Cantina Kurtatsch keltert Terroirweine im Süden Südtirols
Die Cantina Kurtatsch ist eine Winzergenossenschaft an der Südtiroler Weinstraße, gegründet am 13. Mai 1900 von 42 Weinbauern. Heute bewirtschaften 190 Familien rund 190 Hektar zwischen 220 und 900 Metern. Keine Kellerei mit einer Handschrift für alles, sondern eine, die jede Lage einzeln ausbaut.
Die Cantina Kurtatsch, auf Deutsch Kellerei Kurtatsch, liegt im Dorf Kurtatsch an der Weinstraße im Süden Südtirols und gehört zu den ältesten Genossenschaften des Landes. Zwischen dem tiefsten und dem höchsten Weinberg liegen 680 Höhenmeter, und in dieser Spanne stecken zwei Welten: unten die wärmsten Lagen Südtirols für Merlot und Cabernet, oben Dolomitkalk und kühle Nächte für Sauvignon, Weißburgunder und Gewürztraminer.
Zweiundvierzig Weinbauern und ein Entschluss
Am 13. Mai 1900 taten sich zweiundvierzig Weinbauern in Kurtatsch zusammen, weil jeder einzelne von ihnen zu klein war, um am Markt zu bestehen.
Diese Rechnung ging auf, und sie gilt bis heute. Aus den zweiundvierzig sind 190 Familien geworden, und die Flächen, welche sie bewirtschaften, sind über die Jahrzehnte nicht größer, sondern kleinteiliger geworden. Wer hier einen Weinberg besitzt, besitzt meist mehrere kleine, und jeder liegt anders zur Sonne.
Seit 2014 führt Andreas Kofler als Obmann die Genossenschaft. Im Keller steht Erwin Carli, welcher die Arbeit von Othmar Donà übernommen hat, dem die Kellerei einen großen Teil ihres internationalen Rufs verdankt.
Eine Genossenschaft funktioniert dabei anders als ein Weingut mit einem Besitzer. Was im Herbst in den Keller kommt, stammt aus Hunderten kleiner Parzellen von Familien, die ihre Weinberge oft seit Generationen halten. Der Keller entscheidet nicht, was wächst, sondern was daraus wird.
Sieben Lagen zwischen Brenntal und Graun
Die Weinberge der Genossenschaft verteilen sich auf sieben benannte Lagen, und keine davon gleicht der anderen.
Ganz unten liegt das Brenntal auf 220 bis 300 Metern, der wärmste Streifen des Landes, wo Merlot und Cabernet eine Reife erreichen, die ihnen weiter nördlich niemand zutrauen würde. Darüber folgen Mazon auf 350 bis 450 Metern, eine der bekanntesten Blauburgunder-Lagen Italiens, und der Kofl über dem Weiler Penon zwischen 450 und 600 Metern.
Penon selbst und Glen reichen von 450 bis 700 Metern, die Hofstatt liegt zwischen 500 und 650. Und ganz oben, auf 800 bis 900 Metern, liegt Graun, wo die Trauben Wochen länger brauchen als im Tal. Achtzig Prozent dieser Flächen sind Hang, ein guter Teil davon so steil, dass dort nur zu Fuß gearbeitet werden kann.
Das Klima ist alpin-kontinental mit mediterranem Einschlag, und rund dreihundert Sonnentage im Jahr gehören dazu. Entscheidend ist aber weniger die Sonne als der Unterschied zwischen Tag und Nacht.
Abends fällt kühle Luft von den Ausläufern der Dolomiten ins Etschtal herunter, und die Temperatur sackt um mehrere Grad ab. Die Traube reift dadurch langsamer und behält ihre Säure, statt sie in einer warmen Nacht zu verlieren. Was im Glas später als Frische auffällt, entsteht genau in diesen Stunden nach Sonnenuntergang.
Lage für Lage, Wein für Wein
Das Haus fasst seine Arbeitsweise in vier Worten zusammen, welche über allem stehen: Lage für Lage, Wein für Wein.
Praktisch heißt das drei Linien. In der Selection-Linie stehen die Gebietsweine, welche viele kleine Parzellen zu einem Bild der Gegend zusammensetzen, etwa der Pinot Grigio oder der Sauvignon Blanc. Die Terroir-Linie trägt die Lagennamen im Etikett, vom Weißburgunder Hofstatt bis zum Sauvignon Blanc Kofl.
Darüber steht Freienfeld als eigene Spitze, und der Freienfeld Chardonnay Riserva zeigt, wohin ein Südtiroler Chardonnay reichen kann. Bei den Roten führt der Lagrein die autochthone Seite an, während der SOMA Merlot Cabernet aus den tiefsten Gärten kommt.
Dazwischen liegt eine ganze Reihe: die Weißwein-Cuvée Amos aus den höchsten Parzellen, der Blauburgunder aus Südwestlagen, der Kirchhügel Cabernet Riserva aus einer einzigen Steillage. Wer Jahrgänge nebeneinander stellen möchte, findet mehrere Weine in zwei Füllungen.
Gründüngung statt Mineraldünger
Die Mitglieder der Genossenschaft haben sich auf eine gemeinsame Nachhaltigkeits-Charta geeinigt, und die steht nicht nur auf dem Papier.
Zwischen den Rebzeilen wachsen Leguminosen als Einsaat, welche Stickstoff in den Boden bringen und ihn zugleich lockern. Auf mineralische Düngemittel wird verzichtet, chemischer Pflanzenschutz ist deutlich zurückgefahren, und die Vielfalt zwischen den Reihen ist keine Zierde, sondern Teil der Rechnung. Ein Weinberg mit vielen Pflanzen bringt widerstandsfähigere Reben hervor.
Das ist keine Bio-Zertifizierung, und das Haus behauptet auch nichts dergleichen. Es ist die Arbeit von Familien, welche dieselben Hänge an ihre Kinder weitergeben wollen, und in steilen Lagen ist gesunder Boden ohnehin die einzige Versicherung gegen den nächsten Starkregen.
Ein Saft, der ohne Alkohol auskommt
Seit einigen Jahren keltert die Kellerei unter der Marke Flein auch Traubensäfte, und zwar aus Reben, welche nie für Wein gedacht waren.
Harald Cronst verantwortet diesen Teil für Kurtatsch, gemeinsam mit zwei befreundeten Betrieben in Österreich und am Bodensee. Die drei haben sich schriftlich auf gemeinsame Regeln geeinigt, von der Handlese bis zur Kaltfüllung. Gelesen wird früher als beim Wein, weil eine vollreife Traube zu viel Zucker und zu wenig Säure mitbrächte.
Herausgekommen sind der sortenreine Traubensaft aus Sauvignon Blanc und der prickelnde Fizz aus Muskateller. Beide stehen in unserem Sortiment ganz vorn, und das sagt einiges darüber, wie viele Leute am Tisch inzwischen ein volles Glas ohne Alkohol möchten.
Decanter, Suckling und ein Gault Millau
Die Weißwein-Cuvée Amos brachte es im Jahrgang 2022 auf 96 von 100 Punkten bei den Decanter World Wine Awards, dazu 92 Punkte von Falstaff und James Suckling sowie Gold bei Mundus Vini.
Der Jahrgang davor kam bei Decanter und im Wine Advocate von Robert Parker jeweils auf 93 Punkte. Der Freienfeld Chardonnay Riserva 2022 holte Silber bei Mundus Vini und wurde vom Gault Millau in die internationale Spitze gestellt, der Weißburgunder Hofstatt 2023 bekam Mundus-Vini-Gold.
Selbst der leichte Grauvernatsch, der günstigste Rote im Haus, holte für den Jahrgang 2024 92 Punkte bei James Suckling. Für einen Wein, der gekühlt zur Brotzeit getrunken wird, ist das eine Ansage.
Beim Sauvignon Blanc Kofl kamen 92 Punkte von James Suckling und Silber beim Concours Mondial du Sauvignon zusammen, jenem Wettbewerb, der weltweit nur diese eine Rebsorte verkostet. Der Amos aus dem Jahrgang 2022 sammelte zusätzlich 17,5 Punkte bei Jancis Robinson ein.
Dass diese Bewertungen quer durch das Sortiment fallen und nicht nur an der Spitze hängen, sagt mehr über ein Haus aus als eine einzelne Höchstnote. Alle Achtung.
Womit du am besten anfängst
Wer die Kellerei kennenlernen möchte, beginnt am sinnvollsten mit einem Wein aus der Mitte des Sortiments, nicht mit der Spitze.
Der Gewürztraminer Arenis zeigt, was die Paradesorte dieser Gegend kann, ohne dabei ins Parfümierte zu kippen, und der Grauvernatsch ist der hellste Rote im Haus und kommt aus dem Kühlschrank auf den Tisch. Wer es dunkler mag, nimmt den Lagrein zum Schmorbraten.
Für einen Tisch mit Gästen lohnt sich der Weg über zwei Flaschen aus derselben Kellerei, eine weiße und eine rote. Der Weißburgunder deckt die Vorspeisen ab, der Lagrein übernimmt beim Hauptgang, und beide kommen aus Hängen, die keine zwei Kilometer auseinanderliegen.
Wer am Abend nicht trinken möchte, bekommt mit dem Flein-Saft dasselbe Glas wie alle anderen, und niemand muss sich dafür erklären. Genau dafür ist er gemacht.
Aus derselben Ecke Südtirols kommt die Kellerei Tramin, und was sonst noch aus diesem Landstrich in unserem Regal steht, findest du beim Eggerhof aus Südtirol. Sechsundzwanzig Weine und Säfte aus Kurtatsch warten hier auf dich. Fang unten am Berg an und arbeite dich hoch.