Lambrusco
Lambrusco ist kein Ort und keine Marke, sondern der Name einer Gruppe roter Rebsorten aus der Emilia und der Weine, die daraus gekeltert werden.
Was für ein Wein ist Lambrusco?
Ein roter, und einer, der in der Mehrzahl steht. Das Consorzio Tutela Lambrusco, ein Zusammenschluss ohne Gewinnabsicht mit Sitz in Modena, führt zwölf autochthone rote Rebsorten dieses Namens auf, unter ihnen Salamino, Grasparossa und Sorbara. Verwendet werden sie einzeln oder in Kombination, je nach den Regeln der jeweiligen Herkunftsbezeichnung. Das Konsortium betreut die Bezeichnungen der Provinzen Modena und Reggio Emilia und verkauft selbst keinen Wein. Wer Lambrusco sagt, meint also eine Familie und nicht eine Flasche.
Zwei aus dieser Familie stehen auf den Etiketten aus unserem Sortiment, und sie schmecken nicht gleich. Lambrusco Salamino heißt so, weil die Traube spindelförmig wächst und dabei an eine Salami erinnert; die Sorte stammt aus Santa Croce, einem Ortsteil von Carpi, und ist in der Ebene von Modena und Reggio Emilia weit verbreitet. Ihre Weine sind intensiv gefärbt, mit violetten Tönen, haben weiche Tannine und schmecken nach Himbeere, Kirsche und Brombeere, dahinter fein nach Rose. Lambrusco Grasparossa wächst im Hügelland und am Hügelfuß, ursprünglich in der Gemeinde Castelvetro, färbt die Weine rubinrot mit violetten Reflexen und bringt mehr Tannin mit. Das gibt ihnen Struktur, dazu Sauerkirsche, Preiselbeere, Brombeere, Mandel und Veilchen. Wer es strenger mag, sucht Grasparossa auf dem Etikett; wer weiche Tannine sucht, Salamino.
Ist Lambrusco immer süß?
Nein, und das Etikett sagt es dir. Für Wein gelten in Deutschland vier Geschmacksangaben, gestaffelt nach dem Restzucker: trocken bis höchstens 4 Gramm je Liter und unter bestimmten Bedingungen bis 9, halbtrocken bis 12 und unter Bedingungen bis 18, lieblich bis höchstens 45, süß über 45. Das Wort Secco bedeutet übersetzt trocken und darf bei trockenen Perlweinen zusätzlich zur vorgeschriebenen Bezeichnung stehen.
Die Weine aus unserem Sortiment liegen am trockenen Ende. Der Grato ist trocken ausgebaut, mit guter Säure und feinen Tanninen, und der Brut ist ein trockener roter Schaumwein aus reinem Lambrusco Salamino. Beim Senzafondo ist die Restsüße kaum vorhanden. Der süße Lambrusco, an den viele zuerst denken, ist eine Möglichkeit dieser Rebsorten, keine Eigenschaft.
Was ist der Unterschied zwischen Rotwein und Lambrusco?
Die Kohlensäure, und sie kommt aus einer zweiten Gärung. Schaumweine werden üblicherweise so gewonnen, dass ein fertiger Wein ein zweites Mal alkoholisch vergärt, in der Flasche oder im Tank; das dabei gebildete Kohlendioxid sorgt für das charakteristische Schäumen. Wie dieser Weg im Einzelnen aussieht, steht im Eintrag zum Sekt.
Wie viel Gas am Ende in der Flasche steckt, ist keine Geschmacksfrage, sondern eine Grenze. Bei Perlwein muss der Überdruck aus dem Kohlendioxid mindestens 1 bar betragen und darf höchstens 2,5 bar erreichen, jeweils bei 20 Grad Celsius. Schaumwein braucht mindestens 3 bar, Qualitätsschaumwein 3,5. Und dazwischen? Ein Erzeugnis mit 2,5 bis 3 bar liegt zwischen beiden Definitionen und ist damit nicht verkehrsfähig. Ein Frizzante ist also ein Perlwein, ein Spumante ein Schaumwein, und welches von beiden du vor dir hast, sagt dir das Etikett.
Perlwein ist dabei nicht gleich Perlwein. Beim Perlwein stammt die Kohlensäure aus der Gärung des verwendeten Weines; beim Perlwein mit zugesetzter Kohlensäure wird sie ganz oder teilweise zugesetzt und darf sogar technisch erzeugt sein. Nachzulesen ist das in der Erzeugniskategorie.
Wie verschieden zwei Perlweine aus demselben Keller ausfallen, führen Andrea Lusvardi und seine Frau Rita Covezzi in San Martino in Rio vor. Von sieben Hektar Betriebsfläche stehen 3,5 Hektar unter Lambrusco-Reben, und zwar ausschließlich unter Salamino und Grasparossa. Ihr Grato reift sieben Monate auf der Hefe und vergärt das zweite Mal in der Flasche, auf der Hefe und ohne Dégorgement, nach der Metodo Ancestrale. Der Senzafondo aus denselben zwei Sorten nimmt den anderen Weg: erst die traditionelle Gärung bei kontrollierter Temperatur, dann die zweite Gärung im großen Drucktank nach der Charmat-Methode. Beide sind rote Frizzante aus 60 Prozent Salamino und 40 Prozent Grasparossa. Welches Verfahren in der Flasche steckt, steht nicht im Namen, sondern in der Beschreibung.
Wie trinkt man Lambrusco?
Kalt, und kälter, als du einen Rotwein sonst einschenkst. Für seine beiden Frizzante empfiehlt das Haus 8 bis 10 Grad Celsius, für seine beiden Spumante 6 bis 8 Grad. Stell die Flasche in den Kühlschrank, bevor du mit dem Kochen anfängst, dann ist sie kalt, wenn der Teller fertig ist.
Am Tisch gehören diese Weine zu herzhaftem Essen. Das Haus stellt den Grato zu gereiftem Schinken, zu Fischgerichten und zu Pilzrisotto, den Senzafondo zu geräuchertem Fleisch, zu Gerichten der Emilia-Romagna und zu cremigen Risottos, den Brut zu gereiftem Fleisch, zu Käse und zu Gerichten mit mittlerem Fettgehalt. Der Rosé geht in die andere Richtung, zu Vorspeisen, zu frittiertem Fisch und Meeresfrüchten und zu leichten Gemüsegerichten. Ein Brett mit gereiftem Schinken, ein Stück harter Käse, ein Laib Brot und eine kalte Flasche in der Mitte: Das ist ein Abendessen für vier, und die Arbeit daran ist das Aufschneiden.
Vier Lambrusco aus der Emilia
Alle vier kommen von Lusvardi und aus denselben zwei Rebsorten. Die Perlweine sind der Grato – Lambrusco IGP mit seiner zweiten Gärung in der Flasche und der Senzafondo – Lambrusco IGP aus dem Drucktank. Als Schaumweine stehen daneben der Brut – Lambrusco Spumante aus reinem Salamino und der Rosé – Lambrusco Spumante, dessen Trauben von Hand gelesen und sanft gepresst werden. Wer nebeneinanderstellen möchte, was dieselben zwei Sorten in vier Flaschen anstellen, findet sie bei Lusvardi.
Quellen
- Consorzio Tutela Lambrusco: Rebsorten
- Consorzio Tutela Lambrusco: über das Konsortium
- Consorzio Tutela Lambrusco: Lambrusco Salamino
- Consorzio Tutela Lambrusco: Lambrusco Grasparossa
- Chemische und Veterinäruntersuchungsämter Baden-Württemberg: Schaumwein, Perlwein und Co.
- Deutsches Weininstitut: Geschmacksrichtungen
- Weingut Lusvardi
Zuletzt geprüft am 26.09.2026