Pinot Blanc Prestige Brut Nature 2020 von Griesel Sekt cremig und geradlinig
Pinot Blanc Prestige Brut Nature 2020 von Griesel Sekt ist ein Blanc de Blancs aus Weißburgunder und Chardonnay, gefüllt im Juli 2021 und degorgiert im Juni 2024. Von diesem Jahrgang existieren 2.000 Flaschen, jede davon ohne eine Spur Dosage.
Pinot Blanc Prestige Brut Nature 2020 ist ein Sekt von Griesel Sekt, in dem Weißburgunder und Chardonnay zusammenkommen, gewachsen über Bensheim an der Hessischen Bergstraße auf Böden mit hohem Granitanteil. Gelesen wurde im September 2020 von Hand, angestoßen hat diese Zusammenstellung Kellermeisterin Rachele Crosara.
Ein weiches Mundgefühl über klarer Kräuterherbe
Aus dem Glas steigen Apfelkompott und saftige Birne, dahinter treten Mandelkern und Mandelblüte hervor. Über allem liegt der Hefeteigton frischer Brioche.
Die Perlage ist fein genug, dass sie den Mund eher auspolstert als kitzelt. Sie trägt den Säurezug samt einer leicht herben Note aus Matcha und Kräutern. Am Ende bleiben animierende Frische und eine kreidige Mineralität stehen, wie magere Böden sie ihren Weinen gern mitgeben.
Gebackener Blumenkohl mit Haselnussbutter ist ein naheliegendes Gegenüber, ebenso Kaisergranat vom Grill oder ein dünner Flammkuchen. Weil dem Sekt jede Restsüße fehlt, hält er auch gegen Säure im Essen stand, gegen Zitrone ebenso wie gegen einen Spritzer Essig im Salat.
Was den Weißburgunder vom Chardonnay unterscheidet
Weißburgunder ist eine helle Abwandlung des Spätburgunders, entstanden aus einer Laune der Rebe, welche irgendwann aufhörte, Farbe in die Beerenhaut zu legen. Chardonnay dagegen ist eine eigene Sorte, in deren Abstammung der Pinot zwar mitspielt, die aber anders reift und anders schmeckt.
Der Weißburgunder gibt Fülle, ein rundes Mundgefühl und eine ruhige, eher zurückhaltende Frucht. Der Chardonnay steuert Länge, Struktur und jene Säure bei, welche einen Sekt über Jahre trägt. Ohne Dosage wird diese Arbeitsteilung wichtig, denn was kein Zucker glättet, muss die Rebsorte selbst mitbringen.
So wirken 7,2 Gramm Säure je Liter hier nicht spitz, sondern getragen, weil genug Substanz darunter liegt. Du schmeckst weniger zwei Sorten nebeneinander als eine gemeinsame Linie.
Fast drei Jahre Ruhe unter dem Kronkorken
Vor der Füllung lagen gut drei Viertel der Grundweine im Edelstahl, der kleinere Rest im gebrauchten Barrique. Dessen Holz ist längst getränkt und gibt darum eher Luft als Geschmack ab. Gepresst wurde zuvor so behutsam, dass nur rund die Hälfte des Safts aus den Beeren lief, denn alles Weitere brächte Gerbstoff und eine gröbere Perlage mit.
Im Juli 2021 ging der Wein ungeklärt und ohne jeden Filterlauf in die Flasche, zusammen mit der Tirage, welche die zweite Gärung auslöst. Bis zum Degorgieren im Juni 2024 vergingen fünfunddreißig Monate auf der Feinhefe, in denen sich die Perlage weiter verfeinert hat.
Nachgesüßt wurde danach nichts, und auch Schwefel kam nicht mehr hinzu. So gingen 2.000 Flaschen in den Handel, wie der kühle Jahrgang sie hergegeben hat.
Zwei Jahrgänge früher klingt derselbe Verschnitt reifer, nachzulesen beim Pinot Blanc Prestige aus 2018, während der Chardonnay Prestige aus 2019 dieselbe Handschrift ohne den Weißburgunder zeigt. Bei den übrigen Schaumweinen stehen weitere Flaschengärungen bereit.