Lakrids by Bülow aus Dänemark macht Lakritz zum Gewürz
Lakrids by Bülow ist eine dänische Lakritzmanufaktur, gegründet am 07.07.2007 von Johan Bülow in Svaneke auf Bornholm. Bekannt wurde sie für Lakritzkugeln mit Schokolade, heute produziert sie in Hvidovre bei Kopenhagen und ist B-Corp-zertifiziert.
Lakrids by Bülow steht für dänisches Lakritz, das nicht als Kindersüßigkeit gedacht ist, sondern als Zutat mit eigenem Charakter. Johan Bülow kocht Süßholz seit 2007 selbst und überzieht es seit 2009 mit Schokolade – aus dieser einen Idee ist ein Sortiment aus puren Sorten, Schokoladenlakritz und Saisoneditionen geworden. Wir gehörten zu den ersten Shops in Deutschland, die es angeboten haben.
Der Laden, der nach zwei Stunden leer war
Am 07.07.2007 eröffnete Johan Bülow einen kleinen Laden in Svaneke auf Bornholm und kochte das Lakritz dort selbst – ausdrücklich so, dass man es im Umkreis von 100 Metern riechen konnte.
Der Duft tat seine Arbeit. Nach zwei Stunden war der Laden leer, und der letzte Kunde nahm noch die Geschmacksproben von der Theke mit. Johan Bülow stammt aus einer Unternehmerfamilie und hatte sich vorgenommen, etwas zu schaffen, das es so nicht gab. Ausgerechnet Lakritz, eine Süßigkeit, die in Skandinavien jeder kennt und über die niemand mehr nachdachte.
Ein Jahr später reichte das Kochen im Laden nicht mehr. 2008 kaufte er eine Lakritzmaschine und richtete in Taastrup eine kleine Fabrik ein, in welcher die puren Sorten No. 1 bis No. 4 entstanden. Die kleinste Lakritzfabrik der Welt, wie das Haus sie selbst nennt – damals war das keine Untertreibung.
Zum zehnjährigen Bestehen 2017 formulierte Lakrids by Bülow seinen Anspruch als Satz, der bis heute gilt: Aus Skeptikern sollen Lakritzliebhaber werden, ein exquisites Stück nach dem anderen. Heute sitzt die Produktion in Hvidovre am Rand von Kopenhagen, ein gutes Stück von Bornholm entfernt.
Zahlen für pur, Buchstaben für Schokolade
Das Sortiment ist streng sortiert: Die Zahlen 1 bis 4 stehen für pures Lakritz, die Buchstaben A bis F für Lakritz mit Schokolade, und dazwischen laufen die Saisoneditionen.
Die puren Sorten sind die Wurzel des Ganzen. No. 1 ist süß und trägt einen Hauch Anis, No. 2 arbeitet mit Salmiak, einem Salz, das in den nordischen Ländern seit Langem zum Lakritz gehört und neben dem Salzigen ein säuerliches Aroma mitbringt. In Skandinavien ist das die beliebteste Sorte überhaupt.
No. 4 kommt mit Habanero, und die Chilis dafür fand Johan Bülow zuerst in Mexiko. Später ließ er sie in Dänemark anbauen, um die Qualität selbst in der Hand zu haben. Beide Sorten tragen den Hinweis, dass sie für Erwachsene gedacht sind, und das ist keine Koketterie.
Angefangen hat die Buchstabenreihe 2009 mit A – The Original, einem süßen Kern in Vollmilchschokolade, gewälzt in Lakritzpulver. Die Idee, Lakritz in Schokolade zu tauchen, hatte Johan Bülow sich in Island abgeschaut, wo man diese Verbindung längst kannte; in Dänemark hielt man sie zunächst für eine Verirrung. Heute reicht die Reihe von C – Sour Strawberry mit rotem Kern unter grüner Zuckerhülle bis zu F – Dark Sea Salt in dunkler Schokolade.
Jede dieser Kugeln ist in drei Schichten gebaut: innen der weiche Lakritzkern, darum der Schokoladenmantel, außen eine Hülle aus Fruchtpulver, Zucker oder rohem Lakritz. Süß, salzig, sauer und scharf – jede Sorte besetzt eine andere Ecke, und keine gleicht der Nachbarin.
Nur das Mittelstück der Wurzel
Süßholz ist bis zu 50-mal süßer als Zucker, und Lakrids by Bülow verwendet davon nur den mittleren Teil der Wurzel, weil dort der Geschmack sitzt.
Vorderes und hinteres Ende werden weiterverkauft statt weggeworfen. Gekocht wird mit Reismehl statt Weizen, weshalb das gesamte Lakritz glutenfrei ist und ohne Gelatine auskommt – bei Lakritz ist das keineswegs selbstverständlich. Wie kräftig eine Sorte schmeckt, steuert der Anteil des Süßholzextrakts, und der schwankt im Sortiment deutlich: Die reinen Sorten tragen ein Mehrfaches dessen, was in einer Schokoladenkugel steckt.
Neben dem Kernsortiment gibt es die Slow-Crafted-Linie in Bio-Qualität. Diese Lakritze wird vier Stunden lang gekocht, was ihr eine karamellisierte, dichtere Textur gibt, und sie kommt im Mehrwegglas mit eingravierten Maßangaben, das man nachfüllen kann.
Auch sonst hat sich bei der Verpackung etwas bewegt: Seit 2020 versiegelt Lakrids die Dosen mit aluminiumfreien Folien. Und das Haus ist B-Corp-zertifiziert, lässt seine Arbeitsweise also nach Sozial- und Umweltkriterien von außen prüfen.
Eine Hall of Fame und ein Geschmackspanel
Neue Sorten entstehen bei Lakrids nicht am Schreibtisch. Sie gehen zuerst durch das Geschmackspanel der Lakrids Lovers, ehe Johan Bülow eine Rezeptur freigibt.
Wer dort gut abschneidet, kommt als limitierte Edition in den Handel. Und wenn die Kundschaft nicht aufhört zu fragen, steigt die Sorte in die Hall of Fame auf und wird Jahresware. So ist aus dem Sommerhit Sour Strawberry das feste C geworden, welches den früheren Kaffee-Buchstaben abgelöst hat. Umgekehrt führt das Haus einen Lakritzfriedhof, von dem Sorten auch wieder zurückkehren können.
Die Lakrids Lovers sind dabei mehr als ein Marketingname. Wer sich anmeldet, bekommt neue Sorten vor dem Handel auf den Tisch und wird nach Punkten gefragt, und dieser Wert steht später im Verkaufsgespräch ganz vorn – Cherry Sour etwa kam mit 4,6 von 5 in die Winterkollektion 2026.
Auszeichnungen benennt Lakrids by Bülow dabei auffällig selten – die Marke verlässt sich lieber auf ihre eigene Community als auf Jurys. Wer wissen will, ob eine neue Sorte trägt, findet die Antwort also nicht in einer Urkunde, sondern darin, ob sie im nächsten Jahr wieder im Regal steht.
Durch das Jahr mit Lakrids
Nur ein kleiner Teil des Sortiments ist Jahresware. Der größere Teil kommt und geht mit den Jahreszeiten, und jede Saison bringt eigene Sorten mit.
Zwischen Valentinstag und Muttertag läuft die LOVE-Edition mit herzförmigem Kern, zu Ostern folgen die ÆGG-Sorten in Eiform, im Frühling Lime Crackle mit grünem Zuckermantel, im Sommer LEMON und Pink Pineapple. Zum Winter gehören CLASSIC Caramel mit blonder Dulce-Schokolade und Crispy Raspberry mit Himbeere.
Zwei Saisons des Herstellers führen wir bewusst nicht: die Anniversary-Reihe und die Halloween-Sorten. Wenn also im Brand-Portal eine Sorte auftaucht, die bei uns fehlt, ist das keine Lücke, sondern eine Entscheidung.
Wenn eine Saisonsorte im Shop gerade nicht lieferbar ist, liegt das an genau dieser Logik. Sie kommt im nächsten Jahr wieder, meist mit neuem Motiv und leicht veränderter Rezeptur – bei Lakrids ist eine Wintersorte nie zweimal dieselbe.
Fürs Verschenken hat das Haus eigene Formate: die Winter Selection Box mit acht Sorten hinter runden Fenstern, kleinere Boxen für die schnelle Geste und den Adventskalender mit 24 Türchen. Alle sind so gestaltet, dass du sie ohne Geschenkpapier überreichen kannst.
Wer Lakritz noch nie mochte, fängt am besten bei den Schokoladensorten an und arbeitet sich nach innen vor: erst viel Schokolade und wenig Wurzel, dann umgekehrt. Wer es kennt, weiß ohnehin schon, welcher Buchstabe der eigene ist – und diskutiert lieber darüber, ob der neue Winterjahrgang an den letzten heranreicht.