Die alkoholfreien Aperitifs von Sasse setzen auf Bitterkeit
Die Feinbrennerei Sasse aus Schöppingen macht Aperitif-Sirupe mit 0,0 % Alkohol: Wellpaero Wermut & Orange, Wellpaero Limoncello, Wellpaero Ingwer Melisse und den Junipaero Gin Sirup. Alle tragen die Bio-Kontrollnummer DE-ÖKO-006 und kommen mit 350 ml in die Flasche.
Die alkoholfreien Aperitifs von Sasse sind Sirupkonzentrate, die mit Mineralwasser zum Aperitif aufgegossen werden. Sie heißen Wellpaero und Junipaero, stehen bei 0,0 % Alkohol und sind bio-zertifiziert unter DE-ÖKO-006. Es gibt sie einzeln mit 350 ml und im Dreierpack. Nach dem Öffnen sind sie 2 Monate haltbar.
Der alkoholfreie Aperitif ist ein schwieriges Genre. Die meisten sind süßer Saft mit Etikett. Diese hier gehen einen anderen Weg – sie holen sich die Struktur, die sonst der Alkohol liefert, aus Bitterstoffen und Schale.
Eine Brennerei, die etwas ohne Alkohol macht
Dass ausgerechnet eine Kornbrennerei alkoholfreie Aperitifs herstellt, ist erklärungsbedürftig – und die Erklärung steht in der Zutatenliste.
Beim Junipaero Gin Sirup steht an dritter Stelle „Destillat aus Gin Botanicals" – Wacholder, Zitronenschale, Rosmarin, Kardamom und Koriander. Beim Wellpaero Limoncello ist es Zitronendestillat.
Ein Destillat in einem Getränk mit 0,0 % klingt zunächst nach einem Widerspruch, ist aber keiner: Dahinter steht die Wasserdampfdestillation, eine Destillation auf Wasserbasis. Der Dampf löst die ätherischen Öle aus Wacholder, Schale und Kraut und bindet Geschmack und Aroma im Wasser. Alkohol braucht dieser Weg nicht.
Genau darin liegt der Bezug zum Haus. Wer seit Generationen Aromen aus Pflanzen holt, kann das mit Alkohol tun und mit Wasserdampf genauso – das Handwerk bleibt dasselbe, nur der Träger wechselt.
Die beiden anderen kommen ohne Destillat aus: Bei Wermut & Orange und Ingwer Melisse ziehen die Kräuter und Botanicals aus, statt verdampft zu werden. Auch das ist ein altes Verfahren – nur landet das Ergebnis diesmal in einem Getränk, das jeder fahren darf.
Von Bitterspritz bis Wacholder
Sie unterscheiden sich stärker voneinander, als der gemeinsame Name vermuten lässt – und du wirst schnell merken, welche deine ist.
Wermut & Orange ist der klassische Bitterspritz: Wermutkraut und Enzianwurzel geben die Bitterkeit, Blutorangensaft und Blutorangenschale die Frucht, Hagebutte und Grapefruitschale die Kanten dazwischen. Die orangerote Farbe kommt aus Blutorange und Karottensaft, nicht aus dem Farbtopf.
Der Limoncello ist der Kurze unter ihnen – fünf Zutaten, drei davon Zitrone: Invertzuckersirup, Zitronensaft, Wasser, Zitronenschale, Zitronendestillat. Die Zitronen werden von Hand geschält, weil das Aroma in der Schale sitzt und nicht im Saft.
Ingwer Melisse ist die krautigste Rezeptur und die einzige mit Mengenangaben auf dem Etikett: Zitrone mit 60 g je Liter, Melisse mit 13 g, Ingwer mit 4 g – dazu Minze, Rosmarin, Thymian und Lavendelblüten. Solche Zahlen stehen selten auf einer Flasche, und sie sagen mehr als jedes Werbewort.
Der Junipaero schließlich ist ein Gin ohne Gin, für alle, die den Wacholder mögen und den Alkohol nicht brauchen. Harzig, zitrisch, herb läuft er ab und verträgt dasselbe Tonic wie sein alkoholischer Verwandter aus derselben Halle – ein praktischer Nebeneffekt, wenn am Tisch beide Varianten gefragt sind.
Warum Bitterkeit den Alkohol ersetzt
Der Grund, warum diese Aperitifs funktionieren, ist ein handwerklicher: Bitterstoffe lassen sich nicht destillieren.
Diese Stoffe sind schwer und gehen beim Brennen nicht mit über – ein Brand ist deshalb klar und aromatisch, aber niemals bitter. Wer Bitterkeit im Glas haben will, muss die Pflanze ausziehen. Genau das passiert bei Wermut & Orange, und man schmeckt es.
Diese Bitterkeit ist der eigentliche Trick. Alkohol gibt einem Getränk Länge, Gewicht und einen Widerhaken – lässt man ihn weg, bleibt oft nur Süße übrig. Bitterstoffe übernehmen genau diese Aufgabe, halten die Frucht in Schach und geben dem Schluck ein Ende. Deshalb schmeckt Wermut & Orange nach Aperitif und nicht nach Limonade.
Beim Limoncello macht das die Schale, deren feine Bitterkeit im Abgang einen Aperitif erst zum Aperitif macht. Und beim Junipaero ist es der Wacholder selbst, der harzig-herb gegenhält.
Ein Teil Sirup, sechs Teile Wasser
Alle sind Konzentrate und wollen aufgegossen werden – die Faustregel liegt bei etwa 1 zu 6.
Von dort aus justierst du nach: Wer es kräftiger mag, nimmt weniger Wasser. Ein großes Weinglas, viel Eis, eine Scheibe Zitrusfrucht – fertig. Mit Tonic statt Sprudel wird aus dem Limoncello etwas Erwachsenes, weil das Chinin die Schalenbitterkeit aufgreift.
Der praktische Vorteil zeigt sich in gemischter Runde. Dieselbe Flasche macht zwei Getränke: einmal mit Wasser für die, die fahren, einmal mit trockenem Sekt für die anderen. Niemand sitzt mit einem traurigen Glas dabei, und niemand muss erklären, warum er heute nichts trinkt.
Als Basis für Mocktails sind sie ohnehin praktisch, weil sie Bitterkeit mitbringen, welche man sonst zukaufen müsste. Wer Wacholder mit Alkohol sucht, findet ihn bei Gin & Wacholder, und was das Haus sonst aus Kräutern und Früchten holt, zeigen die Sasse Liköre.
Zwei Monate nach dem Öffnen
Ein Sirup ohne Alkohol hat keinen eingebauten Konservierer – deshalb steht auf dem Etikett eine klare Ansage.
Kühl und trocken lagern, nach dem Öffnen innerhalb von 2 Monaten verbrauchen. Bei 350 ml und einer Dosierung von 1 zu 6 sind das rund zwanzig Gläser, also kein knappes Zeitfenster – aber eines, das man kennen sollte. Der Dreierpack lohnt entsprechend eher für den Sommer als für den Vorratsschrank.
Gearbeitet wird von Hand in Schöppingen, wo seit 1707 eine Brennerei steht. Beim World Spirits Award 2025 wurde das Haus als einzige Kornbrennerei Deutschlands zur World-Class Distillery gekürt – eine von 18 weltweit. Dass dieselbe Adresse etwas herstellt, das gar keinen Alkohol enthält, sagt einiges über den Anspruch. Die ganze Geschichte steht bei der Feinbrennerei Sasse.
Bio-Kontrollstellen-Nummer: DE-ÖKO-006 - EU / Nicht EU Landwirtschaft