Pinot Noir Prestige Brut Nature von Griesel Sekt tief und würzig
Pinot Noir Prestige Brut Nature 2019 von Griesel Sekt ist ein Blanc de Noirs aus reinem Spätburgunder, vierunddreißig Monate auf der Hefe und ohne Dosage gefüllt. Der Wine Advocate gab ihm 92+ Punkte, gefüllt wurden 4.989 Flaschen.
Pinot Noir Prestige Brut Nature 2019 ist der Spätburgunder-Sekt von Griesel Sekt aus Bensheim an der Hessischen Bergstraße, weiß gekeltert und ohne jede Dosage abgefüllt. Anders als sein Bruder aus der Tradition-Linie kommt er ohne Beimischung aus, allein aus Pinot Noir, und er hatte fast dreimal so lange Zeit auf der Hefe.
Roter Apfel, Wacholder und geräucherter Speck
Der Duft trägt reifen roten Apfel und eingekochte Birne, dazwischen stehen Rosmarin und Wacholder, und dahinter liegt warmes Laugengebäck mit einer rauchigen Kante.
Am Gaumen ist er breiter gebaut als die meisten Weißen des Hauses, mit druckvoller Perlage und einer Würze, die lange stehen bleibt. Ohne Dosage fehlt ihm jedes Süßepolster, dafür bekommt die Frucht mehr Raum, und der Abschluss bleibt geradlinig statt gefällig.
Gebratene Entenbrust und Wild vertragen sich gut mit ihm, ebenso Steinpilze oder ein gereifter Hartkäse. Ein Weißweinglas tut ihm besser als eine schmale Flöte, denn nach so langer Reife hat er etwas zu erzählen, wofür er Luft braucht.
Ein gutes Drittel reift im Tonneau
Die Spätburgunder-Trauben wuchsen an der Bergstraße auf Granit, der über die Jahrtausende zu magerem Sand verwittert ist. Gelesen wurde im September 2019 von Hand, und gepresst wird anschließend so behutsam, dass nur der erste, zarteste Teil des Mosts abläuft, gut die Hälfte dessen, was in den Beeren steckt.
Beim Ausbau geht Griesel Sekt hier einen anderen Weg als bei den weißen Sekten. Nur zwei Fünftel der Grundweine liegen im Edelstahl, ein Viertel im kleinen Barrique und ein gutes Drittel im Tonneau, jenem 500-Liter-Fass, das zwischen Barrique und Stückfass steht.
Das Tonneau gibt dem Wein Luft, ohne ihn mit Holz zu überziehen, weil weniger Fassinnenfläche auf mehr Inhalt kommt. Genau diese Zurückhaltung braucht ein Sekt, der später ohne Zucker auskommen soll.
Vergoren wird spontan, danach folgt der biologische Säureabbau, bei dem die scharfe Apfelsäure zur milderen Milchsäure wird. Das nimmt der Säure die Spitze, ohne ihr die Kraft zu nehmen.
Was Stephan Reinhardt im Glas fand
Im Juli 2020 kam der Wein ungefiltert und ungeschönt auf die Flasche, zusammen mit der Tirage für die zweite Gärung. Danach lagen vierunddreißig Monate im alten Keller vor ihm. Regelmäßig wurde gerüttelt, bis die Hefe im Flaschenhals angekommen war.
Degorgiert wurde im Juni 2023, wieder ohne Schwefelgabe. Die Säure liegt bei 7,2 Gramm je Liter, und sie ist der Grund, warum dieser Sekt auch nach Jahren noch aufrecht steht statt müde zu wirken.
Stephan Reinhardt verkostete ihn für den Wine Advocate und vergab 92+ Punkte, die erste Bewertung dieser Art für einen Griesel Sekt. Wer den Vergleich sucht, findet den Pinot Noir Prestige aus 2020 und den Rosé Prestige aus demselben Jahrgang, und unter den Schaumweinen stehen weitere Flaschengärungen.