LR Chardonnay Prestige Brut Nature von Griesel Sekt spät degorgiert
LR Chardonnay Prestige Brut Nature 2020 von Griesel Sekt ist der Blanc de Blancs dieses Jahrgangs in seiner spät freigegebenen Partie, sechsundvierzig Monate auf der Feinhefe statt vierunddreißig. Fünfzehnhundert Flaschen wurden dafür zurückgestellt und erst im Juni 2025 degorgiert.
LR Chardonnay Prestige Brut Nature 2020 ist der reinsortige Chardonnay-Sekt von Griesel Sekt an der Hessischen Bergstraße in seiner spät freigegebenen Partie. Was ihn von der regulären Füllung trennt, ist allein ein zusätzliches Jahr im Keller, denn beide stammen aus derselben Tirage vom August 2021.
Wo die Birne war, steht nun Mandelgebäck
In der regulären Füllung dieses Jahrgangs stehen Birne, Apfelkompott und Mandelblüte vorn, doch das zusätzliche Jahr hat diese Reihenfolge umgestellt. Was zuvor die Hauptrolle spielte, steht jetzt geduldig im zweiten Glied.
Vorn liegt nun warmes Mandelgebäck, während die Frucht dahinter bleibt und eher eingekocht als frisch wirkt. Am Gaumen polstert die Perlage noch feiner als zuvor, der Säurezug bleibt gerade, und ganz zum Schluss hält sich jene kreidige Mineralität, welche die kargen Granitlagen der Bergstraße in fast jeden Sekt des Hauses schreiben.
Gebratener Zander in brauner Butter ist das naheliegende Gegenüber, ebenso ein Risotto mit Pfifferlingen oder ein gereifter Gouda. Käse mit kräftiger Rinde kommt ihm ebenfalls entgegen, weil dessen Salz die Säure abfängt. Weil ihm jedes Süßepolster fehlt, verträgt er auch Zitrone und Kapern, an denen mildere Sekte scheitern.
Warum ein Sekthaus einen Teil der Partie zurückhält
Von diesem Jahrgang gingen 3.000 Flaschen als reguläre Prestige-Füllung in den Handel, während 1.500 im Keller blieben. Wirtschaftlich ist das zunächst ein Verzicht, weil gebundenes Kapital jahrelang im Dunkeln liegt, ohne dass daran etwas verdient wäre.
Ein Sekthaus tut es trotzdem, weil sich erst in diesen Jahren zeigt, wozu ein Jahrgang wirklich taugt. Wer die Hefe früh entfernt, bekommt vor allem Frucht und Frische. Wer dagegen wartet, bekommt Tiefe und Textur, und beides zugleich lässt sich nicht haben.
Die Rechnung geht allerdings nur auf, wenn der Grundwein von Beginn an dafür gebaut war. Dass nun beide Fassungen nebeneinander im Regal stehen, ist deshalb weniger Verkaufsidee als Beleg. Die reguläre Füllung kam im Juni 2024 aus dem Keller, diese hier genau zwölf Monate später.
Ein Viertel im Barrique und kein Gramm Zucker
Gelesen wurde im September 2020 von Hand und anschließend so zurückhaltend gepresst, dass die Beeren kaum die Hälfte ihres Safts hergeben, weil alles Weitere Gerbstoff mitbrächte und die Perlage vergröbern würde.
Der Most vergärt ohne zugesetzte Hefe und geht danach durch den biologischen Säureabbau. Drei Viertel der Grundweine reifen im Edelstahl, ein Viertel im kleinen Barrique. Im August 2021 kam der Wein auf die Flasche, ohne vorher durch einen Filter gegangen zu sein, und mit ihm ging die Tirage hinein, welche die zweite Gärung auslöst.
Dass beim Degorgieren auch kein Schwefel nachkam, macht ihn empfindlich und zugleich ehrlich. Mit 7,2 Gramm Säure je Liter und ohne jede Dosage lebt dieser Sekt allein von dem, was Boden, Hefe und Zeit ihm mitgegeben haben. Daneben steht die reguläre Füllung desselben Jahrgangs für den direkten Vergleich, dazu der spät degorgierte Pinot Blanc, und im Regal mit allen Schaumweinen findest du weitere Flaschengärungen.