Belvoir Fruit Farms macht englische Limonaden und Sirupe aus Holunderblüten
Belvoir Fruit Farms ist eine Familienfarm im Vale of Belvoir in Leicestershire, die seit 1984 Sirupe, Limonaden und Punsch aus echtem Saft und frischen Blüten herstellt. Das erste Produkt war ein Holunderblütensirup aus der Hofküche, und er ist bis heute das bekannteste geblieben.
Belvoir Fruit Farms ist eine englische Getränkemanufaktur in Leicestershire, unweit von Belvoir Castle, dem Sitz der Herzöge von Rutland. Auf der Farm wachsen 60 Acres Bio-Holunder, die größte Anlage dieser Art in Großbritannien. Aus deren Blüten, aus Beeren, Zitrusfrüchten und Ingwer entstehen Sirupe, prickelnde Limonaden und winterliche Punschsorten, in Deutschland erhältlich über den Importeur Viani.
Ein Rezept aus der Hofküche von 1984
Angefangen hat alles mit Mary Manners, die auf dem Hof für die eigene Familie Holunderblütensirup ansetzte, aus Blüten von den Hecken ringsum.
Freunde und Nachbarn wollten mehr davon, und so entstanden erste Chargen von Hand. Ihr Mann John, der bis dahin Ackerbau betrieb, lud 88 Kisten ins Auto und fuhr damit zu den Hofläden der Umgebung. Das waren 1.056 Flaschen und der ganze Jahresertrag der ersten Saison.
Aus den 2.000 Flaschen des Anfangs wurden bis 1992 über 80.000 im Jahr. Heute führt Sohn Peverel Manners, den alle Pev nennen, das Unternehmen, und die Abfüllung schafft 10.000 Flaschen in der Stunde. Am Rezept für den Holunderblütensirup hat sich in vier Jahrzehnten nichts geändert, weil die Familie keinen Grund sah, etwas zu ändern, das den Leuten gefällt.
Der Name stammt aus dem Französischen und wird auch französisch gesprochen. Bel voir heißt schöne Aussicht, und gemeint ist der Blick vom Steilhang, auf dem die Burg steht. Normannische Adlige brachten ihn nach der Eroberung mit über den Kanal, seither tragen ihn das Tal, die Burg und die Farm gemeinsam.
Die Blüten müssen innerhalb von Minuten in den Kessel
Holunderblüten verlieren ihr Aroma schneller als fast jede andere Zutat, weshalb zwischen Pflücken und Ansetzen nur wenige Minuten liegen dürfen.
Gepflückt wird deshalb im Sonnenschein, wenn die Dolden warm und schwer von gelbem Blütenstaub sind. Was dann im Kessel landet, riecht noch nach dem Feld. Kühlt die Blüte vorher aus oder liegt sie zu lange, bleibt ein grasiger Ton zurück statt des blumigen Dufts, für den Belvoir bekannt ist.
Dazu kommt, dass der Holunder nur ein schmales Fenster im Jahr öffnet. Zwischen den ersten offenen Dolden und den ersten grünen Beeren liegen wenige Wochen im späten Frühjahr, und in dieser Zeit muss der Jahresbedarf eingebracht sein. Regnet es in diesen Tagen durch, wäscht das Wasser den Blütenstaub aus den Dolden, und mit ihm geht das Aroma.
Für die Ernte reicht die Familie allein längst nicht mehr. Einmal im Jahr ruft die Farm zur großen Blütenernte, und Helferinnen und Helfer aus Leicestershire, Lincolnshire, Cambridgeshire und den Nachbargrafschaften bringen die Dolden kiloweise vorbei. Knapp 30 Tonnen kommen so zusammen, bezahlt nach Gewicht. Jede einzelne Blüte ist von Hand gepflückt.
Das Tal selbst gehört zu den fruchtbarsten Ecken Englands, ein weites, flaches Stück Land zwischen Leicestershire, Lincolnshire und Nottinghamshire, über dem die Burg auf ihrem Steilhang sitzt. Hecken säumen hier noch jeden Feldrand, und in diesen Hecken steht der wilde Holunder, mit dem 1984 alles anfing. Die angelegte Bio-Anlage kam erst später dazu, als die Hecken den Bedarf nicht mehr deckten.
Sirup zum Verdünnen und Limonade für das Glas
Das Sortiment teilt sich in zwei Familien: die Cordials, also konzentrierte Sirupe zum Aufgießen, und die Pressés, die trinkfertigen Limonaden mit Kohlensäure.
Bei den Sirupen steht der Holunderblütensirup im Mittelpunkt, daneben gibt es Limette, Ingwer, Zitrone und Holunderblüte mit Rose. Ein Schuss davon reicht für ein Glas mit Wasser, für eine Schorle oder als Zutat im Cocktail.
Die Limonaden kommen in der 750-Milliliter-Mehrwegflasche und sind für den Tisch gedacht, nicht für unterwegs: Elderflower Pressé, Holunderblüte mit Rose, Ginger Beer, Gurke mit Minze, Himbeere und die frisch gepresste Zitronenlimonade. Im Winter kommen die Mandarine Cranberry Limonade und der Winterpunsch dazu, den man warm im Becher trinkt.
Der Unterschied zwischen beiden Familien ist mehr als eine Frage der Kohlensäure. Ein Cordial ist eingedickt und hält sich nach dem Öffnen wochenlang im Kühlschrank, eine Limonade ist fertig eingestellt und will innerhalb weniger Tage ausgetrunken werden. Wer die Süße selbst bestimmen will, greift zum Sirup; wer eine Flasche auf den Tisch stellen will, zur Limonade.
Über die Jahre sind aus den ersten Sorten mehr als zwei Dutzend geworden, und einige davon gehen bewusst gegen den süßen Strich: Gurke mit Minze schmeckt grün und kühl statt fruchtig, das Ginger Beer bringt eine Schärfe mit, die im Hals bleibt, und die Zitronenlimonade wird aus frisch gepressten Zitronen gemacht statt aus Konzentrat. Wer beim Wort Limonade an Kindergeburtstag denkt, wird hier eines Besseren belehrt.
Echter Saft statt Aroma aus dem Fass
In jeder Flasche steckt Saft, Blüte oder Frucht, und auf künstliche Aromen oder Farbstoffe sowie auf Süßungsmittel wird bei Belvoir bewusst verzichtet.
Das ist der Grund, warum die Ginger Beer schärft statt bloß süß zu sein, und warum die Gurkenlimonade tatsächlich nach Gurke schmeckt und nicht nach der Idee davon. Wo eine Frucht nicht das ganze Jahr zu haben ist, arbeitet die Farm mit Saftkonzentrat, das aus derselben Frucht stammt und nicht aus dem Labor. Alle Getränke sind für Veganer geeignet.
Gesüßt wird ausschließlich mit Zucker, und zwar mit weniger davon, als man bei einer englischen Limonade vermuten würde. Die Cranberry-Limonade kommt auf 7,6 Gramm Zucker je 100 Milliliter, der Winterpunsch auf 17 Gramm, was ihn in die Nähe eines Glühweins rückt, ohne dessen Alkohol. Süßstoffe setzt die Farm nach eigener Aussage grundsätzlich nicht ein.
Wie ernst es dem Haus mit dieser Haltung ist, lässt sich seit 2025 nachlesen: Belvoir hat die B-Corp-Zertifizierung mit 91,2 Punkten bestanden, deutlich über dem britischen Durchschnitt, und will bis 2035 klimaneutral wirtschaften.
Vom Hofladen in die Regale des Landes
Aus dem Sirup für Freunde und Nachbarn ist eine der bekanntesten Getränkemarken Großbritanniens geworden, ohne dass die Farm den Besitzer gewechselt hätte.
2022 wählte die Branchenzeitschrift The Grocer Belvoir zur Soft Drinks Brand of the Year. Beim Great Taste Award haben die Getränke mehrfach Sterne geholt, darunter die höchste Stufe mit drei Sternen. Für ein Haus, das mit einem Küchenrezept und einem vollen Kofferraum angefangen hat, ist das eine ordentliche Strecke.
In England stehen die Flaschen längst im Landgasthaus wie im Kaufhaus, und der Elderflower Pressé gehört dort zum festen Repertoire alkoholfreier Getränke. Dass die Farm dabei in Familienhand blieb, ist in dieser Größenordnung die Ausnahme. Gepflückt, angesetzt und abgefüllt wird nach wie vor am selben Ort.
Zu uns kommt Belvoir über den Göttinger Importeur Viani. Was gerade vorrätig ist, siehst du unten im Raster; wer es lieber warm mag, wird bei Glühwein und Punsch fündig, wer alkoholfrei sucht, bei den alkoholfreien Getränken.