Pasini San Giovanni, Bio-Weingut zwischen Valtènesi und Lugana
Pasini San Giovanni ist ein Familienweingut in Raffa di Puegnago am Westufer des Gardasees, das seit 2014 zertifiziert biologisch arbeitet. Seine Reben stehen in der Valtènesi mit der roten Groppello-Traube und im Lugana-Gebiet mit der weißen Turbiana. Daraus entstehen Rosé, Rotwein, Weißwein und Schaumwein.
Pasini San Giovanni ist das Weingut der Familie Pasini aus Raffa di Puegnago del Garda in der Provinz Brescia. Andrea Pasini hat es 1958 gegründet, heute führt es die dritte Generation. Die Reben wachsen in der Valtènesi rund um Raffa und in Picedo di Polpenazze sowie im Lugana-Gebiet am Südufer des Sees. Mehr als 70 Prozent der Rebfläche tragen einheimische Sorten, allen voran Groppello und Turbiana, dazu ein kleines Stück Erbamat.
Von der Osteria in Brescia zur Cascina am See
Die Geschichte beginnt 1940 mit einer Osteria, in der Andrea und Amelia Pasini Wein ausschenkten. 1958 eröffnete Andrea dann seinen ersten Weinkeller in der Via Volta in Brescia.
1964 schloss sein jüngster Sohn Bruno das Studium der Önologie ab und stieg zu seinen Brüdern Diego und Giuseppe in die Kellerei ein. Drei Jahre später war der Betrieb so gewachsen, dass er nach San Zeno Naviglio an den Stadtrand von Brescia umzog.
Der Wendepunkt kam 1977 mit dem Kauf von 15 Hektar Weinbergen und der Cascina San Giovanni in Raffa di Puegnago. Das Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert ist schon in den napoleonischen Verzeichnissen vermerkt und steht um einen jahrhundertealten Maulbeerbaum herum. Seit diesem Jahr baut die Familie ihre Trauben selbst an und keltert sie auch dort. Daher stammt der Doppelname, Pasini für die Familie und San Giovanni für den Ortsteil mit seiner Kirche, in dem die Cascina steht.
1991 kamen 12 Hektar in Picedo di Polpenazze dazu, 1998 acht Hektar in Peschiera im Herzen des Lugana-Gebiets. Seither verarbeitet das Weingut ausschließlich Trauben aus den eigenen Weinbergen, und 2002 wurde neben der Cascina die heutige Kellerei eingeweiht.
Paolo, Luca, Sara und der Weg zu Bio
Seit 1992 führen Paolo, der Sohn von Diego, und sein Cousin Luca, der Sohn von Bruno, das Haus in dritter Generation. Später kamen Lucas Schwester Sara und die Cousine Laura dazu, die Tochter von Giuseppe.
Paolo ist das Gesicht des Weinguts nach außen und seit Februar 2023 Präsident des Konsortiums der Valtènesi. Luca ist der Erste in der Familie, der eigens für die Arbeit im Weinberg ausgebildet wurde. Sara nennt man im Haus die Herzogin des Chiaretto, weil dieser Rosé ihr Lieblingswein ist.
Seit 2012 gehört Pasini San Giovanni zu den Vignaioli Indipendenti, einem Verband von Winzern, die ihre Trauben selbst anbauen, keltern, abfüllen und verkaufen. Außerdem ist das Weingut Mitglied in den Schutzkonsortien der Valtènesi und des Lugana.
2009 begannen die ersten Versuche mit biologischem Anbau, 2014 folgten die Zertifikate. Seither wird jeder Weinberg biologisch bewirtschaftet, kontrolliert von Valoritalia unter der Nummer IT-BIO-015. Zwischen den Rebzeilen wächst Gras, gedüngt wird ausschließlich organisch, und gegen Pilzkrankheiten kommen allein die traditionellen Mittel Kupfer und Schwefel zum Einsatz.
Moränenhügel im Westen, Lehm im Süden
Die Valtènesi ist das Hügelland am Westufer des Gardasees, der Morgensonne zugewandt und von Gletschern geformt, und hier ist die Groppello-Traube zu Hause.
Die Böden aus Moränenschutt sind locker, durchlässig und voller Steine. Der See mildert das Klima so sehr, dass neben den Reben Olivenbäume, Zitronen und Kapern wachsen, obwohl gleich dahinter die Alpen aufsteigen. Groppello hat eine dünne Schale, dicht gepackte Trauben und saftiges Fruchtfleisch. Das Weingut nennt die empfindliche Sorte das seltenste Juwel seiner Weinbauerfahrung.
Rund 15 Hektar liegen um die Cascina in Raffa auf 148 Metern. Dazu gehören die Parzellen Cap del Priù und Villa Romana, die Mitte der Siebzigerjahre mit Groppello und Marzemino bepflanzt wurden. Anfang der Neunziger folgten 12 Hektar in Picedo di Polpenazze auf 191 Metern, mit den besten Groppello-Klonen in der Lage Arzane und zwei Hektar Riesling.
Das Lugana-Gebiet am Südufer ist dagegen Lehmland, und hier wächst ausschließlich die weiße Turbiana, wie man den Trebbiano di Lugana vor Ort nennt. Knapp zehn Hektar bewirtschaftet Pasini in San Benedetto di Lugana bei Peschiera del Garda, in den Ortsteilen Broglie und Busocaldo, dazu kommen Reben bei Desenzano. Jung ist ein Lugana sofort zugänglich, mit langer Reife wird er herber und mineralischer.
Vom Chiaretto bis zum Metodo Classico
Das Programm folgt den beiden Herkunftsgebieten, denn aus der Valtènesi kommen Rosé und Rotwein vom Groppello, aus dem Lugana-Gebiet der Weißwein aus Turbiana. Beide Trauben finden sich außerdem in den Schaumweinen des Hauses wieder.
Am Anfang steht der Chiaretto, der Rosé der Valtènesi, den der venezianische Senator Pompeo Molmenti 1896 in Moniga erfunden haben soll. Most und Schalen bleiben dafür nur wenige Stunden zusammen, dann wird in der Nacht abgestochen. Daher trägt der klassische Chiaretto des Hauses den Beinamen „Il vino di una notte“, der Wein einer Nacht. Lange hieß er Il Chiaretto, heute trägt er den Namen Rosaluce.
Der RosaGreen kam 2014 als erster Rosé der Valtènesi nur aus Groppello dazu. Der lange gereifte Rosé Lettera C holte 2021 den ersten Tre Bicchieri des Hauses.
Bei den Rotweinen reicht die Spanne vom leichten, reinsortigen Groppello Frontecasa, früher Il Valtènesi, bis zum Cru Arzane, den es seit 1996 gibt. Dazwischen steht der Cap del Priù aus vier Rebsorten von einer kleinen Parzelle in Raffa. San Gioan i Carati ist die historische Riserva des Hauses, gekeltert seit Anfang der Achtziger aus alten Reben.
Aus dem Lugana-Gebiet kommen der junge Sopravento, bis 2023 Il Lugana genannt, und die Riserva Busocaldo aus einer einzelnen Lage. Schaumwein nach klassischer Methode keltert das Haus seit 1980. Der Lugana Brut heißt beim Weingut inzwischen Ottantuno, der Centopercento ist ein weiß gekelterter Groppello, und der Ceppo 326 Rosé bringt die seltene Erbamat-Traube mit. Für sie hat die Familie 2009 in Raffa 3.000 eigene Rebstöcke gepflanzt.
Dazu kommen ein süßer Rosé aus getrockneten Trauben, der San Gioan Brinat Resistente, und ein Olivenöl von den eigenen Bäumen. Was davon gerade vorrätig ist, siehst du unten im Raster.
Tre Bicchieri für einen Rosé
Die Auszeichnungsliste des Weinguts beginnt 2004 mit der Trofeo Molmenti für den Il Chiaretto und ist seither Jahr für Jahr gewachsen.
Der Gambero Rosso vergab dem Rosé Lettera C für jeden Jahrgang von 2019 bis 2022 seine Tre Bicchieri, und den Jahrgang 2020 kürte er obendrein zum besten Rosé Italiens. Auch der RosaGreen 2023, ein Rosé aus reinem Groppello, erhielt diese Auszeichnung.
International bewertete Decanter den Il Lugana 2020 mit 94 Punkten. Wine Enthusiast gab ihm und dem Il Chiaretto desselben Jahrgangs je 90 Punkte, und Falstaff vergab für den Il Lugana 2019 91 Punkte. Der Weinführer Slow Wine zeichnete Pasini San Giovanni von 2022 bis 2025 jedes Jahr für die Qualität seiner Weine aus.
Wer vom Südufer weitertrinken möchte, findet bei Perla del Garda aus Lonato einen zweiten Lugana-Erzeuger im Sortiment. Bei Pasini San Giovanni aber führt jeder Weg zurück zur Cascina in Raffa, wo die Familie seit 1977 ihren eigenen Groppello keltert.