Ein kühler Jahrgang mit viel Säure
Der Riesling Sekt Brut 2021 ist ein trockener Jahrgangssekt aus reinem Riesling, gewachsen in einem kühlen und nassen Jahr. Kein üppiger Sekt, sondern einer, welcher seine Frische aus einer Säure bezieht, die wärmere Jahrgänge gar nicht erst aufbauen.
Riesling Sekt Brut 2021 ist der Traditionssekt des Sekthauses Raumland aus Flörsheim-Dalsheim, gekeltert aus 100 Prozent Riesling in traditioneller Flaschengärung. Das Jahr 2021 forderte den Winzern alles ab und brachte dafür Trauben mit genau der Säure mit, welche ein Sekt sich wünschen würde. 9 Gramm je Liter blieben am Ende stehen.
Pomelo, Aprikose und weiße Blüten
In der Nase stehen weiße Blüten und gelbe Früchte, saftiger Weinbergpfirsich und grüner Apfel, begleitet von einer klaren Limettennote im Hintergrund.
Am Gaumen kommen Zitrusnoten von Pomelo und Aprikose dazu, getragen von einer feinen Mineralität und der lebendigen Säure dieses Jahrgangs. 4 Gramm Restzucker reichen gerade aus, um die Säure zu bändigen, ohne sie hinter Süße zu verstecken. Knackig, salzig, aufrecht steht er im Glas und hallt länger nach, als der Preis vermuten lässt.
Die Säure ist bei einem Rieslingsekt die eigentliche Währung, denn sie hält die zweite Gärung im Zaum und trägt den Sekt über Jahre. Ein kühles Jahr wie 2021 liefert davon reichlich, was den Winzern im Herbst wenig Freude gemacht haben dürfte und dem Sekt umso mehr.
Zu Tempura, Sushi und Ziegenkäse
Diese Säure verlangt nach Fett und Frittiertem, weil sie beides zerschneidet und den Gaumen zwischen zwei Bissen wieder freiräumt.
Tempura von Garnelen kommt ihm entgegen, ebenso Sushi, gebackener Ziegenkäse oder ein Blattsalat mit gerösteten Kernen. Auch eine Quiche verträgt sich mit ihm, deren Butterteig er ohne große Mühe wegräumt.
Bei 6 bis 8 Grad und im Weißweinglas zeigt er sein ganzes Spektrum, in der Flöte bleibt die Mineralität auf der Strecke. Zum Aperitif braucht er keine Begleitung, doch er hält ebenso ein ganzes Essen durch.
Handlese im September, Tirage im April
Die Rieslingtrauben wachsen auf kalkhaltigem Unterboden mit Lehm und kiesigen Auflagen und wurden im September 2021 von Hand gelesen.
Der Herbst zog sich in jenem Jahr hin, die Trauben brauchten Zeit und kamen entsprechend schlank in den Keller. Aus solchen Grundweinen entsteht Sekt am besten, weil ihnen die Schwere fehlt, welche einem Schaumwein später nur im Weg stünde. Tradition heißt bei Raumland dabei kein niedrigeres Niveau, sondern lediglich das kürzeste Hefelager im Haus.
92 Prozent der Grundweine reiften im Stahl, 8 Prozent im Holzfass, was dem Sekt eine schmale Schicht Würze mitgibt, ohne die Frucht zuzudecken. Die Tiragefüllung erfolgte im April 2022, degorgiert wurde im September 2025, also nach deutlich mehr als den geforderten 36 Monaten auf der Hefe.
Beim Meininger Sektpreis standen am Ende 90 Punkte, beim Vinum Sektaward 91. Katharina Raumland hat Önologie studiert und arbeitet seit 2019 im Betrieb mit, welchen ihr Vater Volker 1984 gegründet hat. Zwei Jahrgänge, zwei Temperamente.
Der wärmere Jahrgang 2018 steht direkt daneben, ebenso weitere Winzersekte und das gesamte Sortiment aus Flörsheim-Dalsheim.