Grappa

Grappa ist ein Tresterbrand aus Italien, eine Spirituose aus vergorenem Trester, also aus den festen Resten der Trauben, die beim Keltern übrig bleiben.

Von Kerstin Uhlenbusch
4 Min. Lesezeit

Grappa Le Diciotto Lune von Marzadro

Grappa ist ein Tresterbrand aus Italien, eine Spirituose aus vergorenem Trester, also aus den festen Resten der Trauben, die beim Keltern übrig bleiben.

Grappa ist damit, was vom Wein übrig bleibt, und gerade deshalb so eigen. Die Trauben sind gekeltert, der Most geht seinen Weg zum Wein, zurück bleibt der Trester. Den brennt man, ohne ihn erst zu Wein zu machen. Wie die Grappa am Ende schmeckt, entscheiden deshalb drei Dinge: die Trauben, aus denen der Trester stammt, der Brenner und die Zeit im Holz.

Was ist Grappa für ein Schnaps?

Ein Tresterbrand, und was das heißt, regelt die EU genau. Tresterbrand wird ausschließlich aus vergorenem Traubentrester gewonnen, der direkt mit Wasserdampf oder nach Zugabe von Wasser destilliert wird. Jede Destillation bleibt unter 86 % vol, und die erste geschieht im Beisein des Tresters. Je 100 kg Trester dürfen höchstens 25 kg Trub dazukommen. Alkohol darf nicht zugesetzt werden, aromatisiert werden darf der Brand nicht, und in die Flasche kommt er mit mindestens 37,5 % vol.

Grappa ist darüber hinaus ein geschützter Name. Nach der technischen Beschreibung der geografischen Angabe darf nur ein Tresterbrand so heißen, dessen Trauben in Italien gewachsen und gekeltert wurden und der in Italien destilliert und abgefüllt wird. Ein Tresterbrand aus Baden mag hervorragend sein, Grappa darf er nicht heißen.

Wie aus diesem Handwerk eine Familiengeschichte wird, zeigt die Distilleria Marzadro im Trentino. Sabina Marzadro kehrte nach zwölf Jahren im Dienst eines Abgeordneten in Rom nach Hause zurück und ließ sich im alten Haus in Brancolino di Nogaredo vom Kupferschmied Arnoldi einen kleinen Brennkessel bauen. 1949 kamen die ersten Wagen voller Trester in den Hof. Ihr Bruder Attilio half beim Brennen und fuhr die Flaschen mit einer Moto Guzzi mit Beiwagen nach Rovereto und in die Dörfer ringsum; 1960 übernahm er die Brennerei.

Ist Grappa ein Weinbrand?

Nein, auch wenn beide aus Trauben kommen. Weinbrand wird aus Wein gebrannt, Grappa aus dem Trester. Und Weinbrand muss reifen: mindestens ein Jahr in Eichenholzbehältern mit mindestens 1.000 Litern oder sechs Monate in kleineren Eichenfässern, und er wird mit mindestens 36 % vol verkauft. Grappa darf dagegen jung und klar in die Flasche. Die Zeit im Holz ist bei ihr eine Wahl, keine Pflicht.

Wer diese Wahl trifft, darf es auf das Etikett schreiben. Vecchia oder invecchiata heißt eine Grappa, die mindestens 12 Monate in Holzbehältern gereift ist, unter Aufsicht der Steuerbehörde und in Italien; riserva oder stravecchia eine, die mindestens 18 Monate im Holz lag. Karamell zur Färbung ist nur bei Grappa erlaubt, die mindestens 12 Monate gereift ist. Das ist der Prüfstein beim Kaufen: Die Begriffe sind geregelt, und wer sie liest, weiß, wie lange die Grappa mindestens im Holz war.

Wo nach schmeckt Grappa?

Nach den Trauben, aus denen der Trester kommt, und nach dem, was der Brenner daraus macht. Wie sehr die Rebsorte zählt, zeigte Marzadro 1975. Das Haus brachte eine Grappa aus reinem Marzemino-Trester aus dem nahen Isera heraus, und Marzadro beschreibt den Erfolg mit dem Sortenduft, dem Reichtum der Rebe und der Hand des Brenners, die sich zu einem Ganzen verbanden, das bis dahin nur dem Wein zu gehören schien.

Dann kommt das Feuer. Bei Marzadro brannte es anfangs direkt unter dem Kessel; Ende der Siebzigerjahre kamen Brennblasen aus Kupfer mit Wasserbad. Der Kessel steht dort im Wasser, das die Wärme an den Trester weitergibt, und das Erhitzen geht langsamer. Der Dampf nimmt dabei die Aromen und den Alkohol auf, und Marzadro nennt die Grappa so weicher und duftiger; das Verfahren braucht eben mehr Zeit. Seit 2004 brennt die Familie in Nogaredo, einen Kilometer von Brancolino entfernt, auf acht solchen Brennblasen.

Zuletzt entscheidet das Holz. Die Grappa Stravecchia Le Diciotto Lune, seit 2002 im Programm, entsteht aus ausgewählten Trentiner Trestern und reift mindestens 18 Monate in kleinen Fässern aus verschiedenen Edelhölzern. Achtzehn Monde, so viel steckt im Namen, und so viel Geduld steckt in der Flasche.

Wie trinkt man Grappa?

Kühl, aber nicht kalt, und aus dem richtigen Glas. Das Consorzio Nazionale Grappa empfiehlt, junge und junge aromatische Grappe zwischen 9 und 13 °C zu servieren und gereifte um 17 °C. Im Zweifel lieber etwas zu kühl, denn die Hand wärmt das Glas beim Trinken. Das Glas ist eine mittelgroße Tulpe mit 100 bis 150 Millilitern, bauchig und oben nicht zu eng, aus Kristall oder klingendem Glas. Vom Ballonglas und vom Schwenker mit engem Kamin rät das Consorzio ab.

Stell eine junge Grappa also eine Weile vor dem Essen in den Kühlschrank, eine gereifte bleibt im Schrank. Getrunken wird in kleinen Schlucken, nach dem Essen, wenn der Espresso schon auf dem Tisch steht. Ein Rest im Glas, ein Stück dunkle Schokolade daneben, und das Gespräch dauert noch eine Weile.

Grappa aus Nogaredo

Alle Flaschen stehen unter Grappa. Von Marzadro gibt es die Trentina Grappa Tradizionale, die Trentina Grappa Morbida barrique und Le Diciotto Lune, die Stravecchia mit mindestens 18 Monaten im Holz. Wer mehrere Grappe vergleichen möchte, nimmt das Verkostungsset, und zum Verschenken gibt es das Grappa-Geschenk mit Gläsern.

Quellen

Zuletzt geprüft am 14.09.2026



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