Italienische Limonade aus dem Piemont und von der Adria
Italienische Limonade ist die Brause der Bar, in kleinen Glasflaschen für ein einziges Glas gemacht. Gazzosa steht für die Zitrone, Aranciata für die Orange, Chinotto für die dunkle Bitterorange. Hier kommt sie von Lurisia aus dem Piemont und von Galvanina aus Rimini, beide füllen aus eigener Quelle ab, das eine Haus mit Presidio-Chinotto, das andere in Bio-Qualität.
Italienische Limonade trägt italienische Namen, weil jede Sorte in Italien ein eigenes Getränk ist. Limonata heißt die Zitrone, Aranciata die Orange, Gazzosa die klare Zitrusbrause und Chinotto die dunkle aus der Bitterorange. Die Flaschen sind klein, weil in der Bar glasweise ausgeschenkt wird, und der Geschmack hängt am Wasser, denn beide Häuser in dieser Auswahl füllen aus eigener Quelle ab. Was daneben aus Frankreich kommt, steht in der ganzen Limonaden-Auswahl.
Ein Glas vor dem Abendessen
Die Aperitivo-Stunde ist in Italien die Zeit zwischen Arbeit und Abendessen, und an der Bar steht dann neben dem Spritz immer auch etwas ohne Alkohol.
Der Chinotto ist dort der Klassiker, dunkel und herb, seit den 1950er Jahren in jeder Bar zu Hause, dazu die Aranciata mit ihrem Fruchtanteil und die Gazzosa, deren Name schlicht vom Gas in der Flasche kommt. Seit dem 19. Jahrhundert heißt so in Italien jede klare Zitrusbrause.
Getrunken wird aus der kleinen Flasche, kalt, mit einer Scheibe Orange oder Zitrone und einer Schale Oliven daneben. Wer die Gazzosa mit Zitronensorbet und einem Schuss Schaumwein verrührt, hat einen Sgroppino im Glas, das Dessert der Venezianer.
Lurisia und das Wasser vom Monte Pigna
In Roccaforte Mondovì in der Provinz Cuneo füllt Lurisia seit 1940 ein Quellwasser ab, das hoch oben am Monte Pigna aus dem Fels tritt.
Mit rund 36 Milligramm Mineralien je Liter gehört es zu den leichtesten Wässern Italiens, und genau das macht es zur Grundlage für Limonade: Es hat kaum eigenen Geschmack und überlässt der Frucht den Auftritt. Der Ort liegt im Piemont, gut siebzig Kilometer südlich von Turin, auch wenn der Gebirgszug darüber Ligurische Alpen heißt.
Die Sorten kommen in der 275-Milliliter-Flasche. Die Gazzosa entsteht aus dem Saft und einem Aufguss ganzer Sfusato-Zitronen, die auf den Terrassen der Amalfiküste wachsen, nach einem Rezept aus den 1950er Jahren. Die Aranciata Rossa bringt den Saft sizilianischer Blutorangen der Sorten Moro, Tarocco und Sanguinello mit, die Aranciata Orangensaft und einen Extrakt apulischer Orangen.
Der Chinotto schließlich lebt von einem Aufguss der Chinotto di Savona, einer myrtenblättrigen Zitrusfrucht von der ligurischen Küste, welche Slow Food 2004 als Presidio unter Schutz gestellt hat. Geerntet wird sie von Hand zwischen Mitte September und Ende November, weil die dünne Schale keine Maschine verträgt.
Galvanina und die Quelle am Colle Paradiso
Oberhalb von Rimini, wo schon die Römer ihre Thermen betrieben, entspringt die Quelle, nach der sich Galvanina nennt, im Register der historischen Unternehmen Italiens seit 1910 geführt.
Das Haus hat seine Getränke auf Zutaten aus kontrolliert biologischem Anbau umgestellt, und die Frucht darf dabei ihre Herkunft behalten. Die Bio-Zitrone kommt aus Sizilien, die Bergamotte von der ionischen Küste Kalabriens, wo die Frucht sonst fast nur für ihr Schalenöl im Earl Grey geerntet wird, und die Rosa Grapefruit reift im Mittelmeerraum am Baum aus.
Der Chinotto von Galvanina arbeitet mit dem Aroma kalabrischer Bitterorangen und Auszügen aromatischer Kräuter, karamellisierter Rohrzucker gibt ihm die dunkle Farbe. Gambero Rosso zählte ihn 2022 zu den besten Italiens. Jede Flasche trägt geprägt das Wappen der Adelsfamilie, die im 16. Jahrhundert über die Quelle verfügte, und bekam dafür 2011 in Tokio den Good Design Award.
Aus demselben Haus läuft hier der Pfirsich-Eistee aus echtem Darjeeling-Aufguss mit, sobald er im Regal steht.
Hell, herb oder dunkel
Italienische Limonade sortiert sich nach ihrer Farbe im Glas, denn die verrät schon, wohin der Geschmack geht.
Hell und klar sind Gazzosa und Bio-Zitrone, säurebetont und mit wenig Süße, die Limonaden für Fisch, Frittiertes und heiße Nachmittage. Orange leuchten Aranciata und Aranciata Rossa, saftig und rund, bei Tisch auch für Kinder die erste Wahl.
Rosé und gelb stehen Rosa Grapefruit und Bergamotte im Glas, herb und blumig, mit einer Bitterkeit, welche aus der Frucht selbst kommt. Dunkel wie Bernstein ist der Chinotto, der beim ersten Schluck zögern lässt und beim zweiten meist gewonnen hat.
Zwei Chinotti stehen hier nebeneinander, und sie sind verschieden gebaut: Bei Lurisia stammt der Ton aus einem Aufguss der Frucht, bei Galvanina aus ihrem Aroma und aus Kräuterauszügen. Wer beide im Glas hatte, hat seinen Favoriten schnell gefunden.
In der Bar und am Tisch
Kalt gehört sie ins Glas, mit Eis und einer Scheibe Zitrusfrucht, und in der Bar übernimmt sie Aufgaben, für die sonst Bitter Lemon oder Tonic eingesetzt werden.
Die Gazzosa verlängert Gin und Wodka und hält dabei die Zitrone echt, der Chinotto kommt mit dunklem Rum und mit einem Amaro zurecht, die Bergamotte trägt die Botanicals eines Gins weiter, und die Rosa Grapefruit ist mit Tequila und Salz am Glasrand ein Paloma. Ohne Alkohol stehen alle ebenso gut da, auf viel Eis, mit Oliven oder gesalzenen Mandeln daneben.
Am Tisch begleitet die helle Zitrone gebratenen Fisch und Fritto Misto, die Aranciata Pizza und Pasta, der Chinotto Antipasti und getrocknete Tomaten. Die kleine Flasche ist dabei genau ein Glas, ausgetrunken, bevor die Kohlensäure nachlässt.
Die französische Schwester in der Bügelflasche findest du bei La Mortuacienne, weitere Erzeugnisse aus dem Land unter den italienischen Spezialitäten und alles ohne Alkohol bei den alkoholfreien Getränken. Und dann heißt es Aperitivo.