Weingut Rings macht Bio-Wein in Freinsheim in der Pfalz
Weingut Rings ist ein VDP-Weingut in Freinsheim an der Mittelhaardt, geführt von den Brüdern Steffen und Andreas Rings. Auf 44 Hektar rund um Freinsheim, Kallstadt, Ungstein und Leistadt wachsen vor allem Riesling und Spätburgunder, seit 2016 zertifiziert ökologisch. Im Keller wird spontan vergoren und so wenig wie möglich eingegriffen.
Weingut Rings ist ein Familienweingut in Freinsheim in der Pfalz, das seit 2015 dem Verband Deutscher Prädikatsweingüter angehört und seit 2016 zertifiziert ökologisch arbeitet, Öko-Kontrollnummer DE-ÖKO-022. Steffen und Andreas Rings bewirtschaften 44 Hektar in vier Gemarkungen der Mittelhaardt. Über der Arbeit steht ein Satz, den das Haus selbst als Leitmotiv führt: Evolution statt Tradition.
Aus Obst und Fasswein wurde ein VDP-Weingut
Die Eltern führten in Freinsheim einen gemischten landwirtschaftlichen Betrieb mit Obst und Fasswein, also einen Hof, der Wein in Mengen an Kellereien verkaufte statt in eigene Flaschen zu füllen.
Steffen Rings drehte diesen Betrieb Anfang der 2000er Jahre konsequent auf Qualitätswein um. Dazu gehörte auch, den Weinbergsbesitz von Grund auf neu zu ordnen, und das ging nicht ohne schmerzhafte Verluste ab. „Mit aller Konsequenz: Weinberge wurden verkauft, getauscht und wann immer möglich in besten Lagen gekauft", beschreibt Steffen diese Jahre.
Bereits Mitte der 1990er Jahre waren die ersten Cabernet Sauvignon und Merlot gepflanzt worden, in einer Zeit, in der das in der Pfalz noch als Spinnerei galt.
Sein Bruder Andreas, im Haus Andi genannt, lernte beim rheinhessischen Weingut Wagner-Stempel und kam 2007 zurück nach Freinsheim. Seit 2008 führen die beiden das Weingut gemeinsam, ihre Schwester Simone verantwortet Kommunikation und Verkauf. 2018 kam ein Neubau dazu, der zu rund 70 Prozent unter der Erde liegt und dem Keller damit ohne Klimatechnik gleichbleibende Temperaturen gibt.
Riesling und Spätburgunder auf Kalk, Sand und Lehm
Rund ein Viertel der Rebfläche steht im Riesling, ein weiteres Viertel im Spätburgunder, dazu kommen jeweils rund zehn Prozent Weißburgunder und Cabernet Sauvignon.
Die Böden wechseln über die vier Gemarkungen deutlich: Löss und Lehm, sandiger Kies, Roterde, Kalkfels und Kalkmergel. Kallstadt liefert die kühlen, kalkgeprägten Lagen, Freinsheim die wärmeren Sand- und Kiesböden, Ungstein den Buntsandstein im Untergrund. Genau diese Spannweite macht das Sortiment aus, denn derselbe Winzer kann hier einen schlanken, salzigen Riesling und einen dichten Cabernet-Verschnitt füllen, ohne den Ort zu wechseln.
Vier VDP.Große Lagen gehören zum Betrieb: der Kallstadter Saumagen und der Annaberg, der Ungsteiner Weilberg und der Leistadter Felsenberg. Als VDP.Erste Lagen kommen der Kallstadter Steinacker, der Ungsteiner Nußriegel und der Leistadter Kalkofen dazu. Der Steinacker ist mit 151 Hektar die größte davon und urkundlich seit 1270 belegt, also älter als der berühmtere Saumagen.
Vom Gutswein bis zum Großen Gewächs
Das Sortiment folgt der VDP-Pyramide, und zwar von unten nach oben mit derselben Handarbeit, denn die selektive Handlese gilt auch für die einfachste Stufe.
Diese Pyramide hat vier Stufen, und jede von ihnen ist an klare Regeln gebunden: Der Gutswein zeigt die Handschrift der Rebsorte, der Ortswein die des Weinorts, die Erste Lage und das Große Gewächs die eines einzelnen Weinbergs. Je weiter oben ein Wein steht, desto enger wird seine Herkunft gefasst und desto niedriger fällt der erlaubte Ertrag aus.
Bei den Gutsweinen stehen der Grauburgunder, der Sauvignon Blanc, der duftige Muskateller und der Fleur de Rosé. Eine Stufe darüber liegen die Ortsweine aus Kallstadt, darunter der Kallstadt Riesling. Die Erste Lage vertreten der Steinacker und der Nußriegel, an der Spitze stehen die Großen Gewächse aus dem Saumagen.
Daneben laufen die Weine, die sich in keine Stufe pressen lassen. Die weiße Burgundercuvée Kalk & Stein holt Chardonnay vom Kalk und Weißburgunder vom Sandstein zusammen und wird ungeschönt und unfiltriert gefüllt.
Der Portugieser Sand & Kiesel stammt von 40 bis 60 Jahre alten Reben, die eine Zeit lang brachlagen und wiederentdeckt wurden, und reift je nach Jahrgang im Holzfass oder im Beton-Ei. Die Rotweincuvées Das Kreuz und Das kleine Kreuz kommen aus der heißesten Freinsheimer Lage, dem Schwarzen Kreuz.
Der Syrah wird nicht in jedem Jahr überhaupt gefüllt, weil die Rhône-Sorte auch im warmen Freinsheim nicht jedes Jahr die Reife erreicht, die dieser Wein braucht. Als Sekterzeuger gehört das Haus zu VDP.SEKT.PRESTIGE, der Calcaire Blanc de Noirs liegt 36 Monate auf der Hefe. Was gerade vorrätig ist, siehst du unten im Raster.
Buchweizen zwischen den Reben, Spontangärung im Keller
Der ökologische Weinbau beginnt bei Rings unten im Boden, also lange bevor überhaupt eine Traube am Stock hängt.
Zwischen den Rebzeilen werden Buchweizen, Klee und Rettich eingesät, was die Erosion bremst, Nützlinge anlockt und Feuchtigkeit im Boden hält, und als Dünger kommt Pferdemist auf die Flächen. In der Laubwand werden Doppeltriebe von Hand entfernt, je nach Witterung wird entblättert und ausgegeizt, damit Luft an die Trauben kommt. Die Erträge liegen niedrig, im Saumagen bei nur 2.200 Litern je Hektar.
Im Keller wird spontan vergoren, also mit den Hefen, die aus dem Weinberg mitkommen, statt mit gekaufter Reinzuchthefe. „So tritt der individuelle Charakter jedes Weins zu Tage und die Weine gewinnen an Feinheit und Tiefe", sagt Andi über dieses Verfahren. Viele Weine bleiben lange auf der Vollhefe, werden weder geschönt noch filtriert und kommen mit minimalem Schwefel in die Flasche. Neben dem EU-Bio-Siegel trägt der Betrieb die Nachhaltigkeitszertifizierung Fair'n Green.
Fünf Sterne bei Eichelmann, vier Trauben im Gault Millau
Der Weinführer Eichelmann führt Weingut Rings mit fünf Sternen und damit unter den wenigen Spitzenbetrieben der gesamten Pfalz.
Der Vinum Weinguide vergibt 4,5 Sterne, die deutsche Falstaff-Ausgabe vier Sterne, der Gault Millau vier Trauben. Schon 2017 standen dort vier Trauben und bei Eichelmann vier Sterne, seither ging es aufwärts. Die Aufnahme in den VDP im Jahr 2015 ist dabei die Auszeichnung, die am meisten wiegt, weil sie nicht einen Jahrgang bewertet, sondern den Betrieb.
Bemerkenswert ist weniger die Höhe der Noten als das Tempo. Zwischen dem Fassweinbetrieb der Eltern und dem Fünf-Sterne-Eintrag liegen keine zwei Generationen, sondern gut zwanzig Jahre und zwei Brüder.
Das erklärt auch, warum die Weinguides den Betrieb gern in einem Atemzug mit den alten Namen der Mittelhaardt nennen. Wer erst 2015 in den VDP aufgenommen wird und wenige Jahre später bei den Spitzenbewertungen steht, hat den Weg nicht geerbt, sondern zurückgelegt.
Welche Flasche für welchen Abend
Wer das Haus kennenlernen möchte, fängt bei den Weinen an, die seine Handschrift am deutlichsten zeigen, und das sind nicht zwingend die teuersten.
Der Kallstadt Riesling ist der kürzeste Weg zum Rings-Stil, weil er kühl, schlank und mineralisch genau das zeigt, wofür die Brüder geschätzt werden. Wer lieber rot trinkt, nimmt den Pfalz Spätburgunder als Einstieg in die zweite große Sorte des Hauses. Für einen langen Abend zu zweit gibt es die Kalk & Stein Vertikale mit drei Jahrgängen nebeneinander. Und wer verschenken will, greift zu den Großen Gewächsen aus dem Saumagen, die Reifepotenzial für ein Jahrzehnt mitbringen.
Die Vinothek in Freinsheim ist montags bis freitags von 13 bis 17 Uhr geöffnet, samstags von 10 bis 17 Uhr. Wer nicht in die Pfalz fährt, findet weitere deutsche Betriebe dieser Machart bei Sekthaus Raumland in Rheinhessen. Und wer sich einfach durch die Stufen probieren will, beginnt unten und arbeitet sich nach oben.