Mondino aus Traunstein, bayerischer Bio Amaro nach italienischem Rezept
Mondino ist die Aperitivo-Marke der Brennerei Schnitzer aus Traunstein im Chiemgau. Die Familie brennt dort seit über hundert Jahren, das Rezept für den Amaro kam in den 1960er Jahren aus Südtirol über die Alpen. Heute entstehen daraus vier Sorten in Bio-Qualität, von 0 bis 31 Prozent Alkohol.
Mondino steht für den ersten Bio-Amaro Deutschlands und für einen Aperitivo, welcher italienische Lebensart mit bayerischem Handwerk verbindet. Hinter der Marke steht die Brennerei Schnitzer im Traunsteiner Ortsteil Kaltenbach, ein Familienbetrieb mit über hundertjähriger Geschichte. Bitterorange, Enzian und Rhabarber bilden den Kern aller Sorten, das Wasser kommt aus den Bergen vor der Tür.
Ein Rezept aus Südtirol und ein Enkel mit einer Idee
Die Geschichte beginnt 1900, als die Familie Schnitzer in Traunstein mit Fassbinderei und Handel ihr Auskommen fand und 1926 die erste eigene Brennblase aufstellte.
Das war damals ein naheliegender Schritt, denn wer Fässer baut, hat mit denen zu tun, welche etwas hineinfüllen wollen. Der Chiemgau lieferte das Obst dazu, die Berge das Wasser, und aus dem Nebenerwerb wurde über die Jahrzehnte ein Brennhandwerk, das inzwischen in fünfter Generation weitergegeben wird.
Der eigentliche Anfang von Mondino liegt jedoch in den 1960er Jahren. Brennmeister Hans Schnitzer kam von seinen Lehrjahren südlich der Alpen zurück und hatte ein altes italienisches Amaro-Rezept im Gepäck. Er brannte es für sich und für Freunde, ergänzt um ein paar Kräuter und Wurzeln aus den Bergen ringsum. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang blieb es genau dort, im Freundeskreis.
Dann erinnerte sich sein Enkel Maximilian Schweisfurth daran, gelernter Koch und aufgewachsen in einer Familie, die mit den Herrmannsdorfer Landwerkstätten seit Jahrzehnten für biologische Landwirtschaft steht. Er begeisterte drei Freunde für den Plan und vor allem den Großvater selbst, unter ihnen Benedikt Pfeufer, welcher die Brennerei Schnitzer GmbH heute führt. Zwei Jahre lang wurde an den Mengenverhältnissen gefeilt, dann lief die stillgelegte Brennerei des Großvaters wieder an.
Bemerkenswert an dieser Geschichte ist weniger die Wiederentdeckung als das, was danach geschah. Statt das Rezept unverändert nachzubrennen, haben die vier es in die Gegenwart geholt. Weniger Zucker, ausschließlich biologische Zutaten, dazu ein Kräuterbild, welches die Alpen ebenso schmeckbar macht wie den Süden. Aus einem Hausgetränk wurde so ein Aperitivo, der neben den italienischen Klassikern bestehen kann, ohne sie zu kopieren.
Vier Sorten zwischen null und einunddreißig Prozent
Das Mondino-Sortiment umfasst vier Aperitivi, welche denselben Kern teilen und sich in Kraft, Reife und Charakter deutlich unterscheiden.
Der Amaro Bavarese ist das Original und der Einstieg, gebaut aus rund 25 Kräutern und Früchten, mit 18 Prozent Alkohol leicht genug für den frühen Abend. Fruchtig, herb, frisch, und im Spritz mit Prosecco spielt er seine Zitrusseite aus.
Der Stagionato nimmt denselben Amaro und legt ihn fast ein Jahr ins Eichenfass, wo Vanille und Karamell dazukommen und die Herbe weicher wird. Der Amanero geht noch einen Schritt weiter und stellt neben rund 30 Kräuteressenzen zwei ungewöhnliche Stimmen ins Glas, Espresso aus Arabica-Bohnen und Artischocke. Mit 31 Prozent Alkohol ist er der Digestivo des Hauses.
Der Senza schließlich lässt den Alkohol weg, ohne die Bitterkeit aufzugeben, und steht damit als eigene Sorte neben den anderen dreien statt als deren Ersatz. Daneben führt die Destillerie Schnitzer weiterhin ihre Edelbrände, Geiste und Liköre, mit denen die Familie ursprünglich bekannt wurde, dazu Gin und Fassgelagertes.
Wer die vier Sorten nebeneinander stellt, sieht die Systematik dahinter. Alle teilen den Grundcharakter aus Bitterorange, Enzian und Rhabarber, und jede Sorte verschiebt ihn in eine Richtung. Der Stagionato geht Richtung Holz und Zeit, der Amanero Richtung Röstung und Kraft, der Senza Richtung Leichtigkeit. Das macht das Sortiment übersichtlich, obwohl die Unterschiede im Glas deutlich ausfallen.
Bio bis zur letzten Wurzel, gesüßt wird sparsam
Sämtliche Mondino-Sorten tragen das Bio-Siegel unter der Öko-Kontrollnummer DE-ÖKO-007, und zwar nicht nur der Alkohol, sondern jede einzelne Zutat.
Die Zutaten stammen so weit möglich aus der Umgebung des Chiemsees, das Wasser aus bayerischen Quellen. Was nicht in den Alpen wächst, kommt aus dem Süden, die Bitterorangen etwa aus Sizilien und Spanien. Künstliche Aromen und Farbstoffe kommen in keine Flasche, und wo Farbe im Spiel ist, kommt sie aus der Pflanze selbst, beim Stagionato zum Beispiel aus der Hibiskusblüte.
Der zweite Unterschied zu den großen italienischen Vorbildern liegt im Zucker. Mondino ist deutlich sparsamer gesüßt, weshalb die Kräuter Raum behalten und der Aperitivo nach Kräutern schmeckt statt nach Sirup. „A bisserl Dolce Vita geht immer“, sagt Maximilian Schweisfurth über sein Getränk, und man merkt der Flasche an, dass dieser Satz mit einem Lächeln gesprochen wurde.
Gebrannt und abgefüllt wird in kleinen Mengen und von Hand. Bei den fassgereiften Sorten kennt das ohnehin keine Alternative, denn ein Fass gibt her, was es hergibt, und dann ist Schluss. Diese Begrenzung ist kein Marketingargument, sondern schlicht die Folge davon, dass hier niemand einen Tank anzapft.
94 Falstaff-Punkte für den alkoholfreien Senza
Im Februar 2026 hat Falstaff den Mondino Senza verkostet und ihm 94 Punkte gegeben, eine Wertung, welche alkoholfreie Aperitifs selten erreichen.
Verkoster Alexander Thürer notierte dunkle Beeren, Kräuter und Zitrus im Aroma, dazu eine ausgewogene Bitterkeit und einen trockenen, fruchtig-herben Abgang. Die zweite Anerkennung braucht dagegen keine Jury. Der Amaro Bavarese war der erste in Bio-Qualität gebrannte Amaro aus Deutschland, und er hat damit eine Kategorie geöffnet, in der vorher nur italienische Namen standen.
In der Barszene ist Mondino inzwischen ebenfalls angekommen und taucht auf Karten neben Namen auf, welche deutlich länger im Geschäft sind. Für einen Betrieb, dessen Brennblase jahrelang stillstand, ist das in wenigen Jahren ein weiter Weg.
Welche Flasche für welchen Abend
Wer Mondino zum ersten Mal probiert, beginnt beim Amaro Bavarese, weil er die Handschrift des Hauses am klarsten zeigt und im Spritz sofort verständlich ist.
Für eine Runde, in der nicht alle Alkohol trinken, löst der Senza die Sache elegant, denn er sieht im Glas genauso aus und schmeckt genauso herb. Nach einem langen Essen kommen Stagionato und Amanero zu ihrem Recht, pur im bauchigen Glas oder über einem einzelnen großen Eiswürfel. Als Mitbringsel eignen sich die beiden ebenfalls, gerade weil sie in vielen Hausbars noch fehlen.
Für den Spritz gilt bei allen Sorten dieselbe einfache Regel: reichlich Eis, mehr Sprudel als Amaro, eine Scheibe Orange obendrauf. Dazu passt Salziges besser als Süßes, Gebäck, Nüsse und Oliven etwa, weil das Salz die Bitterkeit rundet und den Durst am Leben hält. Wer lieber ohne Sprudel bleibt, gießt einfach über einen großen Eiswürfel und lässt sich Zeit.
Wenn du dich in dieser Ecke weiter umsehen möchtest, findest du unter Aperitif die leichteren Begleiter für den frühen Abend und unter Kräuterlikör und Bitterlikör die kräftigeren Flaschen. Aus derselben Familie der bitteren Kräuterauszüge kommen auch die Spezialitäten von Dr. Jaglas, welche ihre Rezepturen ebenfalls aus einer Familiengeschichte geerbt haben.
Öko-Kontrollstelle – DE-ÖKO-007 EU/Nicht EU Landwirtschaft