die Jahre ein kleines Sortiment geworden, welches der Idee vom Unerwarteten treu bleibt.
Herzstück ist der The Illusionist Dry Gin mit 45 Prozent Alkohol, fruchtig-floral und mit dem bekannten Farbwechsel. Daneben stehen eine alkoholfreie Variante namens Masquerade, eine Münchner Fußball-Edition sowie limitierte Abfüllungen der Distiller's Edition.
Dazu kommen ein Rum unter dem Namen The Sentinel, welcher mit einem eigenen Reifeverfahren arbeitet, und der Aperitivo The Azzurino, welcher den Farbwechsel in die Aperitif-Stunde trägt. Bei uns steht bislang der Dry Gin im Regal, denn er ist das Original.
Auffällig ist, dass sich der Betrieb dabei nicht auf eine Kategorie festlegt. Gin, Rum, Aperitivo und alkoholfreie Alternativen kommen aus demselben Haus, und jedes Mal steht eine Idee dahinter, welche man nicht sofort erwartet. Das kann man beliebig finden oder mutig, langweilig wird es jedenfalls nicht.
Gold aus London und San Francisco
Der Gin sammelt seit Jahren Medaillen, und zwar dort, wo die Konkurrenz besonders groß ist.
Gold gab es unter anderem bei der International Wine and Spirit Competition in London und bei der San Francisco World Spirits Competition, dazu 90 Punkte im Falstaff Spirits Guide. Auch Zeitschriften wie GQ und Esquire haben ihn früh zu den bemerkenswerten deutschen Gins gezählt.
Für eine Marke, welche 2015 mit zwei Tischdestillen begann, ist das eine erstaunliche Bilanz. Die Auszeichnungen gehören den beiden Gründern und ihrem Team in Hohenbrunn. Alle Achtung.
Bemerkenswert ist dabei, dass die Jurys blind verkosten. Vor dem Glas einer Fachjury nützt der schönste Farbwechsel nichts, weil dort allein Duft, Geschmack und Balance zählen. Wer unter diesen Bedingungen Gold holt, hat einen guten Gin gemacht und nicht nur eine gute Idee gehabt.
Der erste Gin Tonic ist eine kleine Vorstellung
Nimm ein hohes Glas, viel Eis und ein helles Tonic ohne aufdringliche Bitternote, damit die Farbe zur Geltung kommt.
Gieß das Tonic langsam über einen Barlöffel ein, dann läuft der Wechsel als Verlauf von Blau über Violett zu Rosa ab, und alle am Tisch schauen zu. Als Garnitur passen eine Scheibe Grapefruit, ein Zweig Rosmarin oder ein paar Cranberries.
Für eine Runde lohnt es sich, die Gläser vorher kalt zu stellen und das Tonic frisch zu öffnen, denn schale Kohlensäure nimmt dem Drink die Spannung. Wer mag, gibt vor dem Tonic einen Spritzer Limette dazu, dann beginnt der Farbwechsel schon vorher und wird noch deutlicher.
Pur bei Zimmertemperatur zeigt der Gin seine floralen Seiten am deutlichsten, im Gin Basil Smash übernimmt der Basilikum die Führung. Weitere Flaschen stehen in unserer Gin-Auswahl, verwandte Handschriften findest du bei Kosmaten aus Stuttgart und beim Hoos aus Karlsruhe, und die ganze Bandbreite steht unter Spirituosen. Lass dich überraschen.