LR Grande Cuvée Exquisit von Griesel Sekt nach fünf Jahren Hefe
LR Grande Cuvée Exquisit Dosage Zero 2019 von Griesel Sekt ist dieselbe Cuvée wie die reguläre Füllung dieses Jahrgangs, nur blieb sie neunundfünfzig Monate auf der Hefe statt sechsundvierzig, und das Kürzel LR markiert eben diese spät freigegebene Partie.
LR Grande Cuvée Exquisit Dosage Zero 2019 ist die lang gereifte Fassung des Spitzensekts von Griesel Sekt aus Bensheim an der Hessischen Bergstraße. Gleiche Trauben, gleicher Keller, gleiche Füllung vom 19. Juli 2020 – nur wurde ein Teil der Flaschen dreizehn Monate länger liegen gelassen, bevor die Hefe herauskam.
Quitte, Brioche und geröstete Nuss
Die Grundaromatik ist die der Cuvée aus vier Burgundersorten, also grüner Apfel, reife Quitte und kandierte Kumquat.
Die zusätzliche Zeit hat sie verschoben, sodass die Frucht zurücktritt und dafür geröstetes Brioche und eine nussige Tiefe nach vorn kommen, wie sie nur lange Hefelager hervorbringen. Am Gaumen wirkt der Sekt ruhiger als die reguläre Füllung, die Perlage feiner, der Zug salziger. Die Trauben stammen von denselben Bergsträßer Granitlagen, auf denen der Boden kaum Wasser hält und die Nächte kühl bleiben.
Hummer und gebratene Jakobsmuscheln stehen ihm gut, ebenso Kalb mit Morcheln oder eine cremige Pasta mit Trüffel. Er verträgt es, im Weinglas zu stehen und ein wenig Luft zu bekommen, denn er öffnet sich langsam.
Dieselbe Füllung, dreizehn Monate länger im Keller
Am 19. Juli 2020 kam die Cuvée auf die Flasche, ohne Filter und ohne Schönung, zusammen mit der Tirage für die zweite Gärung. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht entschieden, welche Flasche wann geöffnet wird.
Ein Teil der Partie wurde nach sechsundvierzig Monaten degorgiert und kam als reguläre Grande Cuvée in den Verkauf. Der andere Teil blieb liegen und verließ den Keller erst nach neunundfünfzig Monaten.
Weil beide Füllungen aus demselben Tank und demselben Tirage-Tag stammen, lässt sich an ihnen ablesen, was allein die Zeit auf der Hefe ausmacht. Solche Vergleiche gibt es selten zu kaufen.
Was die Hefe in einem fünften Jahr noch tut
Nach der zweiten Gärung stirbt die Hefe ab und zerfällt langsam, ein Vorgang, den die Kellerleute Autolyse nennen. Dabei gibt sie Eiweiße und Aromastoffe an den Sekt ab.
Das ist die Quelle der Brioche- und Nussnoten, und sie versiegt nicht nach drei Jahren, sondern arbeitet weiter, nur immer langsamer. Gleichzeitig bindet die Hefe Sauerstoff, weshalb spät degorgierte Sekte oft frischer wirken als ihr Alter vermuten lässt.
Das hat eine praktische Folge für dich, denn erst mit dem Degorgieren beginnt die Flasche zu altern. Dieser Sekt startet also gerade erst und lässt sich noch Jahre liegen, wenn du kühl und dunkel lagerst.
Ohne Dosage und mit 7,5 Gramm Säure je Liter steht dieser Sekt am Ende völlig ungeschminkt da. Daneben findest du die reguläre Grande Cuvée aus 2019 für den direkten Vergleich und den Jahrgang 2018. Alle Flaschengärungen des Hauses stehen bei den Schaumweinen.