Rosé Prestige Extra Brut von Griesel Sekt mineralisch und griffig
Rosé Prestige Extra Brut 2020 von Griesel Sekt ist ein Rosé-Jahrgangssekt aus Spätburgunder, vierunddreißig Monate auf der Feinhefe gereift, wobei die Dosage bei zwei Gramm je Liter blieb. Im Juni 2024 verließ die Hefe die 3.000 Flaschen.
Rosé Prestige Extra Brut 2020 ist der rosafarbene Jahrgangssekt von Griesel Sekt aus dem kleinsten Weinanbaugebiet Deutschlands, gefüllt in einer Auflage von 3.000 Flaschen. Seine Farbe stammt nicht aus der Beerenhaut, sondern aus fünf Prozent Rotwein, welche erst bei der Vermählung dazukommen.
Rote Johannisbeere und Rhabarber über weichem Fladenbrot
Kleine rote Erdbeeren treffen auf süßsauren Rhabarber, dazu stellen sich rote Johannisbeeren und eine Spur Orangenblüte. Ein kräutriger Zug kommt hinzu, und darunter liegt weiches Fladenbrot aus der langen Hefereife.
Die Perlage baut Druck auf und füllt den Mund, darunter bleibt alles mineralisch und griffig, und in den rosa Perlen steckt keinerlei Süße. Er ist puristisch gebaut und trotzdem saftig, was bei so wenig Restzucker keineswegs selbstverständlich ist. Die Perlage hält dabei länger durch, als es die zarte Farbe erwarten ließe.
Gegrillte Wachtel steht ihm gut, ebenso ein Tomatensalat mit Burrata oder eine grobe Bauernterrine. Zu Gebratenem mit rauchiger Kante findet er ebenfalls den Ton, weil seine Säure die Fettigkeit vom Gaumen nimmt und die Frucht dagegenhält.
Zwei Sekte aus einer einzigen Lese
Die Spätburgunder-Trauben kamen im September 2020 von Hand in den Keller und wurden so schonend gepresst, dass die Beeren gut die Hälfte ihres Saftes behalten. Was zuerst entsteht, ist ein heller Wein aus roten Trauben. Blanc de Noirs nennt der Keller diese Stufe, und sie ist bei Griesel Sekt der Ausgangspunkt für beide Farben.
Aus demselben Material entsteht auch der dosagefreie Blanc de Noirs des Hauses, und bis zur Vermählung nehmen beide denselben Weg. Erst dort trennen sie sich, denn dem Rosé werden fünf Prozent Rotwein aus der Réserve perpétuelle beigegeben, gerade genug für die zarte Farbe.
Beim Ausbau geht der Rosé einen anderen Weg als die weißen Sekte des Hauses. Holz und Rosé gelten vielen Kellern als eine schwierige Paarung. Nur gut ein Drittel der Grundweine bleibt im Edelstahl, während knapp zwei Drittel im Holz liegen, und diese Breite verträgt die kühle Säure der Bergstraße erstaunlich gut.
Was zwei Gramm Zucker noch ausrichten
Im Juli 2021 füllte der Keller ihn ab, ohne ihn zuvor zu filtern oder zu schönen, und die Tirage kam gleich mit dazu. Vierunddreißig Monate Feinhefelager schlossen sich an, mit regelmäßigem Rütteln, bis die Hefe im Juni 2024 den Flaschenhals verließ.
Zwei Gramm Restzucker je Liter sind alles, was ihn vom dosagefreien Bruder aus derselben Lese unterscheidet. Sie runden die Kanten, ohne dass davon Süße im Glas ankäme, und gegen 7,2 Gramm Säure je Liter haben sie ohnehin wenig Gewicht. Bei einem Rosé ist diese Zurückhaltung selten, denn Süße kaschiert dort gern die Frucht.
Was am Ende bleibt, ist ein Rosé, welcher auch nach dem Aperitif noch am Tisch stehen darf und dort mehr Aufgaben übernimmt, als seine Farbe vermuten lässt. Daneben steht der Pinot Noir Prestige aus derselben Lese, der Rosé Prestige aus 2019 zeigt den Herbst davor, und unter den Schaumweinen perlt noch mehr.