Im Holzfass vergorener Morillon Gamlitz vom Weingut Sattlerhof
Morillon Gamlitz von Weingut Sattlerhof ist ein Chardonnay, welcher im großen Holzfass vergärt und dort acht Monate auf der Feinhefe liegt. Der Jahrgang 2024 zeigt rote Apfelfrucht, Haselnuss und eine herbale Griffigkeit, wie man sie bei einem Weißwein selten findet.
Morillon Gamlitz ist der Chardonnay der Familie Sattler aus den Weingärten in und um Gamlitz, und Morillon steht auf dem Etikett, weil die Steiermark diesen alten Namen der Rebsorte nie abgelegt hat. Vollreife Trauben kommen dafür zusammen, selektiv von Hand gelesen und in kleinen Kisten in den Keller gebracht.
Rote Apfelfrucht, Haselnuss und geriebene Zitronenschale
Der Duft trägt herzhaft saftige rote Apfelfrucht, dazu Haselnuss und frisch geriebene Zitronenschale. Das Weingut selbst beschreibt diesen Wein als saftig und enorm lebendig, und dem ist wenig hinzuzufügen.
Im Mund fallen zuerst die herbalen, animierenden Gerbstoffe auf, welche einem Weißwein sonst kaum zugestanden werden. Dazu kommt etwas Orangenfrucht, und der Morillon zieht lang und hell nach hinten hinaus. Wer Chardonnay nur als weiche, buttrige Sorte kennt, findet hier die deutlich kantigere steirische Lesart.
Trocken ist er, aber keineswegs schmal, denn das Holz hat ihm Breite gegeben, ohne dabei Süße vorzutäuschen. Seine Bestform behält der 2024er bis 2030, dieser Wein hat also Zeit im Rücken, und du hast sie ebenso.
Ente, Pasteten und zarte Schmorgerichte
Eine geschmorte Kalbsschulter ist hier das erste Gegenüber, gebratene Ente das zweite und eine grobe Pastete das dritte. Alle drei bringen genug Fett mit, damit die Gerbstoffe im Wein etwas zu greifen bekommen und nicht ins Leere laufen.
In der Hofküche des Weinguts steht Markus Sattler am Herd, und dort finden solche Gerichte und solche Flaschen seit langem zusammen. Ein Wein mit dieser Struktur verlangt keinen Anlass, aber er verträgt einen. Kühl eingeschenkt wirkt er straffer, bei etwas mehr Temperatur breiter, und beide Wege führen ans Ziel.
Wie weit die Rebsorte im Haus reicht, zeigt der Morillon Pfarrweingarten, welcher aus einer Monopollage auf Korallenkalk stammt und 18 Monate im kleinen Holzfass reift.
Vergärung und Reife im großen Holzfass
Vergoren wird dieser Morillon im großen Holzfass, und dort bleibt er anschließend acht Monate auf der Feinhefe liegen. Große Fässer geben wenig Holzaroma ab, weil das Verhältnis von Fassoberfläche zu Weinmenge ein anderes ist als im Barrique. Der Unterschied zum Stahltank ist deutlich, denn dort bliebe die Frucht klarer, der Wein aber schmaler.
Was der Wein stattdessen bekommt, ist ein langsamer Sauerstoffzutritt durch die Dauben, und genau daher rührt seine Griffigkeit. Die Feinhefe arbeitet währenddessen still weiter und legt dem Chardonnay jene cremige Unterlage unter die Frucht, welche ihn zusammenhält.
Die Trauben dafür wachsen in Steillagen von 350 bis 450 Metern Seehöhe, in 15 bis 35 Jahre alten Rebanlagen der Familie. Seit dem Jahrgang 2021 ist das Haus biodynamisch zertifiziert, und dieser Jahrgang gehört selbstverständlich dazu. Das Haus mit allen seinen Stufen steht beim Weingut Sattlerhof; wer vergleichen mag, schaut zu den Weißweinen und den Weinen aus Österreich.
Morillon Gamlitz – ein Wein und seine Werte
- Herkunft Wein aus Österreich
- Anbaugebiet Südsteiermark DAC
- Qualitätsstufe Ortswein Gamlitz
- Rebsorte Morillon, Chardonnay
- 13 % vol. Alkohol
- 5,5 g/l Säure
- 1,1 g/l Restzucker
- Ausbau im großen Holzfass, acht Monate auf der Feinhefe
- Bestform bis 2030
- enthält Sulfite
- vegan
- biodynamisch zertifiziert nach Lacon
Bio-Kontrollstelle AT-BIO-402 – Österreichische Landwirtschaft