Sekthaus Raumland aus Rheinhessen, seit 1984 nur Sekt
Das Sekthaus Raumland in Flörsheim-Dalsheim erzeugt seit 1984 ausschließlich Sekt in traditioneller Flaschengärung, aus eigenen Trauben von 14 biologisch bewirtschafteten Hektar. Kein Weingut, das nebenbei versektet, sondern ein Haus, das nichts anderes macht. Seit 2020 ist es das erste reine Sektgut im VDP.
Sekthaus Raumland ist die Adresse für deutschen Sekt aus traditioneller Flaschengärung, gegründet von Volker Raumland in Flörsheim-Dalsheim in Rheinhessen. Die Familie arbeitet mit den drei Champagnersorten Pinot Noir, Chardonnay und Pinot Meunier, dazu mit Riesling, Weißburgunder und Scheurebe. Was den Betrieb von fast allen anderen unterscheidet, ist eine Entscheidung von Anfang an: hier entsteht kein Wein, hier entsteht nur Sekt.
1980 begann alles mit einem Uniprojekt
Volker Raumland, geboren 1955 als Sohn eines pfälzischen Winzerpaares, machte seinen ersten Sekt 1980 im Studium in Geisenheim, aus Müller-Thurgau und eigentlich nur als Übung.
Die Übung ließ ihn nicht mehr los, und 1984 entstand der erste Raumland Sekt, zunächst noch in Kleinstmengen. Volker schaute dorthin, wo man das Handwerk seit Jahrhunderten beherrscht: in die Champagne. Er lernte, was die Qualität dort ausmacht, und übertrug es auf rheinhessische Böden. Dass deutscher Sekt damals als Massenware galt, störte ihn dabei wenig.
Wie ungewöhnlich diese Entscheidung war, zeigt ein Blick auf den Markt. Der allergrößte Teil des deutschen Sekts entsteht bis heute im Tank, schnell und in sehr großen Mengen. Auf die traditionelle Flaschengärung entfällt nach Volkers eigener Schätzung nur rund anderthalb Prozent der deutschen Sektproduktion. Genau dieser schmale Streifen ist sein ganzes Berufsleben.
Allein blieb er mit dieser Haltung nicht, denn im Verband traditioneller Sektmacher haben sich Erzeuger zusammengeschlossen, denen es um dasselbe geht: dem Flaschengärungssekt eine Stimme zu geben und ihn aus der Ecke des reinen Anstoßgetränks zu holen. Sekt soll ein Speisenbegleiter sein, so wie Wein einer ist.
Heute führen seine Töchter das Haus: Katharina hat Önologie studiert, Marie-Luise Betriebswirtschaft, beide arbeiten seit 2019 mit und haben im Dezember 2025 offiziell übernommen. Die beiden Traditionscuvées des Hauses tragen ihre Namen, und das schon lange, bevor die Übergabe anstand.
Tradition, Réserve, Grande Réserve
Das Sortiment ist nach der Zeit geordnet, welche ein Sekt auf der Hefe verbringt, und diese Zeit ist bei Raumland die eigentliche Zutat.
Die Tradition-Linie reift mindestens 36 Monate, dazu gehören die Cuvée Marie-Luise als Brut und die Cuvée Katharina, welche ganz ohne Dosage auskommt. Die Réserve-Sekte liegen mindestens 90 Monate, also gut siebeneinhalb Jahre, darunter der Blanc de Blancs aus Weißburgunder und die Rosé Réserve. Die Grande Réserve schließlich braucht 120 Monate und mehr.
Darüber steht die Prestige-Cuvée Triumvirat, welche ihren Namen den drei Champagnersorten verdankt, die in ihr zusammenfinden. Dazu kommen Lagensekte aus einzelnen Weinbergen, allen voran aus dem Dalsheimer Bürgel. Leichter und unkomplizierter geht es in der Linie Raumland Manufacture zu, mit den drei Seccos und den beiden Ancestrales. Und mit Zerozzante gibt es eine alkoholfreie Reihe, welche ausdrücklich kein entalkoholisierter Sekt ist, sondern prickelnder Traubensaft in vier Sorten. Du findest sie bei uns im Bereich prickelnd alkoholfrei.
Auffällig ist, wie viele Jahrgänge nebeneinander im Angebot stehen. Andere Häuser verkaufen den jüngsten Wein zuerst, hier liegt ein Sekt so lange im Keller, bis er trinkreif ist, und geht erst dann in den Verkauf. Deshalb kannst du denselben Sekt in zwei Jahrgängen nebeneinander probieren und hörst zwei verschiedene Erzählungen desselben Weinbergs.
Vierzehn Hektar, alles aus eigener Hand
Raumland bewirtschaftet 14 Hektar biologisch, in Rheinhessen und in der Pfalz, und versektet ausschließlich eigene Trauben.
Der Weg einer Flasche beginnt mit der Handlese und der sanften Ganztraubenpressung, bei der nur der feinste Saft verwendet wird. Jede Parzelle vergärt für sich, im Edelstahl oder im Holzfass, damit ihr Charakter erhalten bleibt. Danach folgt der Teil, über den Volker am längsten nachdenkt: die Assemblage. Mehrere Monate verkostet die Familie ihre Grundweine, bevor entschieden ist, was zusammengehört.
Erst dann kommt die zweite Gärung in der Flasche, und danach die lange Ruhe im kühlen Keller. Gerüttelt und degorgiert wird von Hand, die Dosage bleibt zwischen null und sieben Gramm je Liter. „Wenn es um die Qualität unserer Sekte geht, gehen wir keine Kompromisse ein", sagt die Familie, und die Jahre im Keller sind der teuerste Teil dieses Satzes.
Was diese Jahre bewirken, schmeckt man später im Glas, denn während der Sekt auf der Hefe liegt, zersetzen sich die Hefezellen langsam und geben ihre Aromen an den Wein ab. Aus diesem Vorgang stammen die Noten von Brioche, Nussbutter und gerösteten Mandeln, welche einen gereiften Sekt ausmachen. Je länger die Zeit, desto feiner bindet sich außerdem die Kohlensäure, und desto ausdauernder perlt das Glas später.
Die biologische Bewirtschaftung ist dabei kein nachträglich erworbenes Etikett, sondern die Grundlage. Die Ertragsreduzierung beginnt schon im Januar mit dem Rebschnitt und setzt sich im Sommer mit der Grünlese fort. Wenige, dafür reife Trauben ergeben Grundweine mit Substanz, und nur solche Grundweine überstehen sieben oder zehn Jahre Hefelager, ohne müde zu werden.
Erstes reines Sektgut im VDP
Am 1. Januar 2020 wurde Raumland in den Verband Deutscher Prädikatsweingüter aufgenommen, als erstes Haus überhaupt, das nichts als Sekt macht.
Der Vinum Weinguide kürte 2025 den Blanc de Blancs Réserve Extra Brut 2015 zum Sekt des Jahres. Beim VINUM Deutschen Sektaward desselben Jahres belegte Raumland bei den Burgundersekten mit über 60 Monaten Hefelager die Plätze eins bis drei, also das ganze Treppchen. Gault&Millau führt das Haus in der Hall of Fame und gibt ihm fünf von fünf Trauben.
Robert Parker vergab in den Jahrgängen 2024 und 2025 gleich dreimal 98 und dreimal 97 Punkte. In Blindproben haben sich Raumland-Sekte wiederholt gegen namhafte Champagner behauptet. Alle Achtung.
Auszeichnungen ehren den Erzeuger und nicht den Händler, deshalb bleibt es bei der nüchternen Aufzählung. Bemerkenswert ist an ihr vor allem die Dauer: Es sind nicht ein guter Jahrgang und ein glücklicher Wettbewerb, sondern eine Reihe, welche sich über Jahrzehnte zieht. Der Sender SWR hat Volker 2015 sogar eine eigene Dokumentation gewidmet, unter dem Titel „Der Perlkönig".
Womit du am besten anfängst
Wer das Haus kennenlernen möchte, beginnt sinnvollerweise nicht oben, sondern in der Mitte, wo Preis und Reife noch im Gleichgewicht stehen.
Die Riesling Brut zeigt, was die deutsche Sorte im Sekt kann, straff und zitrisch. Die Cuvée Marie-Luise ist der klassische Einstieg für alle, welche es cremig mögen, und der Ancestrale Fleur deckt die süße Seite ab, für Dessert und Käse. Für den unkomplizierten Sommerabend reicht ein Secco Frizzante.
Zum großen Essen oder zum Fest lohnt der Griff zu einem Réserve oder zum Triumvirat, denn diese Sekte begleiten einen ganzen Menügang und wirken neben Fisch und hellem Fleisch nicht wie ein Aperitif, der sich verlaufen hat. Was davon gerade vorrätig ist, siehst du unten im Raster. Wenn du danach weiterprobieren möchtest, findest du bei uns auch die Sekte vom Sekthaus Griesel und viele weitere Sekte aus Flaschengärung.