van Nahmen, seit 1917 Obst vom Niederrhein im Glas
Die Obstkelterei van Nahmen ist ein Familienbetrieb aus Hamminkeln am Niederrhein, gegründet 1917 und heute in vierter Generation geführt. Sortenreine Direktsäfte, samtige Nektare, prickelnde Frucht-Seccos und Sparkling Juicy Teas – alkoholfreie Getränke, welche in der Spitzengastronomie glasweise zum Menü ausgeschenkt werden.
van Nahmen keltert Obst, das anderswo längst niemand mehr anrührt: Sorten wie Jakob Lebel, Rote Sternrenette oder Morellenfeuer, gewachsen auf hochstämmigen Streuobstwiesen des Rheinlands und Münsterlands. Was 1917 als rheinische Apfelkrautfabrik begann, ist heute die Adresse für sortenreine Säfte in Deutschland – und ein Familienbetrieb, welcher Frucht so ernst nimmt wie ein Winzer seine Rebe.
Vom Apfelkraut zum Saft, in vier Generationen
Die Geschichte beginnt mitten im Ersten Weltkrieg, als das Essen knapp war.
1917 gründete Wilhelm van Nahmen in Hamminkeln eine Fabrik für rheinisches Apfelkraut. 1930 fiel die Entscheidung, welche alles änderte: Die Familie stieg in die Apfelsaftproduktion ein, damals ein junges Handwerk. Der Großvater tauschte mit den Bauern der Umgebung – sie brachten ihm Äpfel von den hochstämmigen Bäumen, welche für die Region typisch waren, und bekamen dafür puren Saft zurück.
Heute führt Peter van Nahmen den Betrieb in vierter Generation, seit 2005 als Geschäftsführer. Der promovierte Betriebswirt hätte vieles machen können; er entschied sich für die Kelterei seiner Familie – und dafür, ihr eine eigene Handschrift zu geben.
Wilhelms Idee von damals trägt bis heute: Wer mit den Bauern der Region zusammenarbeitet, bekommt Obst, das man anderswo nicht kaufen kann. Aus dem Tauschgeschäft von einst ist ein Netzwerk aus Vertragsbauern geworden, welche ihre alten Bestände pflegen, weil van Nahmen ihre Ernte abnimmt.
Vier Wege, Frucht ins Glas zu bringen
Das Sortiment gliedert sich nach dem, was die Frucht selbst zulässt.
Die van Nahmen Säfte sind sortenreine Direktsäfte – Bio-Apfelsaft von Streuobstwiesen, Morellenfeuer Kirschsaft, Stromberger Pflaume und Granatapfel. Wo eine Frucht pur zu herb oder zu dicht wäre, entstehen die Nektare: Rhabarber, weißer Pfirsich, Aprikose und die Konstantinopeler Apfelquitte, samtig und mit hohen Fruchtanteilen.
Prickelnd wird es bei den Frucht-Seccos – alkoholfreie Aperitifs aus Direktsaft und feiner Perlage, in den Sorten Apfel-Quitte, Apfel Johannisbeere Himbeere und Traube. Und die jüngste Idee sind die Sparkling Juicy Teas, in denen kalt gebrühter Bio-Tee und sortenreiner Saft zur Cuvée werden.
Vierzehn Getränke, vier Handschriften, eine Haltung: Die Frucht gibt den Ton an.
Seit 1994 ein Aufpreis für alte Bäume
Streuobstwiesen verschwinden, weil sie sich lange nicht mehr rechneten.
Ein hochstämmiger Baum trägt weniger als eine moderne Plantage, muss geklettert statt abgeerntet werden und braucht Jahrzehnte, bis er trägt. Zwischen den Bäumen aber leben über 5.000 Tier- und Pflanzenarten – Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas.
Deshalb schloss die Kelterei 1994 gemeinsam mit dem NABU ein Aufpreis-Abkommen: Die Vertragsbauern bekommen mehr Geld für ihr Streuobst, damit sich die Pflege der alten Bestände wieder lohnt. 2024 feierte die Partnerschaft ihr 30-jähriges Bestehen. Zweimal im Jahr werden gemeinsam 500 bis 800 junge Obstbäume gepflanzt.
Die Rechnung dahinter ist einfach und trotzdem selten: Je fairer der Preis für die Ernte, desto eher bleibt ein alter Baum stehen – und je mehr alte Bäume stehen bleiben, desto mehr Sorten überleben. Manche der Bäume, deren Früchte hier in die Presse kommen, sind 60, 70 oder 80 Jahre alt. Sie tragen Namen wie Roter Bellefleur oder Rheinischer Winterrambour – und sie schmecken nach genau dem, was in ihnen steckt: nach Zeit.
So schmeckt jede Flasche ein Stück Landschaft, welche es sonst vielleicht nicht mehr gäbe.
Der richtige Tag am Baum entscheidet
Das Handwerk beginnt lange vor der Presse.
Je später die Äpfel geerntet werden, desto mehr Aroma sammeln sie – deshalb wartet die Kelterei ab, auch wenn es Nerven kostet. Je schonender anschließend gepresst wird, desto weniger Gerbstoffe geraten in den Saft und desto klarer zeigt sich die Frucht. Beim Rhabarber zählt der Schnitt vor Johanni, beim weißen Pfirsich die Handlese in mehreren Durchgängen, beim Darjeeling die Stunden im kalten Wasser.
Was danach in die Flasche kommt, bleibt, wie es aus der Presse floss: naturtrüb, sortenrein, ohne Umwege. Bei den Nektaren kommen Wasser und wenig Süße dazu, bei den Seccos die Kohlensäure – mehr Zutaten braucht keines dieser Getränke.
Tradition kann eben nicht ohne Innovation existieren: Dieselbe Familie, welche alte Apfelsorten rettet, hat mit den Sparkling Juicy Teas eine Getränkekategorie erfunden, die es vorher nicht gab.
Auf den Karten der Sterneköche
Dass ein Saft im Sternerestaurant glasweise ausgeschenkt wird, war lange undenkbar.
Heute schenken Häuser wie das von Tim Raue, Joachim Wissler und Hans Stefan Steinheuer die Getränke vom Niederrhein zu ihren Menüs aus. Im Restaurant Vendôme stellte Romana Echensperger, seit 2015 Master of Wine und einst dort Chef-Sommelière, ein eigenes Saftmenü mit van Nahmen zusammen – ein Ritterschlag für eine Kelterei, deren Urgroßvater noch Apfelkraut kochte.
Was die Profis überzeugt, ist genau das, was auch am heimischen Tisch funktioniert: Diese Getränke haben Säure, Struktur und Länge. Sie begleiten ein Gericht, statt es zu übertönen – und sie geben allen am Tisch dasselbe schöne Glas in die Hand, ganz gleich, wer noch fahren muss.
2025 zeichnete die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft das Haus mit dem Bundesehrenpreis für Fruchtgetränke aus – nachzulesen in der Preisträgerliste der DLG. Alle Achtung.
Peter van Nahmens Anspruch ist dabei denkbar einfach: Zu jedem Gericht soll es das passende Glas geben, auch ohne Alkohol. Genau daran arbeitet die Kelterei seit über hundert Jahren.
Wo du anfängst, wenn du van Nahmen noch nicht kennst
Der Einstieg hängt davon ab, was du im Glas suchst.
Für jeden Tag empfehlen wir den Bio Apfelsaft von Streuobstwiesen – Peter van Nahmen nennt ihn seinen Niederrhein-Riesling. Wer es erwachsen und herb mag, greift zum Morellenfeuer Kirschsaft, zu Ente und Wild. Zum Anstoßen kommt der Frucht-Secco Apfel-Quitte ins Glas, und für den Frühling gibt es den Rhabarbernektar.
Alle Getränke stehen in der 750-ml-Flasche, viele auch im Sechserkarton. Serviere sie gut gekühlt bei 8 bis 12 Grad und gern im Stielglas – so entfaltet sich das Aroma am schönsten, und der Saft bekommt den Auftritt, welchen er verdient.
Wir führen van Nahmen, weil hier eine Familie seit vier Generationen Früchte keltert, die sonst niemand mehr kennt – und daraus Getränke macht, welche jeden am Tisch ernst nehmen. Probier dich durch.