Kosmaten aus Stuttgart und ihr Mesano Dry Gin
Kosmaten ist die Stuttgarter Marke hinter Mesano, einem Dry Gin mit dreizehn Botanicals und einem roten Wermut auf Spätburgunder. Vier Studienfreunde gründeten sie 2018, gebrannt wird in kleinen Chargen am Kaiserstuhl. Von jeder Flasche geht ein Teil an gemeinnützige Vereine.
Kosmaten ist eine kleine Spirituosenmarke aus Stuttgart, welche unter dem Namen Mesano Gin und Wermut herstellt. Hinter ihr stehen vier Freunde, welche sich im Studium kennenlernten und 2018 mit einer eigenen Rezeptur begannen. Der Name stammt von jenen mittelalterlichen Handwerkern, welche in Rom die Mosaikböden legten.
Aus etlichen Verkostungen wurde eine eigene Rezeptur
Tim Grieshammer, Fabian Armbruster, Andranik Khodjabagyan und Simon Maisack lernten sich während des Studiums in Stuttgart kennen und teilten schnell eine Vorliebe für gut gemachten Gin.
Erst waren es Verkostungen unter Freunden, bei denen reihum Flaschen auf den Tisch kamen und jeder seine Notizen machte. Irgendwann kannten die vier den Markt gut genug, um zu merken, dass ihnen bei aller Auswahl etwas fehlte: ein Gin, welcher frisch bleibt, ohne die Würze zu verlieren.
„Das können wir auch, vielleicht sogar besser“, war der Satz, welcher am Anfang stand. Aus dem Vorsatz wurde ein Jahr Tüftelei mit kleinen Tischdestillen, erst unter dem Arbeitsnamen Mosaik, dann als Mesano. 2018 stand die Rezeptur, und aus vier Studienfreunden wurde die Kosmaten GbR mit Sitz in der Hauptstätter Straße.
Der Name ist Programm: Die Kosmaten waren zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert eine Gruppe römischer Handwerker, welche ihre Mosaike Stein für Stein nach antiken und arabischen Vorbildern legten. In Kirchen und Palästen liegen ihre Böden bis heute. Genau so verstehen die vier ihre Rezepturen: viele kleine Teile, welche erst zusammen ein Bild ergeben.
Ein Gin, ein Wermut und eine Variante ohne Alkohol
Das Sortiment bleibt bewusst überschaubar, dafür trägt jede Flasche dieselbe Handschrift und dasselbe orientalische Etikettenmuster.
Der Mesano Dry Gin mit 42 Prozent Alkohol ist das Herzstück, ein Small Batch Gin aus dreizehn Botanicals, in welchem sizilianische Blutorange, Zitronengras, Minze und Nelke den Wacholder umspielen. Frisch, würzig, mit langer Zitrusspur im Abgang, so lässt er sich in einem Satz beschreiben.
Der Mesano Vermouth mit 18 Prozent Alkohol geht den anderen Weg: Spätburgunder aus dem Stuttgarter Raum wird zu Rotwein vergoren, mit Wermutkraut und weiteren Botanicals aromatisiert und mit Blutorangengeist aufgespritet. Bittersüß und kräuterwürzig steht er als Aperitif für sich, im Negroni übernimmt er den roten Part.
Dazu kommen ein Navy Strength mit 57,2 Prozent Alkohol, seit Februar 2021 im Programm und deutlich kräftiger gewürzt mit Schwarztee und Zimt, sowie der alkoholfreie Dry Sin, ein Wacholderdestillat mit 0,0 Prozent Alkohol. Alle Flaschen gibt es zusätzlich als Mini mit 0,1 Litern, hübsch zum Verschenken und praktisch zum Ausprobieren.
Der Navy Strength ist dabei kein bloß stärkerer Gin, sondern eine eigene Rezeptur: Mehr Alkohol trägt andere Aromen, deshalb rücken hier Schwarztee, Zitrone und Zimt nach vorn. In Cocktails mit viel Zucker oder Zitrus setzt er sich durch, wo ein milderer Gin untergehen würde.
Kleine Chargen am Kaiserstuhl
Gebrannt wird nicht in Stuttgart, sondern bei einer Partnerbrennerei am Kaiserstuhl in Baden, wo die kleinen Chargen von Hand überwacht werden.
Die Botanicals werden getrennt behandelt und erst danach zusammengeführt, damit die zarten Aromen von Minze und Zitronengras nicht unter dem Wacholder verschwinden. Je sorgfältiger dieses Zusammenlegen geschieht, desto klarer bleibt am Ende jedes einzelne Aroma erkennbar. Das Ergebnis ist ein Gin aus Baden-Württemberg, welcher regional gedacht und handwerklich gemacht ist.
Dass eine junge Marke bei einer erfahrenen Brennerei brennen lässt, statt selbst eine Anlage zu kaufen, ist im Gin üblicher, als viele denken. Es bedeutet nicht weniger Handarbeit, sondern eine andere Arbeitsteilung: Die Rezeptur, die Auswahl der Botanicals und das Abschmecken bleiben bei den vieren, die Technik steht am Kaiserstuhl.
Kleine Chargen heißen auch: Jede Füllung wird abgeschmeckt, bevor sie in die Flasche geht. Was bei großen Marken die Rezepturtreue der Maschine leistet, machen hier vier Menschen mit Nase und Zunge. Der Aufwand ist größer, das Ergebnis dafür lebendiger.
Auch die Ausstattung folgt dieser Haltung: Türkis und Gold beim Gin, Rot und Gold beim Wermut, beides mit demselben Mosaikmuster, welches sich über das ganze Sortiment zieht. Wer eine Flasche ins Regal stellt, erkennt die nächste sofort wieder.
Von jeder Flasche geht etwas weiter
Die Kosmaten unterstützen mit jeder verkauften Flasche drei Einrichtungen, welche ihnen persönlich nahestehen.
Dazu gehören Diakoneo mit kunsttherapeutischen Angeboten für Menschen mit Behinderung, der Green Forest Fund für den Erhalt alter Bäume und die Initiative Helfern auf Achse, welche Hilfsgüter dorthin bringt, wo sie gebraucht werden. Keine große Kampagne, sondern ein fester Anteil pro Flasche.
Die vier reden offen darüber, damit andere nachziehen, und halten die Auswahl klein genug, um zu wissen, wohin das Geld fließt. Wer eine Flasche Mesano öffnet, trinkt also einen Gin aus Baden-Württemberg und schickt nebenbei ein paar Cent in Richtung Wald, Werkstatt und Nachbarschaftshilfe. Genauso sehen wir das auch.
Kleine Flaschen für den Gabentisch
Jede Sorte gibt es zusätzlich als Mini mit 0,1 Litern, und diese kleinen Flaschen sind bei uns die beliebteste Art, Mesano kennenzulernen.
Für ein Mitbringsel reicht eine einzelne Mini mit einer Zeste Blutorange und einem kleinen Fläschchen Tonic daneben, für den Adventskalender eines erwachsenen Menschen sind sie ohnehin gemacht. Wer unsicher ist, ob der Beschenkte Gin oder Wermut lieber mag, stellt beide nebeneinander und lässt ihn selbst entscheiden.
Auch die großen Flaschen mit 0,5 Litern machen sich als Geschenk gut, weil das Mosaikmuster ohne weitere Verpackung auskommt. Türkis und Gold für den Gin, Rot und Gold für den Wermut, mehr Aufmachung braucht es nicht. Ein Band drum, fertig.
Der Einstieg über Tonic und Zeste
Für den ersten Eindruck reicht ein mildes Tonic, viel Eis und eine breite Orangenzeste, damit die Blutorange nach vorn kommt.
Wer den Abend leichter beginnen möchte, nimmt den Wermut auf Eis, wer es klassisch mag, mischt beide zu gleichen Teilen mit Campari im Negroni. Zum Aperitif passen Oliven, gesalzene Mandeln und ein junger Pecorino, im Winter auch geröstete Nüsse. Weitere Flaschen aus deutschen Brennereien findest du in unserer Gin-Auswahl, verwandte Aperitifs unter Wermut.
Und wenn du dich durch deutsche Gin-Handschriften probieren möchtest, lohnt der Vergleich mit Hoos aus Karlsruhe oder Ferdinand's von der Saar. Jede dieser Marken erzählt ihre Gegend auf eigene Weise, und im direkten Vergleich hörst du am schnellsten, was dir liegt. Der Mesano steht dabei für die frische, zitrusbetonte Richtung, ohne den Wacholder zu verstecken. Probier dich durch.