Graue Freyheit 2020 als Orange Wine vom Weingut Heinrich
Graue Freyheit 2020 von Gernot Heinrich ist ein maischevergorener Orange Wine aus dem Burgenland, der ungefiltert und ohne Schwefelgabe auf die Flasche kam. Weißwein im gewohnten Sinn ist er damit nicht, eher ein trüber Naturwein von rosiger Farbe, kühler Spannung und griffigem Gerbstoff.
Graue Freyheit 2020 ist der älteste Jahrgang dieses Orange Wine vom Weingut Gernot Heinrich aus Gols im österreichischen Burgenland, in dem Weißburgunder, Grauer Burgunder, Chardonnay und Neuburger zusammenkommen. Die graue Sorte stammt vom Hackelsberg bei Jois, einem Hang, der sich vom Neusiedler See abwendet und auf Quarzschiefer steht. Die übrigen Sorten stehen auf den kalkhaltigen Osthängen des Leithagebirges. Der Jahrgang kommt auf 12,5 Prozent Alkohol und wirkt entsprechend schlank.
Warum dieser Grauburgunder rosig im Glas steht
Grauburgunder trägt eine rötlich überlaufene Beerenhaut, und weil die Schalen hier tagelang im Most liegen bleiben, wandert deren Farbe in den fertigen Wein.
Im Glas steht deshalb kein blasses Weißweingelb, sondern ein kupfriges Rosé, das bei schrägem Licht ins Orange kippt. Wer das Glas blind vorgesetzt bekommt, tippt beim ersten Blick eher auf einen kräftigen Roséwein als auf Grauburgunder. Aus dem Glas steigen rote Beeren auf, unterlegt von der trockenen Würze schwarzen Tees.
Am Gaumen zieht sich Orangenzeste mit feiner Kräuterwürze durch, getragen von einem Gerbstoff, der greift statt zu kratzen. „Finessenreich voll Kühle und Spannung mit animierenden Gerbstoffen“, so beschreibt das Weingut diesen Wein. Nach den Jahren im lichtdichten Ton hat sich die Spannung merklich beruhigt, ohne dass die Frische darunter gelitten hätte.
Lese im Spätsommer und Reife in Amphore und Fass
Gelesen wurde von Hand zwischen Ende August und Anfang September 2020, also früh genug, dass die Trauben ihre Kühle mit in den Keller nahmen.
Danach standen die Beeren 15 Tage auf der Maische und vergoren spontan, allein mit den Hefen aus dem Weingarten. Erst danach trennte eine Korbpresse den Saft so schonend von den Schalen, dass keine Bitterkeit mit hinüberging. Der Weißburgunder stellt in diesem Jahrgang die Mehrheit, während die graue Sorte den kleineren Teil beisteuert.
Danach folgten 17 Monate auf der eigenen Hefe, teils in Amphoren, teils in einem großen gebrauchten Eichenfass. Dessen Holz hat nach vielen Belegungen längst keinen eigenen Ton mehr beizusteuern und dient nur noch als atmende Hülle. Mitte März 2022 ging der Wein unfiltriert und ohne Zugabe von Schwefel in die charakteristische Tonflasche.
Wer sich zu dieser Flasche setzt
Ein gereifter Bergkäse trifft hier auf einen Wein, der ihm mit Gerbstoff und Kühle etwas entgegensetzt, statt unter der Salzigkeit zu verschwinden.
Ein Schweinebraten mit krachender Kruste hält ebenso stand, und geräucherte Forelle findet in der rauchigen Tiefe dieses Jahrgangs ihr Gegenüber. Kühl gehört er ins Glas, keinesfalls eiskalt, weil die Würze sonst hinter der Temperatur zurückbleibt. Ein bauchiges Glas hilft dabei spürbar, weil sich die Kräuterwürze über der größeren Fläche besser aufstellen kann.
Wie derselbe Wein in einem wärmeren Jahr klingt, zeigt die Graue Freyheit 2022, in der die graue Sorte deutlich mehr Raum bekommt. Wenn du bei trüben Flaschen bleiben willst, wartet im Orange Wein das übrige Regal auf dich. Die klaren Gegenstücke aus demselben Haus stehen dagegen im Weißwein, wo der Keller anders arbeitet.
Graue Freyheit – ein Naturwein und seine Werte
- Herkunft Naturwein aus Österreich
- 50% Weißburgunder
- 20% Grauer Burgunder
- 15% Chardonnay
- 15% Neuburger
- 12.5% Vol. Alkohol
- 5.9 g/l Säure
- 1.0 g/l Restzucker
Bio Kontrollstelle AT-BIO-402 – Österreich Landwirtschaft