STILVOL. Spirituosen aus Baden-Württemberg von vier Freunden
STILVOL. ist eine Spirituosenmarke aus Stuttgart und Laupheim, welche seit März 2016 klassische deutsche Obstbrände, Geiste und Liköre in kleinen Brennereien Baden-Württembergs herstellen lässt. Vier Freunde füllen von Hand ab, etikettieren und versenden selbst. Deutsches Obst, klare Flaschen, ohne künstliche Aromen.
STILVOL. steht für deutsche Schnäpse und Liköre, welche man sich wieder hinstellen mag. Hinter der Marke aus dem oberschwäbischen Laupheim stecken Jessi, Danny und zwei Markus, vier Freunde und nach eigener Auskunft allesamt Dorfkinder, die feststellten, dass Williams, Quitte und Zwetschge lange genug im Schrank der Großeltern gestanden hatten. Gebrannt wird bei kleinen Betrieben der Region, alles andere machen die vier selbst.
Vom Brennkessel des Großvaters zur eigenen Marke
Angefangen hat die Geschichte bei Erich, dem Großvater von Jessica, welcher seit Jahrzehnten sein eigenes Obst anbaut und in der Brennerei auf seinem Hof verarbeitet.
Aus dem Zuschauen wurde eine Idee, aus der Idee im März 2016 eine Marke. Die vier hatten dabei kein Interesse daran, das Handwerk neu zu erfinden, denn das saß bei den Brennern der Umgebung längst. Was fehlte, war alles davor und danach, also die Auswahl, die Flasche, das Etikett und die Haltung, mit welcher man so etwas verkauft.
Denn das Problem des deutschen Obstbrands war nie seine Qualität, sondern sein Ruf. Ein Williams gehörte zum Vater, ein Kräuterschnaps zum Onkel, und wer unter dreißig war, griff eher zu Gin. Genau in dieser Lücke ist STILVOL. entstanden, mit einem Sortiment, welches sich nicht entschuldigt, sondern schlicht gut aussieht.
Auf jedem Etikett steht seitdem derselbe Satz: „Unser Anspruch ist es, Tradition zu erhalten und neu zu gestalten.“ Das ist kein Werbespruch, sondern die Arbeitsanweisung, nach welcher das Sortiment wächst.
Obstbrände, klare Geiste und fruchtvolle Liköre
Das Sortiment teilt sich in drei Familien, nämlich die Brände aus Obst, die klaren Geiste aus Kräutern und Holz sowie die Liköre aus regionalen Früchten.
Bei den Bränden steht die Williams Goldene Birne mit eingelegter Frucht vorn, ein Birnenbrand mit 36 % Alkohol, in welchem monatelang handgeschnittene Birnen ziehen. Daneben führt STILVOL. einen Williams Christ Birnenbrand ohne Fruchtauszug und einen im Barrique gereiften Obstbrand aus dem Holzfass, welcher seine Farbe und seine Vanillenote aus der Eiche zieht.
Die klare Abteilung gehört dem Nadelwald Fichtengeist aus Holz und Nadeln mit 38 % und dem Gartenkräuter Rosmaringeist mit 40 %, dazu kommt ein Obstgeist aus Gartenhimbeeren. Süßer und runder wird es bei der Goldenen Nuss aus karamellisierten Haselnüssen mit 32 %.
Die Liköre liegen bei 19 % und tragen die Farben ihrer Frucht, die Quitten Cuvée aus Apfel- und Birnenquitte ebenso wie der Fruchtlikör Gartenhimbeere. Ergänzt wird die Reihe um einen Johannisbeerlikör aus roten Beeren, einen weißen Wermut als Aperitif und einen Eierlikör, welcher auf einem Bio-Hof entsteht.
Gerade der Wermut zeigt, wohin die Reise geht, denn er kommt aus dem eigenen Weinberg eines befreundeten Winzers und trifft damit einen Geschmack, den vor zehn Jahren in Deutschland kaum jemand gesucht hätte.
Brand, Geist und Likör sauber getrennt
Die drei Begriffe werden im Alltag durcheinandergeworfen, dabei bezeichnen sie drei völlig verschiedene Wege in die Flasche.
Ein Brand entsteht aus vergorener Frucht, weshalb er nur bei zuckerreichem Obst wie Birne, Zwetschge oder Apfel funktioniert. Ein Geist dagegen wird gemacht, wenn die Rohware zu wenig Zucker mitbringt, also bei Kräutern, Nadeln, Nüssen oder Beeren, welche in neutralen Alkohol eingelegt werden, bis das Aroma sich löst, und erst danach gebrannt werden. Ein Likör schließlich kommt mit Zucker in die Flasche und liegt deshalb tiefer im Alkohol.
Bei STILVOL. findest du alle drei Wege im Regal, und wer die Unterschiede einmal nebeneinander geschmeckt hat, erkennt sie danach überall wieder. Der Fichtengeist ist trocken und klar, die Quitten Cuvée süß und dicht, der Williams mit Fruchtauszug liegt genau dazwischen.
Deutsches Obst, kleine Kessel, eigene Hand
Verwendet werden ausschließlich deutsche Früchte, meist aus eigenem Anbau der Brenner oder von befreundeten Höfen der Umgebung.
Dass eine solche Marke ausgerechnet in Baden-Württemberg entsteht, ist kein Zufall, denn nirgendwo in Deutschland stehen so viele Kleinbrennereien wie hier. Die Streuobstwiesen zwischen Schwäbischer Alb, Oberschwaben und Bodensee sind über Jahrhunderte gewachsen, und mit ihnen das Recht vieler Höfe, ihr eigenes Obst zu brennen. Wer hier aufwächst, kennt den Geruch aus der Scheune, lange bevor er den ersten Schluck probiert.
Gebrannt wird in überschaubaren Mengen, und wer schon einmal in einer Kleinbrennerei gestanden hat, weiß, warum das den Unterschied macht. Ein kleiner Kessel verzeiht keine Unaufmerksamkeit, dafür lässt sich der Übergang von Vorlauf, Herz und Nachlauf genau dort setzen, wo das Aroma am schönsten sitzt.
Auf künstliche Aromen oder Farbstoffe wird bei STILVOL. bewusst verzichtet. Die goldene Farbe der Birne kommt aus der eingelegten Frucht, das Rot des Himbeerlikörs aus der Beere, und wo nichts zugesetzt wird, schmeckt man eben die Rohware. Abgefüllt, etikettiert und versendet wird alles von den vieren selbst, so wie Jessica es beim Großvater von klein auf gesehen hat.
Erich, Jürgen, Verena und Harald am Kessel
STILVOL. brennt nicht selbst, sondern arbeitet mit einer Handvoll kleiner Betriebe zusammen, deren Namen die Marke offen nennt.
Der Obstbauer der Runde ist Jessicas Großvater, welcher sein Obst auf dem eigenen Hof anbaut und dort auch brennt, so wie Erich es seit Jahrzehnten hält. Jürgen gilt als der experimentierfreudigste unter den Brennern, von ihm kommen die Sorten, bei denen man zweimal hinschaut. Verena führt einen Bio-Hof und macht den Eierlikör, Harald ist Winzer und Brenner zugleich und liefert den weißen Wermut aus Trauben des eigenen Weinbergs.
Diese Offenheit ist im Spirituosenregal keine Selbstverständlichkeit, denn viele Marken verschweigen, wer für sie brennt. Hier steht es dabei, und man kann sich die Höfe ansehen. Für eine junge Marke ist das die ehrlichste Form von Werbung, welche sich denken lässt.
Die Flasche, die vorne stehen darf
Die braune Apothekerflasche mit dem goldenen Verschluss und dem farbigen Etikett ist das eigentliche Erkennungszeichen der Marke.
Jede Sorte trägt ihre eigene Farbe, quittengelb, himbeerrot, waldgrün, sodass eine Reihe im Regal von selbst sortiert wirkt. Das braune Glas ist dabei kein Zierrat, sondern Schutz, denn Licht ist der schnellste Weg, einem Fruchtlikör seine Farbe und sein Aroma zu nehmen.
Neben den Flaschen mit 500 ml gibt es beim Hersteller kleine mit 100 ml als Probier- und Mitbringgröße, dazu Geschenkrollen, schwarze Baumwollsäckchen und Etiketten mit eigenem Namen für Firmen. Aus derselben Werkstatt stammen sogar zwei Toilettenparfums mit Zirbe und Zitrus, was zeigt, dass die Runde ihren Humor nicht verloren hat.
Wer in den deutschen Spirituosen unterwegs ist und die klaren Brände mag, findet hier den Einstieg über die Birne, und wer es lieber fruchtig und leicht hat, beginnt bei den Fruchtlikören. Für ein Mitbringsel ist die Quitte die sichere Bank, für den ersten eigenen Obstbrand die Birne, und wer schon alles kennt, nimmt den Fichtengeist. Was gerade vorrätig ist, siehst du unten im Raster.