Blanc de Noirs Tradition Brut von Griesel Sekt würzig und druckvoll
Blanc de Noirs Tradition Brut 2022 von Griesel Sekt ist ein weiß gekelterter Winzersekt aus Pinot Noir und Pinot Meunier, in traditioneller Flaschengärung gereift an der Hessischen Bergstraße. Kein Tankdruck und keine Eile, sondern zwanzig Monate Ruhe auf der Feinhefe.
Blanc de Noirs Tradition Brut 2022 ist der weiß gekelterte Rotweinsekt von Griesel Sekt aus Bensheim an der Hessischen Bergstraße, dem kleinsten Weinanbaugebiet Deutschlands. Rote Trauben und trotzdem helles Glas – dieses Kunststück gelingt nur über eine Pressung, welche der Beerenhaut keine Zeit lässt, ihre Farbe an den Most abzugeben.
Roter Apfel, Wacholder und warmes Laugengebäck
In der Nase liegt reifer roter Apfel neben eingekochter Birne, dazu treten Rosmarin und Wacholder, bis am Ende eine Spur Rauch über warmem Laugengebäck dazukommt.
Am Gaumen kommt er druckvoll und mundfüllend, die Perlage bleibt fein und beharrlich, die Würze steht lange. Mit 12 Prozent Alkohol hat er Statur, ohne schwer zu werden, und bis zuletzt behält er jene vibrierende Spannung, welche gute Sekte von netten unterscheidet.
Er gehört auf den Tisch und nicht bloß aufs Tablett am Eingang. Gebratenes Geflügel, gereifter Bergkäse und geräucherte Forelle sind sein Gelände, und weil er selbst Würze mitbringt, kommt er auch mit einem kräftig gewürzten Gericht zurecht. Gut gekühlt einschenken, aber nicht eiskalt, sonst verschließt er sich.
Wie rote Trauben zu hellem Sekt werden
Pinot Noir und Pinot Meunier sind rote Sorten, ihr Saft dagegen ist hell – die Farbe sitzt allein in der Beerenhaut. Wer sie nicht im Glas haben will, muss beim Pressen zurückhaltend bleiben.
Die Reben stehen auf Granitverwitterungsböden zwischen 150 und 210 Metern Höhe, karg und sandig genug, dass die Wurzeln tief gehen müssen. Der kühle Zug aus dem nahen Odenwald hält dazu die Säure wach. Im September 2022 wurden die Trauben von Hand gelesen und so behutsam gepresst, dass nur etwa die Hälfte des Saftes aus den Beeren kommt.
Was danach noch käme, brächte Gerbstoff und Wachs mit und damit eine gröbere Perlage. Ein kleiner Anteil Reserveweine aus früheren Jahren kommt hinzu und gibt der Cuvée Tiefe.
Spontan vergoren, in Holz und in Stahl gereift
Im Keller gibt Niko Brandner den Dingen Zeit. Die Moste vergären spontan und durchlaufen anschließend den biologischen Säureabbau, bei dem sich die scharfe Apfelsäure in die mildere Milchsäure verwandelt.
Das ist der Schritt, den du später als Cremigkeit im Mund wiederfindest – dieselbe Wandlung, die einen Apfel von einem Joghurt unterscheidet. Für den Ausbau kombiniert Kellermeisterin Rachele Crosara große und kleine Fässer: gut die Hälfte reift im Edelstahl, ein knappes Drittel im großen Stückfass, der Rest im kleinen Barrique. Jedes Gebinde bringt etwas anderes mit, und zusammen machen sie den Sekt vielschichtiger.
Zwanzig Monate Ruhe im Keller von 1904
Am 29. Juli 2023, gut zehn Monate nach der Lese, kommt der Blanc de Noirs weder filtriert noch geschönt auf die Flasche, zusammen mit der Tirage, welche die zweite Gärung im Glas auslöst. Die Dosage liegt bei 4 Gramm Restzucker je Liter, wo die Bezeichnung Brut bis zu 12 Gramm zuließe.
Danach ruht er zwanzig Monate auf der Feinhefe im Keller von 1904, dem alten Anwesen der Hessischen Staatsweingüter. Regelmäßig wird gerüttelt, die Flaschen kommen Stück für Stück weiter auf den Kopf, bis die Hefe im Hals sitzt und beim Degorgieren herausfliegt, sodass er erst Mitte März 2025 in den Verkauf durfte.
Der Vinum Sektaward hat Griesel 2026 zum Sekterzeuger des Jahres gekürt, Meiningers Sektpreis ein Jahr zuvor ebenso. Alle Achtung. Daneben stehen der Pinot Noir aus der Prestige Linie und die Grande Cuvée Exquisit, und im Regal mit den Schaumweinen findest du, was sonst noch perlt.