Chardonnay Prestige Brut Nature 2019 von Griesel Sekt kreidig und klar
Chardonnay Prestige Brut Nature 2019 von Griesel Sekt ist ein reinsortiger Blanc de Blancs aus Chardonnay von der Hessischen Bergstraße, gefüllt im August 2020 und degorgiert im Juni 2023. Am Ende kam kein Gramm Zucker hinzu, und in den Handel gingen 2.334 Flaschen.
Chardonnay Prestige Brut Nature 2019 ist der weiße Jahrgangssekt von Griesel Sekt aus Bensheim, gewachsen auf einem Boden aus zerfallenem Granit. Prestige steht bei diesem Haus nicht für die Ausstattung der Flasche, sondern für die Zeit, welche der Sekt im Keller zugestanden bekommt.
Weiche Perlage über Apfelkompott und Kräuterherbe
Der Duft geht zuerst auf saftige Birne und Apfelkompott zu. Mandelkern und Mandelblüte stellen sich daneben, und frische Brioche schließt den Kreis.
Am Gaumen fällt zuerst die Perlage auf, welche eher weich auspolstert als sticht. Darunter zieht die Säure mit 7,2 Gramm je Liter eine gerade Linie. Dazwischen liegt eine leichte Herbe zwischen Matcha und Gartenkräutern, bis am Schluss animierende Frische und kreidige Mineralität stehen bleiben.
Miesmuscheln im Sud sind ein naheliegendes Gegenüber, ebenso eine Tarte vom Fenchel oder eine Brandade vom Stockfisch. Weil ihm die Restsüße fehlt, kommt der Sekt mit Zitrone und Essig zurecht, an denen weichere Flaschengärungen ins Rutschen geraten.
Was die Linie Prestige von der Tradition trennt
Griesel Sekt teilt sein Sortiment in Linien, und die Trennlinie verläuft über die Zeit auf der Hefe. Ein Sekt der Tradition Linie kommt nach rund zwanzig Monaten in den Verkauf, ein Prestige frühestens nach vierunddreißig, und dieser hier hat die untere Grenze genau eingehalten.
Diese Differenz bleibt nicht auf dem Etikett, sondern landet in deinem Glas. Je länger die abgestorbenen Hefezellen im Wein liegen, desto mehr geben sie an ihn ab, und aus dieser Autolyse stammen der Hefeteigton und das weiche Mundgefühl.
Gelesen wurde im September 2019 von Hand, ausschließlich Chardonnay ohne jede zweite Sorte zur Abrundung, und gepresst wird so behutsam, dass nur rund die Hälfte des Safts aus den Beeren läuft. Gut drei Viertel der Grundweine reiften anschließend im Edelstahl, der kleinere Rest im Barrique.
Im August 2020 kam der Wein auf die Flasche, zusammen mit der Tirage für den zweiten Gärgang. Durch einen Filter ist er dabei nie gelaufen, und geschönt wurde er ebenso wenig. Bis zum Degorgieren im Juni 2023 vergingen genau jene vierunddreißig Monate.
Warum eine offene Flasche hier länger hält
Zucker bindet Wasser und deckt Kanten zu, und weil hier nichts nachgesüßt wurde, fehlt diesem Sekt das übliche Polster von Anfang an.
Das macht ihn im ersten Glas kantiger und in der angebrochenen Flasche standfester. Was seinen Reiz ausmacht, sind Säure und Extrakt, und beide verschwinden nicht über Nacht. Unter einem Sektverschluss im Kühlschrank steht er am zweiten Tag noch aufrecht da, wenn auch mit ruhigerer Perlage.
Weil beim Degorgieren zudem auf Schwefel verzichtet wurde, nimmt er Wärme übler als andere Sekte. Ein kühler und dunkler Platz nützt ihm darum mehr als jede Karaffe.
Wie derselbe Chardonnay ein Jahr später gerät, zeigt der Chardonnay Prestige aus 2020, und der Pinot Blanc Prestige aus 2020 stellt dem Chardonnay den Weißburgunder an die Seite. Daneben wartet weiterer Schaumwein aus Flaschengärung auf seinen Auftritt.