Ferdinand's Spirits, Riesling-Gin und Wermut aus dem Saartal
Ferdinand's Spirits ist eine Spirituosenmarke aus Saarbrücken, die seit 2013 Gin, Wermut und Aperitifs auf Basis von Saar-Riesling herstellt. Hinter ihr stehen vier Freunde aus der Region, gebrannt wird in der Avadis Distillery, den Wein liefert das VDP-Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken. Namensgeber ist der königlich-preußische Forstmeister Ferdinand Geltz.
Ferdinand's Spirits steht für handgemachte Spirituosen aus dem Dreiländereck, dort wo die Saar auf die Mosel trifft und Deutschland, Luxemburg und Frankreich aneinandergrenzen. Der Saar Dry Gin verbindet über 30 handverlesene Botanicals mit einer Infusion aus Riesling der großen Lage Saarburger Rausch, und dieses Prinzip zieht sich durch das ganze Sortiment. Wein aus dem Steilhang, Kräuter aus dem Garten, Frucht von den Bäumen hinter dem Brennhaus.
2013, vier Freunde und eine Rieslingidee
Im August 2013 taten sich vier Menschen zusammen, welche einen Gin machen wollten, der nach ihrer eigenen Region schmeckt.
Die Geschwister Denis Reinhardt und Erik Wimmers führen in Saarbrücken eine auf Spirituosen spezialisierte Vertriebsagentur und sind zugleich passionierte Weinkenner. Ein Jahr lang arbeiteten sie an der Idee eines Riesling-Gins, ehe die Flasche stand. Für die Rezeptur holten sie Andreas Vallendar dazu, Master Distiller und gelernter Chemielaborant aus Saarburg, der Getränketechnologie studiert hat.
Den Wein steuert Dorothee Zilliken bei, welche seit 2007 gemeinsam mit ihren Eltern das VDP-Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken leitet. Damit saßen zwei Traditionshäuser an einem Tisch, deren Vorfahren den Ruf der Saar mitgeprägt haben. „Wir wollen einen Gin machen, der unser Terroir und unsere Region mit all ihren Highlights und Besonderheiten widerspiegelt“, hat Denis das später zusammengefasst.
Der Name geht auf Ferdinand Geltz zurück, den königlich-preußischen Forstmeister, welcher von 1851 bis 1925 lebte und den VDP Mosel-Saar-Ruwer mitbegründete. „Inspired by our heritage“ steht seither über allem, was das Haus abfüllt.
Firmiert wird das Ganze unter Capulet & Montague in der Martin-Luther-Straße in Saarbrücken, ein Name, der zwei verfeindete Häuser Shakespeares zusammenspannt. Für ein Projekt, in dem eine Brennerei und ein Weingut gemeinsame Sache machen, ist das ein hübscher Einfall. Aus der Vertriebsagentur wurde so nebenbei eine eigene Marke.
Vom Dry Gin bis zum alkoholfreien Cordial
Aus dem einen Gin ist über die Jahre eine ganze Reihe geworden, die inzwischen zehn Erzeugnisse plus eine Bitter-Serie umfasst.
Am Anfang steht der Saar Dry Gin mit 44 Prozent, trocken, floral und mit Wacholder im Kern, den es auch in der kleinen 200-ml-Flasche zum Kennenlernen gibt. Der Saar Quince setzt frisch geerntete Muskatellerquitten obendrauf und wird mit 30 Prozent zur Saar-Antwort auf den britischen Sloe Gin. Einmal im Jahr kommt die Goldcap dazu, eine Sonderedition aus dem Herzstück des Brands, infundiert mit Trauben aus der Goldkapsel-Auslese.
Die zweite Familie sind die Wermuts, allesamt auf Riesling angesetzt. Der Dry Vermouth gilt als weltweit erster Riesling-Wermut, der White reift in Mosel-Fuder-Fässern, und der Red bekommt von grüner Walnuss seine ungewöhnliche Bitternote. Der Rosé Vermouth ist der leichteste im Bunde, blumig von Holunderblüte, fruchtig von Rhabarber und Weinbergpfirsich.
Dazu kommen der Verjus Cordial aus unreifen Rieslingtrauben und zwei alkoholfreie Cordials, ein G&T und ein Rosé Aperitif, beide zum Aufgießen mit Soda gedacht. Wer sich einen Überblick verschaffen möchte, greift zum Experience Set mit fünf Miniaturen. Was davon gerade vorrätig ist, siehst du unten im Raster.
Daneben gibt es immer wieder Sonderabfüllungen, an denen sich das Haus ausprobiert. Ein Barrel Aged Red Vermouth etwa reifte fünfzehn Monate in Moscatel-Fässern und erschien in einer Auflage von 400 Flaschen. Vier Bitter runden die Reihe ab, gedacht für Barleute, die tropfenweise arbeiten. So bleibt das Sortiment übersichtlich und trotzdem lebendig, weil jedes Jahr etwas Neues dazukommt.
Über 30 Botanicals, meist von nebenan
Was Ferdinand's von vielen Gin-Marken unterscheidet, ist die Nähe der Zutaten zum Brennhaus.
Direkt hinter der Brennerei stehen die Bäume für roten Weinbergpfirsich, Quitte und Rubinette-Apfel. Der Lavendel wächst auf brachliegenden Weinbergen im Konzer Tälchen, die Kräuter werden im eigenen Garten kultiviert, und alle Botanicals werden von Hand gelesen. Was nicht aus der Region kommt, sind die klassischen Gewürze wie Kardamom, Zimt und Muskatnuss, die es für einen Gin nun einmal braucht.
Auch die Basis ist keine Massenware. Statt neutralem Industriealkohol nutzt Andreas einen eigenen Rohbrand aus Dinkel, Weizen und Roggen, und gearbeitet wird in kleinen Chargen ohne industrielle Abkürzungen. Die Familie Vallendar brennt auf ihrem Gutshof in Wincheringen-Bilzingen bereits seit 1824 Obst, und diese Erfahrung merkt man den Destillaten an.
Die Trauben schließlich kommen aus dem Saarburger Rausch, einer Südsteillage auf devonischem Schiefer, in welcher lange Sommer für späte Reife und kalte Nächte für Säure sorgen. Morgennebel, Schiefer und Wind formen hier eine Pflanzenwelt, die es so kein zweites Mal gibt.
Dass diese Landschaft die eigentliche Rohstoffquelle ist, hat Folgen für die Arbeitsweise. Brachliegende Weinberge werden gepflegt, statt sie verwildern zu lassen, und die Botanicals werden dort geerntet, wo sie ohnehin stehen. Der Anspruch, das Ökosystem des Saartals zu erhalten, steht bei Ferdinand's ausdrücklich über dem Wachstum. Wer seine Zutaten vor der Haustür hat, kann sich Raubbau schlicht nicht leisten.
Doppelgold in San Francisco 2015
Der Saar Dry Gin wurde 2015 bei der San Francisco World Spirits Competition mit einer Doppelgold-Medaille ausgezeichnet.
Schon 2014 hatte Simon Difford dem Gin in seinem Difford's Guide die volle Punktzahl von fünf Sternen gegeben und ihn schlicht herausragend genannt. Beim Internationalen Spirituosen Wettbewerb folgte Gold samt dem Titel als aromatischste Spirituose des Jahres, bei der Los Angeles International Spirits Competition ebenfalls Gold.
2016 ging die Marke in die USA, und bis 2023 wuchs der Export auf 42 Länder. „Der wachsende Gin-Markt bot zwar sehr gute Chancen für die Marke, ist dennoch natürlich hart umkämpft“, sagt Erik über diesen Weg. Für ein Haus, das mit einer einzigen Flasche angefangen hat, ist das eine ordentliche Strecke. Alle Achtung.
Auszeichnungen ehren den Erzeuger und nicht uns, aber sie erklären, warum ein Destillat aus einem Moseldorf auf amerikanischen Rückbuffets landet. Bemerkenswert ist dabei, dass neben dem Gin auch die Wermuts ihren Weg in die internationale Barszene gefunden haben. Beides zusammen macht die Marke für Barleute interessant, weil Gin und Wermut aus derselben Hand kommen und im Glas dieselbe Sprache sprechen.
Der Gin Tonic mit Salbei, der Quince zum Käse
Aus diesem Sortiment lohnt sich je nach Anlass eine andere Flasche.
Der Saar Dry Gin entfaltet sich in einem trockenen Tonic mit einem Blatt Salbei und einer Scheibe getrockneter Zitrone, denn dort bekommen die floralen Botanicals Platz. Der Saar Quince gehört gekühlt ins kleine Glas, zu gereiftem Bergkäse oder Wildpastete, und ersetzt in der Bar den Sloe Gin. Der Rosé Vermouth wiederum ist das Sommergetränk der Reihe, auf viel Eis mit einer Scheibe Orange.
Als Geschenk macht das Experience Set die Runde, weil darin fünf Charaktere nebeneinander stehen und niemand eine große Flasche anbrechen muss. Wer die Weinseite weiterverfolgen möchte, findet die Rieslinge von Forstmeister Geltz-Zilliken bei uns, und wer beim deutschen Gin bleiben will, schaut zur Windspiel Manufaktur aus der Vulkaneifel oder ins Gin-Regal.
Lass dich überraschen, wie viel Weinberg in einem Wacholderbrand stecken kann.