Cantucci Toscani IGP mit ganzen Mandeln aus Quarrata
Cantucci Toscani IGP sind toskanische Mandelkekse, deren Rezeptur seit 2016 europäisch geschützt ist. Mehl, ganze ungeschälte Mandeln, Zucker, Eier, Butter und Honig bilden den Kern, mindestens ein Fünftel des Teigs sind Mandeln. Fratelli Lunardi bäckt sie in Quarrata bei Pistoia.
Cantucci Toscani IGP sind toskanische Mandelkekse, deren Herkunft und Rezeptur die Europäische Union seit dem 26. Januar 2016 schützt. Fratelli Lunardi bäckt sie in Quarrata, einer Kleinstadt in der Provinz Pistoia, wo die Familie seit 1966 in der Backstube steht. Was diese Cantuccini von der strengen Überlieferung unterscheidet, ist die Butter – sie macht den Keks mürbe statt bretthart.
Leicht knusprig, buttrig, mit ganzen Mandeln
Der Bruch zeigt einen hellen, feinporigen Teig und darin ganze Mandeln mit brauner Haut, welche beim Beißen knacken statt zu splittern.
Leggermente croccanti steht auf der Tüte, leicht knusprig, und genau so verhält sich der Keks. Er bricht, statt zu widerstehen, und schmilzt danach buttrig auf der Zunge. Die ungeschälte Mandel bringt jene feine Herbe mit, welche die Süße auffängt. Dahinter liegt ein Hauch Orange – Orangenölessenz steht als letzte Zutat auf der Liste und ist im Nachhall gut zu erkennen.
Wer Cantuccini bisher nur als steinhartes Zahnrisiko aus dem Supermarktregal kennt, merkt den Unterschied schon beim ersten Stück. Die Butter hält den Teig zusammen, ohne ihn schwer zu machen, und die halbovale Form mit den spitzen Enden bringt in jeden Bissen ein anderes Verhältnis von Teig und Mandel. Am dicken Ende buttrig, in der Mitte mandelig, an der Spitze knusprig.
Zum Espresso, zum Vin Santo, zum Frühstück
In der Toskana wandert der Cantuccio ins Glas Vin Santo, bis die Kante weich wird. Nötig ist das hier nicht mehr, denn das Weichmachen erledigt die Butter schon im Ofen.
Der Dessertwein bleibt trotzdem eine schöne Idee, wie das Haus selbst betont. Zum Espresso nach dem Essen kommt der Keks ebenso zurecht wie zu einem milden Grappa, denn die Mandel verträgt sich gut mit Weinbrand. Wenn du morgens Zeit hast, tunkst du ihn in den Milchkaffee, so wie halb Italien es mit hartem Gebäck hält. Und eine Handvoll grob gehackt über Vanilleeis macht aus einem Rest ein Dessert.
Die 200 Gramm reichen für eine ganze Kaffeetafel oder für zwei stille Abende zu zweit. Nach dem Öffnen hält die Tüte am besten verschlossen und trocken, denn Feuchtigkeit nimmt dem Keks genau jene Knusprigkeit, für welche du ihn gekauft hast.
Was das IGP Siegel von Quarrata verlangt
Das Kürzel IGP steht für eine geschützte geografische Angabe. Seit der EU Verordnung 2016/81 dürfen nur Kekse aus der Toskana Cantucci Toscani heißen.
Das Regelwerk, welches der Konsortialverband Assocantuccini 2011 in Brüssel einreichte, ist knapp und streng: Mehl, ganze naturbelassene Mandeln mit mindestens 20 Prozent Anteil, Zucker, Eier, Butter und Honig. Der Teig wird als Laib gebacken und noch heiß schräg aufgeschnitten – daher die spitze Form, welche jeder kennt. Wer schälte, süßte oder streckte, verlöre das Siegel.
In Quarrata führen Massimiliano und Riccardo Lunardi die Backstube weiter, welche ihre Eltern 1966 als Dorfbäckerei mit kleinem Laden eröffneten. Die beiden wuchsen zwischen Mehlsäcken und Brotregalen auf und übernahmen später das Haus. Man habe sich der Überlieferung zugewandt und deren Rezept um Butter ergänzt, damit die Kekse weich werden, sagt Paola Stabilini, welche den Vertrieb des Hauses führt. Der klassische toskanische Cantuccio, aber kein klassischer Cantuccio, so beschreiben es die Brüder in ihrem eigenen Katalog.
Heute stehen die Tüten bei Harrods in London und bei Käfer in München, und die Gestaltung stammt von der Kalligrafin Betty Soldi aus Florenz. Das übrige Sortiment der Brüder findest du bei Fratelli Lunardi, weitere Klassiker aus Italien und Frankreich im Süßgebäck und alles Südliche im italienischen Sortiment. Sechs Zutaten im Kern, eine geschützte Herkunft – so viel Regelwerk für so wenig Teig.