LR Rosé Prestige Extra Brut von Griesel Sekt am Tisch statt am Empfang
LR Rosé Prestige Extra Brut 2020 von Griesel Sekt ist der Rosé-Jahrgangssekt dieses Hauses in seiner spät freigegebenen Partie, siebenundvierzig Monate auf der Feinhefe und mit zwei Gramm Dosage je Liter abgefüllt. Degorgiert wurde er im Juni 2025.
LR Rosé Prestige Extra Brut 2020 ist der lang gereifte Rosé aus dem Bensheimer Keller von Griesel Sekt, gekeltert aus reinem Spätburgunder. Die reguläre Füllung desselben Jahrgangs verließ den Keller nach vierunddreißig Monaten, während diese Flaschen ein weiteres Jahr unter der Hefe blieben.
Wo die Erdbeere zurücktritt und Gebäck vorrückt
Im Rosé dieses Jahrgangs steckt eine rote Beerenfrucht zwischen Erdbeere und Johannisbeere, dazu der säuerliche Ton von Rhabarber und eine Spur Orangenblüte.
Das zusätzliche Jahr unter der Hefe hat diese Frucht leiser gemacht und dafür einen Ton von frisch gebackenem Brot nach vorn geschoben. Am Gaumen hat er Druck, ohne breit zu werden, und die zwei Gramm Dosage je Liter verschwinden vollständig hinter einer Säure von 7,2 Gramm, welche den ganzen Sekt aufrecht hält.
Von Süße merkst du dabei nichts, wohl aber von Salz und einem leicht herben Zug im Nachhall. Er wirkt dadurch reifer, als sein Jahrgang vermuten lässt, und bleibt trotzdem wach.
Ein Sekt der ein ganzes Menü trägt
Schaumwein steht im Ruf, seine Rolle im Flur vor dem Essen zu haben, und danach wird auf Wein umgestellt. Dieser Rosé widerspricht dem, weil er Frucht, Struktur und Würze mitbringt. Davon hat er genug, um auch einen Hauptgang auszuhalten.
Zum Auftakt steht Bündnerfleisch mit Feigen gut neben ihm, danach hält er gegen ein Perlhuhn mit Aprikosen, und zum Brie de Meaux am Schluss wird er sogar besser. Eine Flasche kommt so über drei Gänge, ohne dass zwischendurch ein anderes Glas nötig wäre.
Wer ihn nur zur Begrüßung ausschenkt, verschenkt den größeren Teil dessen, was er kann. Dabei schadet es ihm nicht, wenn er im Lauf des Abends ein paar Grad zulegt, weil sich seine Aromatik erst dann ganz öffnet. Zu kalt eingeschenkt zeigt er weniger, als in ihm steckt.
Viel Holz für einen Rosé und lange Ruhe
Der Spätburgunder wurde im September 2020 von Hand gelesen und zunächst weiß gekeltert. So entstand zuerst ein heller Wein aus roten Trauben, ganz ohne Farbe aus der Beerenhaut. Erst bei der Vermählung kamen fünf Prozent Rotwein aus einer Réserve perpétuelle hinzu, und das genügt für die kupferne Tönung im Glas.
Die Grundweine vergoren zuvor spontan und durchliefen den biologischen Säureabbau. Ungewöhnlich ist die Fassaufteilung, denn knapp zwei Drittel von ihnen reiften im Holz und nur der Rest im Edelstahl, was bei einem Rosé selten vorkommt. Genau dieser Anteil gibt ihm den Körper, welcher ihn über ein ganzes Menü trägt.
Im Juli 2021 ging der Wein unfiltriert auf die Flasche, samt Tirage, die noch einmal Hefe und Zucker mitbringt, und was folgte, waren siebenundvierzig Monate auf der Feinhefe. Wer den Unterschied im Glas nachvollziehen möchte, stellt ihm die reguläre Füllung aus 2020 gegenüber, und der LR Chardonnay desselben Jahrgangs zeigt dieselbe Verzögerung an einer weißen Sorte. Das ganze Regal mit Schaumwein hält weitere Flaschengärungen aus demselben Keller bereit.