Skin Gin aus dem Alten Land vor den Toren Hamburgs
Skin Gin ist eine Gin-Marke aus Buxtehude im Alten Land, gegründet von Martin Birk Jensen. Der Gin führt nicht mit Wacholder, sondern mit marokkanischer Minze, und jedes Botanical wird einzeln destilliert. Jede Flasche trägt eine von Hand gewickelte Haut aus geprägtem Papier in Lederoptik, wodurch keine der anderen gleicht.
Skin Gin steht für milden, minzig-frischen German Gin aus dem Alten Land und für Flaschen, die man am Griff wiedererkennt. Hinter der Marke steht die Skin Gin GmbH in Buxtehude, wenige Kilometer südwestlich von Hamburg. Gebrannt wird in einer alten Kupferdestille in der Nachbarschaft, gewickelt wird in Bayern, und dazwischen liegt eine Menge Handarbeit.
Ein Gedanke beim Tauchen vor Griechenland
Die Marke beginnt 2014 im Urlaub, mit einem Dänen, der genug hatte von Gins, die vor allem nach Wacholder schmecken.
„Irgendwann schmeckten mir die gängigen Gin-Sorten zu intensiv nach Wacholder", erzählt Martin Birk Jensen über jene Tage. „Beim Tauchen im Urlaub in Griechenland kam mir plötzlich der Gedanke, einen erfrischenderen und fruchtigeren Gin zu entwickeln." Am selben Abend las er im Hotel nach, wie Gin überhaupt entsteht, und hatte die sieben Botanicals schon im Kopf, die bis heute in der Flasche stecken.
8 Monate später stand die erste Flasche im Regal, das war 2015. Nach einem Jahr waren 14.000 davon in 8 Ländern unterwegs, nach 2 Jahren in 14. Für eine Marke, die aus einer Urlaubsidee entstand, ist das ein ordentliches Tempo.
Auch der Name entstand aus dieser Zeit. Weil die Flasche vollständig von einer Hülle bedeckt sein sollte, sprach Martin von einer Haut, und aus der Haut wurde Skin Gin. Was zuerst nach einem Wortspiel klingt, trägt seither die ganze Gestaltung der Marke.
Von der Reptilhaut bis zum Perlmutt
Der Inhalt bleibt gleich, die Haut wechselt, und genau dieser Gedanke gab der Marke ihren Namen.
Der Reptile Brown ist die Urform mit der geprägten Schlangenhaut, an welcher man Skin Gin von weitem erkennt. Der Anthracite Grey trägt glattes Dunkelgrau und bleibt hinter der Bar angenehm still. Die Edition Blanc entstand aus einem praktischen Grund, denn im gedämpften Barlicht verschwinden dunkle Flaschen, helle nicht.
Bei der Tea Kiss Edition ändert sich ausnahmsweise auch der Inhalt. Zu den sieben Botanicals kommen Hibiskus, Apfel, Hagebutte und Pfirsich, und die perlmuttfarbene Haut trägt goldene statt kupferner Prägung. Dazu kommen ab Werk Sondereditionen und Firmenausgaben, für die Logo, Farbe und Schrift in die Lederfolie geprägt werden, ab 100 Flaschen aufwärts.
Alle Ausgaben halten dasselbe Maß, nämlich 500 Milliliter bei 42 Prozent, und stehen in derselben eckigen Flasche. Über den Gin hinaus führt das Haus in Buxtehude inzwischen weitere Linien, darunter einen Rum und einen Aperitif. Bei uns findest du die vier Gin-Ausgaben, welche das Herz der Marke bilden.
Jedes Botanical einzeln durch die Kupferdestille
Sieben Zutaten machen den Gin aus, und keine davon wird gemeinsam mit einer anderen gebrannt.
Marokkanische Minze gibt den Ton an, Orange und Pink Grapefruit kommen aus Spanien, Zitrone und Limette aus Italien, der Koriander aus Vietnam. Der Wacholder wächst in der Lüneburger Heide und hält sich zurück, statt wie üblich vorzupreschen. Jedes dieser Botanicals wandert getrennt in den Geistkorb, wo Quellwasser und Alkohol es umspielen.
Dass all das im Alten Land passiert, ist kein Zufall der Landkarte, denn zwischen Hamburg und Stade liegt eines der größten zusammenhängenden Obstanbaugebiete Europas. Hier sitzt die Skin Gin GmbH in Buxtehude, hier stehen die Obsthöfe, und hier arbeitet auch die Brennerei, mit welcher Martin von Anfang an zusammenspannte.
Meisterdestillateur Arndt Wessel betreibt die alte Kupferdestille im Alten Land, nur wenige Kilometer vom Firmensitz entfernt. Auf diesem Weg lösen sich die ätherischen Öle nahezu vollständig, und erst danach werden die einzelnen Destillate vermählt und auf 42 Prozent herabgesetzt. Der Umweg kostet Zeit, hält aber jede Zutat erkennbar.
Fachleute ordnen das Ergebnis dem New Western Dry Gin zu, jener jüngeren Lesart, bei welcher der Wacholder Platz macht für andere Aromen. Das Resultat schmeckt frisch, krautig, aufgeräumt. Bei der Tea Kiss Edition sind es 11 statt 7 Botanicals, und auch die vier Fruchtzutaten laufen einzeln durch die Destille, bevor sie zum Rest kommen.
Von Hand gewickelt in einer bayerischen Werkstatt
Die Haut, welche der Marke ihren Namen gibt, entsteht in einem Familienbetrieb in Bayern aus heiß geprägtem Papier in Lederoptik.
Flasche für Flasche wird das Material von Hand um das eckige Glas gelegt, und weil jede Haut ein wenig anders sitzt, gleicht am Ende keine der anderen. Anker, Schriftzug und Kappe glänzen kupferfarben, bei der Tea Kiss golden. Auf der Schmalseite laufen kleine Wimpel mit Wortspielen übereinander, und runde Bullaugen geben den Blick auf die Flasche frei.
„Alle haben denselben Geschmack", erklärt Martin das Prinzip dahinter, „wir bespielen das Thema Skin und möchten herausstellen, dass jeder Mensch seine eigene Haut hat." Äußerlich seien wir alle verschieden, innerlich aber gleich, fügt er an. Aus einer Verpackungsidee ist so ein Markenzeichen geworden, das man auch dann noch im Regal stehen lässt, wenn die Flasche längst leer ist.
Dass ein Papier die Rolle von Leder übernimmt, merkst du erst beim Anfassen, denn die Prägung gibt der Oberfläche eine feine Körnung. Nur an Hals und Boden bleibt das Glas frei, sodass sichtbar wird, was in der Flasche steht.
Für alle, denen Wacholder zu laut ist
Wer klassische Dry Gins als zu harzig empfindet, findet bei Skin Gin den milderen Gegenentwurf, ohne dass die Würze verloren ginge.
4 Zentiliter auf große Eiswürfel, 0,2 Liter trockenes Tonic darauf, dazu eine Orangenzeste und ein Zweig Rosmarin, so serviert Martin seinen eigenen Gin, im Weinglas oder im Tumbler. Bei der Tea Kiss treten stattdessen eine Apfelscheibe und ein Zweig Minze ins Glas. Pur bleibt der Gin etwas für erklärte Minzefreunde, gemixt trifft er einen breiteren Geschmack.
Über das Gin Tonic hinaus kommt er in einem Gin Fizz zurecht, wo die Zitrusseite ohnehin gefragt ist, und auch ein Martini verträgt die Minze, solange der Wermut trocken bleibt. Eine 500-Milliliter-Flasche reicht für rund 12 Drinks, was für einen langen Abend zu zweit oder eine kurze Runde zu sechst passt.
Welche Haut zu welchem Anlass passt, entscheidest du am Ende nach dem Auge, denn der Inhalt bleibt in drei von vier Flaschen derselbe. Für die eigene Bar greifen die meisten zum Reptile Brown oder zum Anthracite Grey, weil beide zwischen dunklen Flaschen stimmig wirken. Die Edition Blanc geht dagegen als helles Gegenstück durch, und die Tea Kiss bringt Frucht ins Spiel, wenn Gäste kommen, die es weniger herb mögen.
Als Mitbringsel taugen die Flaschen ohnehin, weil sie ohne Geschenkpapier auskommen. Wer sich durch weitere deutsche Brennereien kosten möchte, findet bei uns die Windspiel Manufaktur aus der Eifel, die ganze Gin-Auswahl und darüber hinaus die Abteilung Spirituosen. Ein Gin, der sich in seiner Haut wohlfühlt.