Fesey Schokoladenfiguren aus Riemerling in Oberbayern
Fesey ist eine Familienmanufaktur aus Riemerling bei München, welche seit 1933 nichts anderes herstellt als Figuren aus Schokolade. Gegossen wird in zweiteilige nostalgische Formen, gewickelt wird von Hand in einfarbiges Stanniol. Keine Aufdrucke, keine Banderolen, keine aufgemalten Gesichter.
Fesey steht für Schokoladenfiguren, welche ihre ganze Wirkung aus der geprägten Form beziehen und aus einer glänzenden Folie darüber. Die Manufaktur arbeitet in Riemerling, einem Ortsteil von Hohenbrunn südöstlich von München, und wird in dritter Generation von der Familie Seybold geführt. Aus derselben Vollmilchschokolade mit mindestens 37 Prozent Kakaoanteil entstehen dort Weihnachtsmänner, Osterhasen, Herzen, Glücksschweine und Maikäfer.
Angefangen hat die Bekanntheit mit einem Herzen
1950 stand Fesey mit seinen Schokoladenherzen auf dem ersten Oktoberfest nach dem Zweiten Weltkrieg und ist seither der älteste Süßwarenlieferant der Wiesn geblieben. Das ist keine Fußnote in der Firmenchronik, sondern der Ursprung eines Rufs, welcher bis heute trägt.
Gegründet worden war der Betrieb schon 1933 als Fesey Schokolade-Figuren W. Seybold, und ein reines Familienunternehmen ist er über alle Jahrzehnte hinweg geblieben. Hugo und Christine Seybold zeichnen heute im Register für das Haus verantwortlich, und mit Sohn Sebastian ist die nächste Generation längst mit derselben Schokolade und denselben Formen aufgewachsen.
Wer die Zeitspanne von über 90 Jahren einmal überschlägt, versteht die Zurückhaltung der Aufmachung besser. In diesen Jahrzehnten sind reichlich Verpackungsmoden gekommen und wieder gegangen. Ein Weihnachtsmann in einfarbigem Stanniol hat sie alle überstanden und sieht heute sogar moderner aus als das allermeiste, was ihn zwischendurch einmal verdrängen wollte.
Zwei Formhälften, starke Magnete, eine Sternschleuder
Die Herstellung einer Hohlfigur ist ein Wechselspiel aus Wärme und Fliehkraft, und Fesey beschreibt diesen Weg auf der eigenen Seite bis ins Detail. Temperierte Schokolade kommt zunächst in eine Hälfte der zweiteiligen Form, danach wird die zweite Hälfte passgenau aufgesetzt.
Starke Magnete halten beide Teile zusammen, während die Form auf einer sogenannten Sternschleuder rotiert, bis sich die flüssige Masse gleichmäßig an die Innenwand gelegt hat. Anschließend fährt sie durch einen 12 Meter langen Kühlkanal, in welchem die Schokolade fest wird und jenen Glanz bekommt, den man später an der Bruchkante sieht. Erst ganz am Ende kommt die Hand ins Spiel und schlägt jede Figur einzeln in ihr Stanniol.
Fesey nennt das handstannioliert, und der Betrieb sagt ausdrücklich dazu, dass kleine Unterschiede von Stück zu Stück zur Handarbeit dazugehören und keine Fehler sind. Eine Falte sitzt anders als bei der Figur daneben, ein Glanz bricht an einer anderen Stelle, und die Naht verläuft nie zweimal exakt gleich. Genau daran erkennst du, dass hier am Schluss keine Maschine die Entscheidung getroffen hat.
Neben den stanniolierten Figuren gibt es bei Fesey auch handbemalte, und bei denen geht die Farbe der Schokolade sogar voraus. Eingefärbte Zuckermasse mit Kakaobutter wird vor dem Guss mit dem Spritzbeutel in die Formhälften gesetzt, von Hand und mit AZO-freien Lebensmittelfarben. Maschinen kommen beim Colorieren nicht zum Einsatz. Unsere Figuren gehören zur stanniolierten Seite des Hauses, bei welcher die Farbe außen sitzt statt unter der Schokolade.
Vom Weihnachtsmann über das Glücksschwein zum Maikäfer
Das Jahr dieser Manufaktur läuft in vier Wellen, und jede Welle bringt ihre eigenen Formen aus dem Regal. Im Spätsommer laufen die Weihnachtsartikel an, danach folgen Neujahr, Ostern und zuletzt der Maikäfer.
Zur Weihnachtszeit gehören der Schoko Weihnachtsmann mit Bart, Kapuze und Sack über der Schulter, der Tannenbaum mit geprägtem Kugelschmuck, der gewölbte Stern mit fünf Zacken sowie die flachen Reliefs von Nikolaus, Engel und Lebkuchenmännchen. Beim Hersteller kommen Weihnachtselch, Rentier, Weihnachtsfrau und ein Nikolausstiefel dazu, welchen es in mehreren Größen gibt.
Nach dem Jahreswechsel übernehmen Glücksschwein, Hufeisen und Kaminkehrer die Vitrine, im Frühjahr dann der Osterhase in seinen vielen Farben, dazu das liegende Osterlamm, die Küken und ein mit Pralinen gefülltes Osterei. Der Maikäfer ist eine bayerische Eigenheit des Hauses und kommt sowohl in Vollmilch als auch in Zartbitter mit mindestens 58 Prozent Kakaoanteil.
Über das ganze Jahr laufen die Herzen, vom kleinen Schokoherz bis zum Muttertagsherz in Übergröße, und daneben stehen Sonderformen wie Katze, Auto, Espressokocher, Zwerg und ein Paar Pumps aus Schokolade. Welche dieser Figuren gerade bei uns im Regal steht, siehst du unten im Raster.
18 Folienfarben und kein einziger Aufdruck
Fesey führt einen Farbfächer mit rund 18 Stanniolfarben, von Braun und Beige über Gold, Silber, Kupfer und Champagner bis hin zu Petrol, Pink und Hellgrün. Darin liegt der eigentliche Trick dieses Sortiments verborgen.
Weil die Folie einfarbig bleibt und nichts darauf gedruckt wird, entsteht aus einer einzigen Form eine ganze Farbfamilie mit ganz unterschiedlicher Wirkung. Derselbe Weihnachtsmann wirkt in Gold festlich und in Pink frech, derselbe Tannenbaum in Moosgrün waldig und in Eisblau frostig. Für einen gedeckten Tisch lässt sich damit eine Farbe konsequent durchziehen, statt bunt zusammenzustellen, was das Regal gerade hergibt.
Die Farbnamen selbst stammen dabei aus dem Handel und nicht aus dem Fächer der Manufaktur, welche ihre Folien schlicht nach Nummern führt. Kaminrot, eisblau und champagner sind also unsere Worte für Töne, die es dort ohne Namen gibt. Wir führen die Figuren deshalb nach Farben sortiert, damit du zusammenstellen kannst, was am Ende zusammen auf dem Tisch stehen soll.
Altes bewahren, Neues schaffen
Der Grundsatz des Hauses ist ein Satz aus vier Worten und steht so auf der eigenen Seite: Altes bewahren, Neues schaffen. Die Formen bleiben also, während die Fertigung ringsherum moderner wird.
Zum Neuen gehört inzwischen die Energie im Betrieb. Der Strom stammt aus erneuerbaren Quellen, das Erdgas wird mit geprüftem CO2-Fußabdruck bezogen, und zwei Arbeitsplätze in der Manufaktur sind über den Bundesverein Lebenshilfe besetzt. Das ist in einem Haus dieser Größe alles andere als selbstverständlich und wird auf der eigenen Seite eher beiläufig erwähnt als herausgestellt.
Zum Alten gehört, dass eine Vollmilchschokolade mit mindestens 37 Prozent Kakaoanteil milchig und mild bleiben darf, statt dem Trend zu immer höheren Kakaoanteilen hinterherzulaufen. Die Kakaobutter steht in der Zutatenliste vor der Kakaomasse, und genau das merkst du am Schmelz, welcher schon bei Zimmerwärme nachgibt statt zu splittern. Kinder mögen diese Schokolade, und Erwachsene, welche abends noch ein Stück vom Adventsteller nehmen, eben auch.
Im Jahreslauf sind die Figuren zwischen Nikolaus und Heiligabend Tischkarte, Gabentellerbelag und Wichtelgruß in einem. Die kleinen Reliefs mit ihren 20 Gramm füllen ganz nebenbei einen selbst gepackten Adventskalender. Zu Ostern wandert der Hase ins Nest, wo die Satinschleife am Hals mehr hermacht als jede bedruckte Folie, und das Herz kennt ohnehin keine Saison. Weitere Schokoladenfiguren anderer Manufakturen findest du bei uns ebenso wie das ganze Weihnachtssortiment und alles rund um Ostern.
Eines noch zur Jahreszeit, damit du dich nicht wunderst: Von Mai bis September ruht das Schokoladensortiment weitgehend, weil Schokolade und Sommerhitze nun einmal keine Freunde werden. Die Figuren kommen im Herbst zurück, pünktlich zur ersten Kerze am Adventskranz.