Hoos London Gin aus Karlsruhe von Heiko Hoos gebrannt
Hoos London Gin ist die Marke von Heiko Hoos aus Karlsruhe, der seit 2014 Gin, Vermut und Liköre in kleinen Mengen selbst herstellt. Je Brennvorgang verlassen höchstens 120 Flaschen sein Haus, jede von Hand nummeriert. Ein Ein-Mann-Betrieb ohne Investor, ohne Konzern, ohne Werbebudget.
Hoos London Gin steht für handgebrannte Spirituosen aus der Karlsruher Südstadt, entstanden aus der Idee eines Einzelnen, der seinen eigenen Gin wollte. Heiko Hoos brennt seinen London Dry Gin mit fünfzehn Botanicals in der Kupferblase, füllt ihn ungefiltert ab und nummeriert jede Flasche mit der Hand. Rezeptur, Flaschenform und das geschwungene H auf dem Etikett stammen alle von ihm. Was der Betrieb gerade anbietet, siehst du unten im Raster.
2014 fing Heiko in Karlsruhe an
Angefangen hat alles 2014 mit einem Mann, der einen Gin nach seinem Geschmack wollte und ihn nirgends fand. Heiko Hoos tüftelte lange an der Rezeptur, bis das Verhältnis von Wacholder, Kräutern und Zitrusschalen für ihn stimmte. Dass daraus einmal eine Marke werden würde, die in Paris ausgezeichnet wird, stand damals nicht auf dem Zettel.
Zur Rezeptur kam schnell der Wunsch nach einer eigenen Flasche, und weil er sich das zutraute, entwarf Heiko sie kurzerhand selbst. Das geschwungene H stammt ebenfalls aus seiner Hand, ebenso die dunkle Flaschenfarbe, die den Inhalt vor Licht schützt. „Aufwand und Liebe fließen ins Produkt, nicht in Marketing und Design“, sagt er über seine Arbeit, und die schlichte Flasche gibt ihm recht.
Der Name der Marke sagt schon, worum es geht, denn Hoos ist schlicht der Nachname des Brenners, und London Gin steht für die Machart, nicht für den Ort. Gebrannt wird in Karlsruhe, und der Betrieb sitzt bis heute in der Werderstraße in der Südstadt.
Bis heute ist Hoos ein Ein-Mann-Betrieb geblieben, ohne Investor im Rücken und ohne Spirituosenkonzern, der mitredet. Das hat Folgen für die Menge, denn wer alles selbst brennt, füllt und nummeriert, kommt nicht auf Palettenware. Genau das ist der Punkt, an dem sich die Marke von den vielen Gins unterscheidet, die in fremden Brennereien für fremde Etiketten entstehen.
Vom Waldspaziergang bis zum Lagerfeuer
Das Herz des Hauses ist der London Gin, ein trockener London Dry Gin mit 44,4 Prozent Alkohol, unfiltriert und ohne Zuckerzusatz. Fünfzehn Botanicals stecken darin, von Wacholder und Kiefernsprossen über Kamille und Lavendel bis zu Zitronen- und Orangenschale. Wer klein anfangen will, findet ihn auch als 200-ml-Flasche.
Daneben steht der Pink Grapefruit, für den Grapefruitschale im fertigen Gin mazeriert und frischer Saft dazukommt. Mit 30,5 Prozent Alkohol ist er ein Gin-Likör, bleibt aber herb genug für einen Aperitif und gibt es ebenfalls in der kleinen Flasche. Beide teilen sich dieselbe Handschrift, nur zeigt der eine sie im Wald und der andere im Zitrusgarten.
Über die beiden hinaus reift der Reserve Gin vier Wochen im Eichenfass und bekommt dadurch eine ruhige Holznote, während der Lapsang Gin sich über chinesischen Lapsang-Souchong-Tee ein Aroma von Lagerfeuer dazuholt. Dazu kommen wechselnde Sonderabfüllungen wie der Teufelsgeist und der Repeater, die als nummerierte Batches erscheinen.
Neben den Gins füllt Heiko drei Vermut ab, weiß, rot und rosé, den roten auf einer Cuvée aus Merlot, Spätburgunder und Dunkelfelder mit pontischem Wermut, Zimtblüte und Verbene. Zwei Liköre runden das Bild ab, ein Kaffeelikör und der Sal Miakki. Was davon gerade bei uns steht, zeigt das Raster unter diesem Text.
Alle Flaschen teilen dieselbe Form und dieselbe dunkle Farbe, was im Regal ein ruhiges Bild ergibt und im Glas den Inhalt schützt. Neben den 500-ml- und 200-ml-Größen gibt es die meisten Sorten auch als 100-ml-Probe, was das Durchprobieren erleichtert. Beim Vermut sind es 750 Milliliter, wie es sich für einen Wermut auf Weinbasis gehört.
Zwei Tage Mazeration und viel Geduld
Der Weg einer Charge beginnt damit, dass die Botanicals zwei Tage lang in Neutralalkohol ziehen und ihre Öle abgeben. Erst danach kommt alles in die Kupferbrennblase, wo bei niedriger Temperatur destilliert wird. Je sanfter die Hitze, desto mehr Blüte und Zeste überstehen den Weg ins Destillat – das ist der Grund für die vielen feinen Töne im fertigen Gin.
Danach passiert erst einmal nichts, denn der frisch gebrannte Gin ruht einige Wochen, bevor er weitergeht. Zum Schluss bringt weiches Quellwasser aus dem Pfälzer Wald ihn auf Trinkstärke, und weil weder Zucker noch Filter im Spiel sind, bleibt alles drin, was aus der Blase gekommen ist. Ruhe ist bei Hoos kein Marketingwort, sondern ein Arbeitsschritt.
Auch der Pink Grapefruit folgt dieser Logik, nur mit einem zweiten Durchgang. Schale der Grapefruit und Zitronenmelisse ziehen im fertigen Gin, danach kommt frisch gepresster Saft dazu, und weil frische Frucht immer etwas Trübung mitbringt, wird zum Schluss fein filtriert. Beim trockenen London Gin dagegen bleibt der Filter außen vor, weil dort keine frische Frucht ins Spiel kommt.
Auf dem Etikett steht am Ende eine Nummer, denn jede der höchstens 120 Flaschen je Brennvorgang bekommt sie von Hand geschrieben. Das ist keine Deko, sondern die logische Folge einer Menge, die ein Einzelner an einem Tag schafft. Bei dieser Größenordnung kennt der Brenner jede Charge noch persönlich.
Silber beim ISW und ein Preis aus Paris
Beim Internationalen Spirituosen-Wettbewerb bekam der Hoos London Gin 2015 eine Silbermedaille. Schon davor war er in Paris aufgefallen, wo ihm die Cocktail Spirits 2014/15 den Best Innovation Award zusprachen. Für einen Betrieb, der zu diesem Zeitpunkt kaum ein Jahr alt war und aus genau einer Person bestand, ist das bemerkenswert.
Beide Auszeichnungen gehören Heiko, nicht uns – wir geben sie nur weiter, weil sie einordnen, was in der Flasche steckt. Wer Gin über den Preis vergleicht, wird bei Hoos ohnehin überrascht, denn das Karlsruher Handwerk kostet weniger als manche Marke, die in fremden Brennereien entsteht.
Dass ausgerechnet die Kategorie Innovation ausgezeichnet wurde, passt zur Arbeitsweise, denn Heiko probiert immer weiter. Der Reserve mit seiner Fassreifung und der Lapsang mit seiner Rauchnote sind aus solchen Versuchen entstanden, und die nummerierten Sonderbatches führen den Gedanken fort, sodass Stillstand hier nicht zum Programm gehört.
Der Einstieg ins Karlsruher Sortiment
Für den ersten Kontakt ist der klassische London Gin der naheliegende Weg, weil er die Handschrift des Hauses am deutlichsten zeigt. Ein trockenes Tonic dazu, viel Eis, eine Scheibe Orange – mehr braucht dieser Gin Tonic nicht. Pur auf einem großen Eiswürfel funktioniert er ebenso, dann treten die Kiefernsprossen noch stärker hervor.
Steht ein Sommerabend an, ist der Pink Grapefruit die hellere Wahl, eiskalt pur oder mit einer herben Limonade aufgefüllt. Zu Oliven, gesalzenen Mandeln und Käsegebäck kommt seine Bitterkeit besonders gut zur Geltung. Als Mitbringsel taugen die beiden 200-ml-Flaschen, die zusammen ein kleines Duo ergeben.
Wer sich weiter durch deutsche Brennkunst probieren will, findet im Gin-Sortiment die Nachbarschaft, etwa Ferdinand's Spirits von der Saar. Für die blaue Stunde lohnt der Blick ins Aperitif-Regal. Und wenn du dich nicht entscheiden kannst, fang mit der kleinen Flasche an. Alle Achtung, was ein Einzelner da auf die Beine gestellt hat.