Stork Club Rye Whiskey von den Spreewood Distillers
Spreewood Distillers brennen in Schlepzig im Spreewald den Stork Club Rye Whiskey, Deutschlands ersten reinen Roggenwhiskey. Drei Berliner übernahmen die alte Brennerei im Oktober 2016. 2019 kürten die World Whiskies Awards ihren Straight Rye zum weltbesten Rye Whisky.
Spreewood Distillers ist eine Whiskeybrennerei in Schlepzig, 60 Kilometer südlich von Berlin, welche unter dem Namen Stork Club Roggenwhiskey herstellt. Der Roggen wächst auf den Feldern rundum, gebrannt und gereift wird im Ort, und seit 2018 sammelt das Haus internationale Medaillen.
Aus einem Fasskauf wurde eine ganze Brennerei
2015 fuhren drei Berliner in den Spreewald, um für einen Kunden ihrer Agentur ein einzelnes Whiskeyfass zu kaufen.
Steffen Lohr hatte als Barkeeper in Australien gearbeitet, Bastian Heuser in London und nebenbei die Bar Convent Berlin mit aufgebaut, Sebastian Brack den Wermut Belsazar mitgegründet. Was sie in Schlepzig fanden, war mehr als ein Fass: eine Brennerei mit Geschichte, die älteste Whiskybrennerei Brandenburgs, 2003 von Torsten Römer gegründet.
Im Oktober 2016 übernahmen die drei den Betrieb, bauten ihn um und richteten ihn ganz auf Roggen aus. Damit entstand die erste reine Roggenwhiskey-Destillerie Deutschlands, und der Name Stork Club war geboren, nach den Störchen, welche im Spreewald auf den Dächern nisten.
Zum Hof gehörten damals eine Likörmanufaktur, eine Bonbonwerkstatt und eine Tortenbäckerei, geführt von der Familie Römer. Dieses Nebeneinander aus Handwerk und Gastfreundschaft hat die drei überzeugt, und ein Stück davon ist geblieben: In Schlepzig kann man die Brennerei bis heute besuchen.
Warum ausgerechnet Roggen
Roggen ist das Getreide dieser Landschaft, und er bringt eine Würze mit, welche kein anderes Korn liefert.
Wo Gerste weich und malzig wird, bleibt Roggen trocken und pfeffrig, fast wie die Kruste eines dunklen Brotes. Genau diese Kante macht Rye Whiskey in Cocktails so brauchbar, denn er verschwindet nicht unter Zucker und Zitrone, sondern hält dagegen. In den amerikanischen Klassikern der Barkultur, im Old Fashioned und im Manhattan, stand ursprünglich genau deshalb Rye im Rezept und nicht Bourbon.
Die Niederung mit ihren Kanälen, dem eigenen Mikroklima und dem weichen Wasser bietet dafür gute Bedingungen. Der Roggen kommt von Bauern aus der Umgebung, gemahlen wird in der hauseigenen Hammermühle, und die Maische fermentiert ungefiltert in Tanks mit je 4.000 Litern. Zwei Hefestämme arbeiten dabei nebeneinander, was dem späteren Brand mehr Vielschichtigkeit gibt als eine einzelne Hefe.
Roggen ist dabei das schwierigere Korn. Er schäumt beim Maischen, klebt in der Mühle und verlangt beim Brennen Aufmerksamkeit, weshalb ihn viele Brennereien scheuen. Wer ihn trotzdem nimmt, bekommt dafür ein Getreide mit ausgeprägtem eigenem Charakter.
Getoastete Eiche statt fertiger Fässer
Gereift wird in frischen Fässern aus amerikanischer Weißeiche und deutscher Napoleon-Eiche, welche einzeln über offener Flamme getoastet werden.
Je länger und stärker dieses Toasting ausfällt, desto mehr Karamell, Vanille und Röstaromen gibt das Holz später ab. Weil die Fässer frisch sind und nicht schon einmal gefüllt waren, arbeitet das Holz schneller als in Schottland, und drei Jahre reichen für einen erwachsenen Whiskey.
Vor der Füllung wird weder gefärbt noch kalt filtriert. Das bedeutet, dass sich die Flaschen mit Wasser oder Eis leicht eintrüben dürfen, und dass alle Aromen im Glas ankommen. Ein Teil der Fässer geht zum Schluss noch in gebrauchte Sherry- und Weinfässer, deren getränktes Holz dunkle Frucht beisteuert.
Gebrannt wird in einer kleinen Hybrid-Brennblase, welche die ruhige Arbeitsweise einer Pot Still mit einer Kolonne verbindet. Das erlaubt beides: den kräftigen, aromatischen Schnitt für die Whiskeys und den feineren für die leichteren Flaschen des Hauses.
Vier Flaschen für vier Gelegenheiten
Das Sortiment im Shop reicht vom puren Whiskey bis zum fertigen Aperitif, und jede Flasche hat ihren eigenen Platz am Abend.
Der Straight Rye Whiskey mit 45 Prozent Alkohol ist der Klassiker des Hauses, würzig und karamellig, gut im Highball und im Old Fashioned. Der Full Proof mit 55 Prozent Alkohol geht in die Tiefe, mit Sherryfass-Finish, Dörrobst und langem Abgang.
Leichter wird es mit dem Rosé Rye Whiskey Aperitif, bei welchem badischer Spätburgunder-Rosé auf Roggenwhiskey trifft, und mit dem Whiskey Sour Liqueur, welcher den Sour ohne Übung gelingen lässt. Dazu brennt das Haus einen Smoky Rye und füllt einzelne Fässer als Single Barrel Editions ab.
Wer sich langsam herantasten möchte, beginnt beim Aperitif und arbeitet sich zum Full Proof vor. Wer den Weg schon kennt, hält es umgekehrt und nimmt die leichteren Flaschen für den Sommer, wenn der Whiskey pur zu schwer wird.
Medaillen aus San Francisco, London und Deutschland
2018 gab es Double Gold bei der San Francisco World Spirits Competition, ein Jahr später folgte der große Wurf.
2019 kürten die World Whiskies Awards den Straight Rye zum World's Best Rye Whisky und zugleich zum besten deutschen Rye, im selben Jahr vergab die IWSC 98 Punkte und Gold Outstanding. 2021 wählte die ISW den Stork Club zum besten Whiskey Deutschlands, 2023 kam Gold bei den World Whiskey Masters dazu.
Für ein Haus, welches erst seit 2016 in dieser Besetzung arbeitet, ist das eine erstaunliche Reihe. Die Auszeichnungen gehören den drei Gründern und ihrem Team in Schlepzig, nicht uns – wir stellen die Flaschen nur ins Regal. Alle Achtung.
Bemerkenswert ist dabei weniger die Zahl der Medaillen als ihre Streuung. Ein Whiskey, welcher in Kalifornien, in London und in Deutschland überzeugt, trifft offenbar nicht nur einen regionalen Geschmack, sondern hält allgemeinem Vergleich stand.
Der Einstieg über den Highball
Wer Rye Whiskey noch nicht kennt, beginnt am besten mit einem Highball aus Straight Rye und Ginger Ale auf viel Eis.
Die Ingwerschärfe nimmt die Pfeffernote des Roggens auf, und der Drink bleibt leicht genug für einen warmen Abend. Später lohnt der Sprung zum Full Proof, pur und mit ein paar Tropfen Wasser, am besten zu dunkler Schokolade oder gerösteten Walnüssen.
Wer lieber mixt, hält sich an den Old Fashioned: fünf Zentiliter Straight Rye, ein Barlöffel Zuckersirup, zwei Spritzer Bitter, ein großer Eiswürfel und eine Orangenzeste darüber ausgedrückt. Mehr Rezept braucht dieser Whiskey nicht, um zu zeigen, was er kann.
Als Geschenk macht sich die kleine Full-Proof-Flasche gut, weil sie in jede Tasche passt und trotzdem etwas hermacht. Für eine Runde zu viert reicht eine 700-ml-Flasche Straight Rye über einen ganzen Abend, wenn nebenher Highballs gebaut werden.
Weitere deutsche Brände findest du unter Whisky, verwandte Flaschen für die blaue Stunde unter Aperitif. Und wenn du dich durch deutsche Handschriften probieren möchtest, lohnt der Vergleich mit den Bränden von Feinbrennerei Sasse aus dem Münsterland. Probier dich durch.