Ein Sekt für den Dienstagabend genauso wie für Silvester
Der Raumland Cuvée Marie-Luise Brut 2019 ist ein Blanc de Noirs aus reinem Spätburgunder, gereift ausschließlich im Edelstahl. Ohne Holz im Rücken zeigt dieser Jahrgang die Frucht deutlich geradliniger als der Vorgänger aus 2018.
Cuvée Marie-Luise Brut 2019 ist der Jahrgangssekt des Sekthauses Raumland in Flörsheim-Dalsheim, benannt nach der älteren Tochter des Hauses. Weil die Landwirtschaftskammer den Zusatz Blanc de Noir damals nicht durchgehen ließ, half sich Volker Raumland 1991 mit dem Vornamen des neugeborenen Kindes. Für die Namensgeberin ist Sekt bis heute kein Getränk für seltene Gelegenheiten. Der Sekt gehört zur Linie Tradition und damit zum Alltagssortiment des Hauses.
Klare Birne und Hefezopf mit Nüssen
Der 2019er duftet nach Birne und würzigem Aprikosenchutney, dahinter liegen kleine rote Beeren und ein frisch gebackener Hefezopf mit Nüssen.
Am Gaumen bleibt er füllig und kraftvoll, doch der Stahlausbau nimmt ihm jede Schwere und stellt die Frucht nach vorn. 7,3 Gramm Säure je Liter und 4 Gramm Dosage halten sich dabei ziemlich genau die Waage. Saftig, klar und lebendig steht er im Glas, mit feiner Perlage und einem Nachhall aus Nuss und Birne.
36 Monate auf der Hefe sind im Haus das Mindestmaß, und man schmeckt heraus, dass hier niemand die Flaschen früher aus dem Keller holt. Die Frucht wirkt dadurch weniger reif als im 2018er, dafür aber genauer gezeichnet und heller im Ton.
Zu Vitello tonnato, Garnelen und Lauchquiche
Ein Brut mit dieser Klarheit braucht weder einen großen Anlass noch einen aufwendigen Teller, um zu überzeugen. Für die Namensgeberin gehört er zum Feierabend genauso wie zu jenem Abend, an dem das Jahr endet.
Vitello tonnato kommt ihm entgegen, ebenso gebratene Garnelen und eine Quiche mit Lauch, frisch aus dem Ofen. Wer ihn ausschenkt, kühlt ihn auf 7 bis 9 Grad herunter und greift zum Weißweinglas, weil die schmale Flöte den Nussteil zu klein hält.
Muschelkalk unter dreißigjährigen Reben
Der Spätburgunder wächst auf dem Dalsheimer Bürgel, wo Terra Fusca über Muschelkalk liegt und den Reben Wasser und Kühle zugleich mitgibt. Die Stöcke sind rund 30 Jahre alt und tragen weniger, dafür aber merklich konzentrierter. Genau daraus zieht der Sekt jene Struktur, welche ihn über drei Jahre Hefelager hinweg aufrecht hält.
Gelesen wird von Hand, gepresst wird die ganze Traube, die Grundweine bleiben unfiltriert und reifen vollständig im Edelstahl. Nach dem biologischen Säureabbau ging der Wein im Mai 2020 zur Tirage in die Flasche, degorgiert wurde von Hand im Februar 2024. Auf dem Etikett stehen am Ende 12 Prozent Alkohol.
Marie-Luise Raumland brachte ein Studium der Betriebswirtschaft mit in den Betrieb, die Schwester Katharina die Önologie, und seit Dezember 2025 führen beide das Haus. Gegründet hat es Volker Raumland 1984, heute stehen 14 Hektar biologisch bewirtschaftete Reben dahinter. Alle Achtung. Bei uns findest du weitere Sekte aus Flörsheim-Dalsheim, den Vorjahrgang aus 2018 und andere Sekte aus traditioneller Flaschengärung.