Hofkellerei Maffei aus Kurtinig an der Südtiroler Weinstraße
Die Hofkellerei Maffei ist ein kleiner Obstbaubetrieb im Südtiroler Unterland, welcher aus eigenen Äpfeln Cider keltert statt Wein. Giorgio Maffei begann 2010 damit und gilt seither als Pionier des Südtiroler Ciders. Drei Hektar Apfelwiesen und sechs Sorten stehen hinter jeder Flasche.
Die Hofkellerei Maffei aus Kurtinig an der Weinstraße tut etwas, das in Südtirol lange niemand tat: Hier werden Äpfel vergoren statt Trauben. Giorgio Maffei ist Obstbauer und Önologe zugleich, bewirtschaftet den Hof in vierter Generation und füllt seinen Cider unter der Marke Iduna ab. Wer die Region kennt, weiß, wie ungewöhnlich das ist – an der Weinstraße denkt man an Vernatsch und Lagrein, nicht an Apfelsekt.
2010 begann Giorgio mit dem ersten Cider
Die Hofkellerei Maffei ist keine alte Kellerei, sondern eine junge Idee auf einem alten Hof. Den Betrieb gibt es seit vier Generationen, den Cider erst seit 2010.
Giorgio Maffei hatte zu diesem Zeitpunkt bereits rund drei Jahrzehnte Erfahrung in der Schaumweinerzeugung gesammelt. Druck, Hefe und Perlage kannte er also aus dem Effeff. Was ihm fehlte, war ein Grund, dieses Wissen auf das eigene Obst anzuwenden. Den lieferten die Apfelwiesen rund um sein Haus, deren Ernte bis dahin denselben Weg nahm wie die aller Nachbarn – in die Genossenschaft, in die Kiste, in den Supermarkt.
Er wollte, wie er es selbst formuliert, „ein traditionelles, fast vergessenes Getränk als erstklassiges, innovatives Produkt" zurückholen. Vorbild oder Markt gab es dafür in Südtirol damals nicht. Heute wird er in der Region als derjenige genannt, der mit dem Cider angefangen hat. Für eine Gegend, in der man Generationen in Rebzeilen misst, sind anderthalb Jahrzehnte eine kurze Zeit.
Kurtinig selbst liegt ganz im Süden des Landes, dort wo das Etschtal breit wird, das Klima schon deutlich mediterran ausfällt und die Weinberge bis an die Straße reichen. Die Apfelwiesen teilen sich den Talboden mit den Reben, und genau in dieser Nachbarschaft von Obst und Wein ist die Idee entstanden, das eine mit den Mitteln des anderen zu behandeln.
Iduna, Iduna Quitte und der rosa Melino
Das Sortiment der Hofkellerei ist übersichtlich geblieben und umfasst drei Flaschen, von denen zwei bei uns im Regal stehen.
Der Iduna Apfel Cider ist der Klassiker des Hauses und zugleich jene Flasche, mit der 2010 alles anfing. Gekeltert aus drei Apfelsorten, strohgelb mit einem grünlichen Schimmer darin, ist er mit 5 % vol der kräftigere und trockenere der beiden. Seinen Namen verdankt er Iduna, jener nordischen Göttin, welche die goldenen Äpfel hütete. Ein Pate von weit her, aber ein passender für ein Getränk aus Apfelgärten.
Der Melino Apfel Cider mit Himbeere ist der jüngere und deutlich auffälligere Bruder. Himbeere färbt ihn von Pink bis Altrosa, eine Prise Ingwer setzt den Gegenpunkt zur Frucht. Mit 3 % vol ist er genau das, was Giorgio auf dem Etikett „Life is better in Pink" nennt. Bei uns ist er von beiden der meistgekaufte, was vermutlich ebenso an der Farbe liegt wie am Inhalt.
Dazu kommt in Südtirol noch der Iduna mit Apfel und Quitte. Goldgelb, mit Duftnoten von Honig und tropischen Früchten, geht er in eine herb-süßliche Richtung und passt damit zu Bergkäse, Süßspeisen und asiatischer Küche. Diese dritte Flasche führen wir derzeit nicht, sie rundet aber das Bild eines Hauses ab, das mit einer einzigen Frucht erstaunlich verschiedene Richtungen einschlägt.
Drei Hektar, sechs Sorten, alles von Hand
Die Rohstoffbasis der Hofkellerei ist klein und genau umrissen, denn es sind ausschließlich drei Hektar Apfelanlagen rund um den Hof, mehr nicht.
Damit liegt Giorgio ziemlich genau im Südtiroler Durchschnitt, denn die rund achttausend Apfelbetriebe des Landes bewirtschaften im Mittel zweieinhalb bis drei Hektar. Ungewöhnlich ist an diesem Hof also nicht die Größe, sondern das Ziel. Südtirol ist das größte zusammenhängende Apfelanbaugebiet Europas und erzeugt jährlich etwa eine Million Tonnen Tafelobst. Giorgios Ernte aber wandert nicht in die Kiste, sondern in den Gärtank.
Auf diesen drei Hektar wachsen Granny Smith, Braeburn und Fuji neben Golden Delicious, Red Delicious und Gala. Die sechs Sorten ergänzen sich in Säure, Süße und Duft, und erst in der Mischung ergeben sie den Cider, den er im Kopf hat. Gepflückt wird ab Mitte August und ausschließlich von Hand, von Giorgio und seiner Frau Erna selbst.
Rund zweitausend Arbeitsstunden stecken jedes Jahr in diesen Anlagen, was bei drei Hektar eine Menge gebückter Rücken bedeutet und zugleich erklärt, warum die Mengen dieses Hauses überschaubar bleiben.
Warum der Cider im Drucktank vergärt
Das Verfahren der Hofkellerei ist im Kern ein Sektverfahren, angewandt auf Apfelsaft. Der Most vergärt mit Hefe bei niedrigen Temperaturen in geschlossenen Druckfässern.
Weil der Tank verschlossen bleibt, kann die Kohlensäure aus der Gärung nicht entweichen und bindet sich stattdessen im Getränk. Genau daher stammt das feine, langanhaltende Prickeln, und eben nicht aus einem Zusatz. Auf zugesetzten Zucker sowie auf Kohlensäure von außen wird bei Maffei bewusst verzichtet, was den Charakter jeder Füllung unmittelbar an das bindet, was die Ernte in jenem Jahr hergab.
Das erklärt zugleich, warum diese Flaschen so viel weniger Alkohol tragen als Wein. Vergoren wird allein der Zucker, den der Apfel selbst mitbringt, und der reicht nur für drei bis fünf Prozent. Damit steht Cider ungefähr in der Mitte zwischen dem Saft, aus dem er entsteht, und dem Schaumwein, dessen Machart er sich borgt.
Anders als der deutsche Apfelwein, welcher meist still bleibt und deutlich herber ausfällt, ist der Südtiroler Cider prickelnd und fruchtbetont. Das macht ihn zu einem Getränk für den frühen Abend und für lange Tafeln, an denen noch ein zweites Glas folgen soll, ohne dass der Abend damit entschieden wäre.
Gold und Silber beim CiderWorld Award 2020
Beim CiderWorld Award 2020 in Frankfurt, dem wichtigsten internationalen Wettbewerb dieser Kategorie, holte die Hofkellerei Maffei gleich zwei Medaillen.
Der Iduna aus Apfel bekam Gold und erreichte 111 von 120 möglichen Punkten. Der Iduna mit Apfel und Quitte wurde mit Silber und 98 Punkten bewertet. Für einen Betrieb, welcher zehn Jahre zuvor bei null angefangen hatte und keine drei Hektar bewirtschaftet, ist das eine bemerkenswerte Bilanz. Alle Achtung.
Der Melino war bei diesem Wettbewerb nicht unter den ausgezeichneten Flaschen, was seinem Erfolg im Regal erkennbar nicht geschadet hat. Darüber hinaus trägt der Betrieb das Qualitätssiegel Südtirol, welches an Erzeuger mit kontrollierter Herkunft und geprüften Kriterien vergeben wird.
In unserer Cidre-Auswahl stehen die beiden Maffei-Flaschen neben Erzeugnissen aus Frankreich und England. Dort haben Cidre und Cider eine erheblich längere Geschichte und ganz eigene Stile hervorgebracht. Wer sehen möchte, was sonst noch aus derselben Ecke kommt, findet unter Südtirol Speck, Brot und Konfitüren aus den Tälern rundherum. Und wer es allgemein prickelnd mag, wird unter Prickelnd fündig.
Zwei Apfelflaschen aus dem Weinland – damit hätte an der Südtiroler Weinstraße wohl niemand gerechnet.