pHenomenal Drinks aus Hamburg kocht Sirup für Gin und Tonic
pHenomenal Drinks ist eine kleine Hamburger Manufaktur, die seit Ende 2012 Bio-Sirupe für Tonic Water und Ginger Beer von Hand einkocht und seit 2017 auch fertig gemixte Cocktails abfüllt. Gegründet hat sie Hendrik Schaulin, gelernter Modedesigner, der bis heute selbst am Kessel steht.
pHenomenal Drinks steht für handgekochte Getränke-Essenzen aus Hamburg, mit denen du dein Tonic Water oder dein Ginger Beer frisch selbst mischst. Statt fertiger Limonade kommt ein Konzentrat in die Flasche, dessen Stärke du bestimmst. Die beiden Sirupe sind bio-zertifiziert und vegan, die abgefüllten Cocktails folgen derselben Handschrift.
Das kleine p für Peter, das große H für Hendrik
Die Idee zu pHenomenal Drinks war, wie Hendrik Schaulin selbst schreibt, im wahrsten Sinne eine Schnapsidee nach einem Abend in seiner Lieblingsbar.
Hendrik ist von Haus aus kein Barmann. Nach dem Modedesign-Studium an der Chambre Syndicale de la Couture in Paris arbeitete er über 25 Jahre als Stylist für Mode- und Werbekunden, Cocktails blieben lange Privatvergnügen. Seinen ersten Absinth setzte er mit 18 Jahren an, und das antiquarisch gekaufte „Savoy Book of Cocktails“ von 1931 steht seit derselben Zeit im Regal.
„In meinen beiden Berufen treibt mich die Suche nach Verfeinerung“, sagt Hendrik über diese doppelte Herkunft. Damals kam gerade eine neue Generation Gins auf den Markt. Hendrik ärgerte sich, dass diese sorgfältig gebrannten Spirituosen anschließend in viel zu süßem Industrie-Tonic untergingen. Im Netz stieß er auf ein Rezept für selbst gemachtes Tonic Water, bestellte kurzerhand Chinarinde und begann mit seinem Freund, dem Photographen Peter Hundert, zu experimentieren.
Bald stand der erste Prototyp in der Küche, und mit ihm der Name: das kleine p für Peter, das große H für Hendrik. Peter war anfangs Mitgründer, stieg später aus, um sich wieder ganz seiner Photographie zu widmen – Hendrik führt die Manufaktur seitdem allein. Ein Jahr nach dem Tonic kam die zweite Leidenschaft dazu: ein Dark and Stormy, für den es partout kein überzeugendes Ginger Beer zu kaufen gab.
Vom Sirup zum fertig gemixten Cocktail
Das Sortiment teilt sich in zwei Familien, welche dieselbe Haltung teilen: Essenzen zum Selbermischen und Cocktails, die schon fertig in der Flasche warten.
Der Bio-Sirup mit echter Chinarinde ist das Erstlingswerk und macht aus Mineralwasser ein herbes, zitrisches Tonic. Der Bio-Ingwersirup mit 30 % Ingwersaft hält scharf dagegen und trägt Moscow Mule, Dark and Stormy oder London Buck. Beide Flaschen fassen 250 ml und reichen für jeweils rund zwölf Longdrinks. Bei uns gibt es sie außerdem im Dreierpack, als Vorrat für eine längere Saison oder als Geschenk.
Die abgefüllten Cocktails kamen 2017 dazu, und auch dieser Anfang war privat: Der erste Negroni entstand als Geschenk für Hendriks Freund, den Maßkonfektionär Thorsten Lewin. Inzwischen gibt es die Drinks auch im kleinen Format mit 100 ml, klein genug für die Minibar oder als Mitbringsel zum Abendessen.
Bei den abgefüllten Cocktails ist der Negroni als Premix der Klassiker, gebaut aus Eversbusch Doppelwacholder, einem italienischen Amaro auf Artischockenbasis und einer Wermut-Hausmischung. Der herbstliche Manhattan namens Autumn in New York setzt dagegen auf Roggenwhiskey aus dem Münsterland und weichen Kastanienbrand. In Hamburg gibt es den Negroni außerdem in einer hellen Variante und in einer Bio-Fassung.
Dazu kommt das kleine Werkzeug, ohne das Selbermischen mühsam bliebe. Ein Glas-Dosierer mit Naturkork misst 20 ml ab und bleibt gleich als Verschluss auf der Flasche, ein Erlenmeyerkolben aus Laborglas trägt eine Skala für 100 ml Wasser.
Chinarinde aus Ecuador, Ingwer aus Peru
Die Herkunft der Rohstoffe ist bei pHenomenal Drinks kein Nebensatz, sondern der eigentliche Aufwand hinter jeder Flasche.
Die Chinarinde für das Chinin im Tonic stammt aus Ecuador und dem Kongo. Hendrik kocht sie mit Gewürzen auf wie einen bitteren Tee und filtriert sie danach sorgfältig ab, statt auf ein fertiges Bitteraroma zurückzugreifen. Der Ingwer wächst in Peru und Uganda und wird in Süddeutschland frisch gepresst, ganz ohne die verbreitete Nachschärfung mit Chili-Tinktur.
Gesäuert wird mit Weinsäure aus der Weinproduktion statt mit Zitronensäure, gesüßt mit Bio-Agavendicksaft statt mit raffiniertem Zucker. Das empfohlene Mischverhältnis von fünf Teilen Wasser auf einen Teil Sirup ist die Bedingung dafür: Erst diese Konzentration lässt echte Direktsäfte zu, ohne dass der Geschmack verwässert. Beide Sirupe tragen die Öko-Kontrollnummer DE-ÖKO-039 und sind vegan.
Dass es Sirup wurde und keine fertige Limonade, ist ebenfalls Absicht. Ein Konzentrat wiegt weniger, spart Verpackung und Transportwege, und es bleibt nicht aufs Glas beschränkt: In der Küche wandern die Sirupe in Wokgerichte, Currys und aufs Crumble-Blech. Der Weg dorthin ist handwerklich, geduldig und eigensinnig, und genau das schmeckt man später im Getränk.
„Ist das Kunst? Wir finden es ist ein Handwerk und ein liebevoll und wirklich gut erledigter Job“, schreibt Hendrik über die eigene Arbeit. Nebenbei spart das Konzentrat eine Menge Glas, denn eine Flasche ersetzt acht bis zehn der kleinen Tonic-Fläschchen.
Gold, Silber und 95 Falstaff-Punkte
Für eine Manufaktur dieser Größe ist die Vitrine erstaunlich gut gefüllt, und zwar über beide Produktfamilien hinweg.
Der Ginger Sirup holte 2021 den Goldenen Preis der DLG, nachdem er 2020 bei den Craft Spirits Awards Bronze bekommen hatte. Der Tonic Sirup bekam im selben DLG-Jahrgang Silber und 2020 ebenfalls Silber in Berlin. Der Negroni our style wiederum wurde 2021 mit dem Goldenen Preis der DLG und einer Silbermedaille bei den Craft Spirits Awards bedacht.
2025 kam die schönste Bestätigung dazu: Bei der Falstaff Bottled Cocktail Trophy erreichte der Negroni 95 Punkte. Die DLG prüft sensorisch durch geschulte Panels, ein Preis von dort sagt also mehr über den Inhalt der Flasche als über das Etikett. Auch die Fachpresse schaut regelmäßig vorbei, von „Essen und Trinken“ bis zum Copenhagen Gin Club, welcher den Tonic Syrup auf Dänisch besprochen hat. Alle Achtung.
Eine Hausbar, die in ein Regalfach passt
Wer selten mixt, scheitert meist an der Vorratshaltung, denn angebrochene Tonic-Flaschen werden schal und Cocktailzutaten stehen jahrelang herum.
Genau hier liegt der Reiz dieser beiden Sirupe: Zwei schmale Flaschen im Kühlschrank decken Gin Tonic, Moscow Mule, Dark and Stormy und eine alkoholfreie Limonade ab. Wer den passenden Wacholder dazu sucht, wird in unserem Gin-Sortiment kleiner Brennereien fündig; wer lieber quer durch die Aromen stöbert, findet weitere Sirupe für Limonaden und Cocktails im Shop.
Hendriks eigene Vorlieben gehen dabei über den Gin hinaus. Tonic mit weißem Portwein oder Wermut ergibt einen leisen Aperitif, ein Espresso Tonic überrascht Kaffeeleute, und der Ingwersirup verträgt sich erstaunlich gut mit Obstbränden aus Birne, Zwetschge oder Kirsche. Welchen der beiden er lieber mag, verrät er nicht – er liebe beide für ihre Unterschiede, so Hendrik.
Für Gäste ohne Bar-Ambitionen sind die abgefüllten Cocktails die entspannte Lösung, denn dort ist die Balance schon gefunden und die Orangenzeste eingebaut. Und wenn du verschenken möchtest: Eine Flasche Sirup mit dem Glas-Dosierer obendrauf ist ein Mitbringsel, das nicht in der Schublade verschwindet.