Weingut Sattlerhof aus Gamlitz in der Südsteiermark
Das Weingut Sattlerhof ist ein Familienbetrieb in Sernau bei Gamlitz, der 33 Hektar in den Steillagen der Südsteiermark bewirtschaftet. Die Hauptrebsorte ist Sauvignon Blanc, seit dem Jahrgang 2021 arbeitet das Haus biodynamisch nach den Richtlinien von respekt-BIODYN.
Weingut Sattlerhof steht für kühle, würzige Weißweine aus einer Landschaft, in der Weinbau ohne Handarbeit gar nicht möglich wäre. Andreas und Alexander Sattler führen den Betrieb heute, ihr Bruder Hannes das Hotel und Restaurant im selben Hof. Rund 120.000 Rebstöcke wachsen auf Hängen, deren Steigung stellenweise 90 Prozent erreicht.
Vom Erzherzog-Johann-Haus zum Weingut
Der Hof im Kern des Anwesens heißt Erzherzog-Johann-Haus und wird seit 1866 bewirtschaftet, damals noch mit Vieh, Feldern und Weingärten nebeneinander.
Den Wendepunkt setzte 1966 Wilhelm Sattler senior, als er Weißwein ohne Restsüße, ohne Anreicherung und ohne Säuerung auf die Flasche zog. Was heute selbstverständlich klingt, war in der Steiermark jener Jahre ein Bruch mit allem, was der Markt gewohnt war. Süß gefiel damals schlicht besser als trocken, und wer trocken ausbaute, musste sich dafür rechtfertigen. Elf Jahre später legte die Familie die Ried Pfarrweingarten nach historischen Aufzeichnungen wieder an und füllte die ersten Flaschen mit Lagennamen ab.
1990 eröffnete Hannes Sattler das erste Sterne-Restaurant der Region, ein Jahr darauf entstanden die ersten Gästezimmer, in Eigenarbeit gebaut. 1993 pflanzte Willi Sattler die Ried Kranachberg, aus der heute die gesuchtesten Flaschen des Hauses kommen. Im Jahr 2000 kamen Landhaus und Wirtshaus dazu, womit der Hof seine heutige Gestalt bekam. Wer heute nach Sernau fährt, findet Weingut, Gasthaus, Hotel und Küchengarten auf einem einzigen Hof beisammen.
Von der Region über den Ort bis zur Einzellage
Die Weine sind nach der steirischen Herkunftspyramide geordnet, und diese Ordnung ist keine Etikettenfrage, sondern eine Frage der Parzelle.
Unten steht der Gebietswein, der Sauvignon Blanc Südsteiermark, gekeltert aus Trauben mehrerer Gemeinden und gedacht als Handschrift der Region im Kleinen. Darüber liegen die Ortsweine aus Gamlitz und Eichberg, etwa der Morillon Gamlitz, der Weißburgunder Gamlitz und der Muskateller Eichberg. Ganz oben stehen die Riedenweine, welche den Namen ihrer Einzellage auf dem Etikett tragen dürfen.
Die höchste Stufe heißt Große STK Ried und geht auf den Verband Steirische Terroir- und Klassikweingüter zurück, welcher seine besten Lagen selbst klassifiziert hat. Kranachberg und Pfarrweingarten gehören dazu, und man merkt den Unterschied nicht an mehr Kraft, sondern an mehr Länge. Ein Ortswein ist nach zwei Jahren offen, ein Riedenwein braucht oft fünf, ehe er zeigt, was in ihm steckt.
Neben den Weißweinen keltert das Haus Welschriesling, Grauburgunder und Blauburgunder, dazu edelsüße Raritäten von der Auslese bis zur Trockenbeerenauslese. Und mit Justė hat die Familie einen alkoholfreien Speisenbegleiter aus einer fast vergessenen Quittensorte und sieben Kräuterauszügen entwickelt.
Böden aus einem verschwundenen Meer
Die Rieden liegen nur wenige Kilometer auseinander und schmecken doch nach ganz Verschiedenem, weil unter ihnen unterschiedliche Erdzeitalter liegen.
Vor 18 Millionen Jahren stand hier das Paratethys-Meer, und die Flüsse aus den Alpen schwemmten Quarzsande heran, während Korallenriffe und Muschelbänke Kalk zurückließen. Genau diese Mischung entscheidet heute darüber, ob ein Wein rauchig, salzig oder alpin frisch schmeckt. Was im Glas als Mineralität durchgeht, hat also eine handfeste geologische Adresse.
Der Alte Kranachberg, der historische Kern der Riede, sitzt auf 450 Metern auf Quarzsand mit Kalk und trägt eine rauchige Würze. Der Kapellenweingarten reicht auf knapp 600 Meter hinauf, wo sein ausgewaschenes Schotter-Kalk-Konglomerat die Reben zu tiefen Wurzeln zwingt. Im Winter beweiden dort bis zu 50 Schafe die Hänge, und acht Kapellen und Kreuze stehen zwischen den Zeilen. Der Pfarrweingarten ist eine Monopollage auf reinem Korallenkalk und mit 90 Prozent Steigung der steilste Weingarten des Hauses.
Dazu kommt der Sernauberg als wärmerer Hausberg, welcher rund eine Woche früher gelesen wird. Die Ried Trinkaus liegt auf einem Hügelkamm mit alten Reben, dazu gehört die kleine Grassnitzburg mit ihren 1,3 Hektar. Der Sernauberg liegt direkt am Hof und war lange die einzige Lage, aus der die Familie eigenen Wein füllte.
Handarbeit im Steilhang und biodynamische Umstellung
In Hängen dieser Steigung gibt es keine Maschine, die etwas ausrichten könnte, weshalb vom Rebschnitt über die Laubarbeit bis zur Lese alles von Hand geschieht.
Gelesen wird selektiv und in kleinen Kisten, oft in mehreren Durchgängen durch dieselbe Zeile, damit nur vollreife Beeren in den Keller kommen. Diese Sortierarbeit ist der eigentliche Grund für die Klarheit der Weine. Was nicht in die Kiste kommt, muss später auch nicht weggefiltert werden. 2013 stellte das Weingut auf biologischen Anbau um, seit dem Jahrgang 2021 sind alle Weine biodynamisch zertifiziert und das Haus gehört der Gruppe respekt-BIODYN an.
Seit 2015 wächst auf dem Hof außerdem das Gemüse für die eigene Küche, was den Kreis zwischen Weingarten, Teller und Glas schließt. Die Weine gären je nach Stufe im Stahltank, im großen Holzfass oder im Barrique und liegen zwischen vier Monaten und anderthalb Jahren auf der Feinhefe. Große Fässer geben dabei weniger Holzaroma ab als kleine, weshalb sie dort zum Einsatz kommen, wo die Riede und nicht das Holz sprechen soll.
Platin aus London und ein Stern im eigenen Haus
Der Sauvignon Blanc aus dem Kapellenweingarten 2018 holte bei den Decanter World Wine Awards 97 Punkte und die Platin-Medaille, die höchste Stufe dieses Wettbewerbs.
Der Alte Kranachberg 2021 bekam 99 Punkte von A la Carte, 98 vom Falstaff, 95 von James Suckling und 19,5 von 20 bei Gault&Millau. Der Jahrgang 2022 folgte kurz darauf mit 97 Falstaff-Punkten und 19 von 20 bei Gault Millau. Der Morillon aus dem Pfarrweingarten 2019 steht bei 96 Falstaff-Punkten und 97+ bei A la Carte, und die Ried Trinkaus 2021 erreichte sogar die volle Punktzahl.
Solche Bewertungen ehren den Erzeuger, nicht den Händler, weshalb sie hier ohne weiteren Kommentar stehen.
Auch außerhalb des Kellers wird gekocht und ausgezeichnet: Das Restaurant trägt einen Stern im Guide Michelin und seit 2019 drei Hauben von Gault Millau, Küchenchef ist Markus Sattler. Dass ein Weingut auf demselben Hof ein Sternerestaurant führt, ist in Österreich die Ausnahme. Alle Achtung.
Welcher Sattlerhof zu welchem Anlass
Für den Einstieg eignet sich der Gebietswein, weil er die steirische Handschrift zeigt, ohne dass man dafür einen besonderen Anlass braucht.
Zu Spargel, Fisch und Frühlingsgemüse gehören die Sauvignons aus Gamlitz und der Südsteiermark. Ihre Kräuterwürze setzt genau dort an, wo Butter und Zitrone aufhören. Der Morillon aus dem Holzfass hält Schmorgerichten, Ente und Pasteten stand, während der Weißburgunder mit hellem Geflügel, Kürbis und Zuckerschoten zurechtkommt. Die Riedenweine aus Kranachberg und Kapellenweingarten verlangen nach Zeit, Luft und einem großen Glas.
Wer die Marke insgesamt kennenlernen mag, findet weitere Weißweine und die übrigen Weine aus Österreich im Sortiment. Ein Besuch in Sernau lohnt sich ohnehin, denn Weingarten, Küche und Keller liegen dort nur wenige Schritte auseinander. Was gerade vorrätig ist, steht unten im Raster.