Piekfeine Brände von Birgitta Rust aus der Bremer Überseestadt
Piekfeine Brände ist die Brennerei von Birgitta Rust in Bremen, eröffnet am 11.11.2011 in einem alten Weinlager am Kopf des Europahafens. Aus der gläsernen Manufaktur kommen heute über 50 Spirituosen, von Obstbränden und Geisten über Liköre bis zu Gin, Rum, Whisky und Korn. Es ist die erste und bis heute einzige Brennerei der Hansestadt.
Piekfeine Brände steht für handwerklich destillierte Edelbrände, Geiste, Liköre und Spirituosen aus Bremen. Gegründet hat die Manufaktur Birgitta Rust, die heute Birgitta Schulze van Loon heißt und vor der Brennerei als Unternehmensberaterin gearbeitet hat. Gebrannt mit Herz und Hand, so Birgitta Rust über ihre Arbeit – der Satz steht auf jedem Flaschenanhänger.
Ein Schnapsdatum als Gründungstag
Am 11.11.2011 öffnete die Brennerei ihre Türen, ein Datum, das sich für eine Destillerie kaum besser wählen lässt.
Vorausgegangen waren zwei Jahre Ausbildung in Bayern. Birgitta wollte das Handwerk vollständig lernen, nicht bloß in Teilen: Obstkunde, Produktionsablauf, Branntweinsteuerrecht und Vermarktung, alles von der Pike auf. Wer aus der Unternehmensberatung kommt und in einer Stadt ohne einzige Brennerei eine eröffnen will, hat das nötig.
Der Ort ist Programm. Ein altes Weinlager am Kopf des Europahafens, mitten in der Bremer Überseestadt, wo über Jahrhunderte ankam, was aus Übersee ins Land kam. Die Manufaktur ist gläsern gebaut, man sieht den Kupferblasen bei der Arbeit zu. Zehn Jahre später, 2021, feierte das Haus sein erstes rundes Jubiläum, und im Mai 2025 kam der Bürgermeister zu Besuch.
Dass eine Hansestadt mit jahrhundertealter Handelsgeschichte über ein Jahrzehnt lang keine eigene Brennerei hatte, sagt einiges über den Strukturwandel im Handwerk. Bremen war immer Umschlagplatz für Rum, Kaffee und Tee, gebrannt aber wurde anderswo. Diese Lücke zu füllen, war der eigentliche Gründungsgedanke – und sie lag nicht in einer Marktnische, sondern in der Stadtgeschichte.
Geheiratet hat Birgitta zwischendurch ebenfalls und heißt seither Birgitta Schulze van Loon. Der Firmenname trägt weiterhin ihren früheren Namen, und aus dem neuen wurde der Name des Whiskys. Zwei Kinder gehören zur Geschichte dazu, was bei einem Betrieb, der von Ernte und Charge lebt, keine Nebensache ist.
Vom Obstbrand über den Gin bis zum hanseatischen Rum
Über 50 Spirituosen umfasst das Sortiment von Piekfeine Brände heute, aufgeteilt in Brände und Geiste, Liköre und Bitter, Gin, Rum, Whisky sowie Korn, Aquavit und Wodka.
Am Anfang standen die Obstbrände, und sie sind bis heute das Herzstück. Rund zehn Sorten aus heimischem Obst reichen von der Aprikose bis zur Zwetschke, dazu kommen die Geiste aus Früchten, die sich nicht vergären lassen. Der Quittenbrand entsteht aus Apfel- und Birnenquitten Bremer Privatgärten, der Williams Birnenbrand aus fränkischem Streuobst, und für den Waldhimbeergeist werden wilde Beeren aus rumänischen Wäldern gesammelt.
Dann kamen die anderen Kategorien dazu, eine nach der anderen. 2014 der Triple Peak Gin, ein London Dry auf Weindestillat statt auf Getreide, mit Earl Grey vom Bremer Teehaus Mehrtens und drei nordischen Wildfrüchten. 2015 der VAN LOON, der erste hanseatische Single Malt Whisky. Später der Alma Norte, der erste in Bremen gebrannte Rum, aus Melasse aus Guatemala und im Pot-Still-Verfahren destilliert.
2017 kam der Korn zurück in die Stadt. Die letzte Bremer Kornbrennerei hatte 1999 geschlossen, seither gab es keinen mehr – bis der Piekfeine Korn in ausgedienten VAN-LOON-Whiskyfässern zu reifen begann. Dazu kommen limitierte Kreationen, Präsente und Aperitivo-Spezialitäten wie der Rosalie Apero aus Friesenrose, Erdbeere und Bitterorange.
Der Unterschied zwischen Brand und Geist zieht sich durch das ganze Sortiment und ist keine Wortklauberei. Ein Brand entsteht aus vergorener Maische, weshalb die Frucht Zucker mitbringen muss. Ein Geist entsteht, wenn die Frucht zu wenig Zucker hat oder ihre Aromen zu empfindlich sind: Dann werden die Früchte in Alkohol eingelegt und erst danach destilliert. Nuss und Waldhimbeere gehen diesen Weg, Quitte und Birne den anderen.
Eigene Destillate statt gekaufter Alkohol
Der Grundsatz, an dem sich das ganze Haus messen lässt, betrifft die Liköre: Sie stehen auf eigenen Bränden und nicht auf zugekauftem Neutralalkohol.
Das ist kein Detail, sondern der teuerste Satz im Betrieb. Ein Eierlikör mit Whisky braucht dafür einen drei Jahre gereiften Single Malt, der Bratapfellikör mit Honig ein eigens gebranntes Honigkorn aus regionalem Honig. Wer stattdessen Industriesprit kauft und aromatisiert, spart Zeit, Geld und Geschmack.
Gebrannt wird traditionell im Rau- und Feinbrandverfahren, also zweifach, in kleinen Kupferblasen. Verdünnt wird allein mit weichem Bremer Trinkwasser, welches die Brennerei als eigenen Qualitätsfaktor führt. Auf Zuckerung, Aromatisierung oder Färbung verzichtet das Haus bei seinen Bränden bewusst. Vom Auslesen des Obstes über das kontrollierte Vergären bis zur Destillation werde alles von Hand gemacht, so Birgitta Schulze van Loon über die Arbeit in der Manufaktur.
Die Rohstoffe kommen von dort, wo sie am besten wachsen, und das ist nicht immer die Nachbarschaft. Quitten stammen aus Bremer Privatgärten, Williams-Birnen von fränkischen Streuobstwiesen, Haselnüsse aus dem Piemont, Waldhimbeeren aus rumänischen Wäldern und die Melasse für den Rum aus Guatemala. Regional wo möglich, gut wo nötig – in dieser Reihenfolge, nicht umgekehrt.
Auffällig ist außerdem, wie oft ein Destillat im nächsten Produkt wieder auftaucht. Der Whisky steckt in drei Likören, das Nussdestillat im Sahnelikör, das Honigkorn im Bratapfellikör, das ausgediente Whiskyfass im Korn. Nichts wird zugekauft, was man selbst brennen kann, und nichts weggeworfen, was noch Geschmack trägt.
Gründerpreis 2013 und Gold für den Schlehenbrand
2013 wurde Birgitta Rust mit dem Bremer Gründerpreis als erfolgreichste Unternehmensgründerin der Stadt ausgezeichnet.
Im selben Jahr holte der Schlehenbrand Gold beim Wettbewerb Sortenbrand des Jahres, ein Jahr zuvor hatte die Brennerei bereits den MediaAward für ihre Bremer Obstbrände erhalten. Der Rosalie Apero trägt ISW-Gold.
Auszeichnungen ehren die Brennerin, nicht uns, und Piekfeine Brände hängt sie auch nicht an jede Flasche. Bemerkenswert bleibt trotzdem, dass eine Gründerin ohne familiären Hintergrund im Brennhandwerk binnen zwei Jahren dort ankommt. Alle Achtung.
Die gläserne Manufaktur zum Anschauen
Wer in Bremen ist, kann Piekfeine Brände besichtigen, denn die Brennerei ist als Schaubetrieb angelegt und bietet Führungen, Tastings sowie Destillier- und Sensorikseminare an.
Das ist mehr als Kundenbindung. Eine gläserne Manufaktur muss jeden Handgriff zeigen können, und wer Besuchern erklärt, warum aus Nüssen kein Schnaps gegoren werden kann, hat sein Handwerk verstanden. Man kann sich sogar eine eigene Kreation zusammenstellen lassen.
Für alle anderen führt der Weg über die Flasche. Zum Einstieg eignet sich die Haselnuss Spirituose, weil sie zeigt, was ein echtes Nussdestillat von aromatisierter Ware unterscheidet. Wer klare Frucht sucht, findet sie im Quittenbrand, wer es abends gesellig mag, im Rosalie Apero mit Tonic.
Zur Weihnachtszeit kommen der Eierlikör Xmas mit Zwetschkenbrand und der Bratapfellikör dazu, zu Ostern die Holundervariante. Was davon gerade vorrätig ist, siehst du unten im Raster, denn das Sortiment wechselt mit Ernte und Jahreszeit. Norddeutsches Brennhandwerk in seiner heutigen Form findest du auch bei der Brennerei Ehringhausen.