Marzadro Grappa aus dem Trentino von jung bis fassgereift
Marzadro Grappa ist Traubentrester-Brand aus Nogaredo im Trentino, gebrannt im kupfernen Wasserbad. Das Sortiment reicht vom klaren jungen Brand der Linie Trentina über die achtzehn Monate gereifte Diciotto Lune bis zur sortenreinen Giare, die drei Jahre im Eichenfass liegt. Alle Brände stammen aus frischem Trester der Herbstlese.
Marzadro Grappa ist ein italienischer Tresterbrand aus der Familienbrennerei Distilleria Marzadro, die seit 1949 in der Vallagarina zwischen Rovereto und dem Gardasee destilliert. Gebrannt wird nur frischer Trester, hundert Tage lang zwischen September und Dezember, in acht Kupferkolben im Wasserbad. Bei uns findest du dreißig Artikel dieser Linie, von der 5-cl-Miniatur bis zur Magnum.
Grappa ist gebrannter Trester, nicht gebrannter Wein
Grappa entsteht aus dem, was nach dem Keltern übrig bleibt: aus Schalen, Kernen und Stielen der Trauben. Er ist ein Tresterbrand, kein Weinbrand.
Dieser Unterschied ist der ganze Charakter. Weinbrand wie Cognac wird aus vergorenem Traubensaft gebrannt und trägt dessen Fruchtsüße; Grappa dagegen zieht sein Aroma aus der Beerenhaut, wo Farbe, Gerbstoff und Duft sitzen. Deshalb schmeckt er kantiger, würziger, manchmal blumig, und deshalb verrät er die Rebsorte so deutlich.
Damit das gelingt, muss der Trester frisch sein. Bei Marzadro kommt er noch feucht vom Most aus den Weingütern der Umgebung an und geht sofort in den Kolben. Ein Wasserbad umschließt das Kupfer, sodass nichts anbrennt und der Dampf langsam steigt. Diese Bagnomaria-Destillation im diskontinuierlichen Kolben gilt als das Trentiner Verfahren.
Weil frischer Trester nicht warten kann, läuft die Brennsaison zwischen September und Dezember hundert Tage lang rund um die Uhr durch. Rund 5.000 Tonnen verarbeitet das Haus dabei im Jahr. Vom Destillat nimmt der Brenner nur das Herzstück ab, jenen mittleren Lauf, in dem die Aromen sitzen und weder Vorlauf noch Nachlauf stören. Wann ein Brand so weit ist, entscheidet dabei der Gaumen von Andrea Marzadro, dem Destilliermeister des Hauses.
Über die Qualität wacht seit 1968 das Istituto Tutela Grappa del Trentino, gemeinsam mit dem Istituto Agrario San Michele all'Adige und der Handelskammer Trient. Jede Partie wird im Labor und am Gaumen geprüft, ehe sie das Siegel bekommt. Kontrolle klingt nüchtern – hier ist sie das Rückgrat einer ganzen Region.
Die klare Trentina und die weiche Morbida
Am Anfang jeder Grappa-Reise steht ein ungereifter Brand, weil er zeigt, was das Destillat ohne Fasseinfluss kann.
Die Trentina Tradizionale ist so ein Brand: 41 Prozent, glasklar, aus Teroldego, Marzemino und Merlot. Sie riecht nach frischem Traubenkern und einem Hauch Gras, und sie geht schnörkellos zur Sache. Wer Grappa aus Italien vom Nachbartisch kennt, erkennt hier den Ton wieder.
Einen Schritt weiter geht die Trentina Morbida barrique. Sie reift in genau den Fässern, in denen zuvor die Diciotto Lune gelegen hat, und übernimmt von ihnen einen Rest Süße und Vanille. Morbida heißt weich, und das trifft es. Es gibt sie auch als kleine 200-ml-Flasche zum Ausprobieren.
Achtzehn Monde in Kirsche, Esche und Eiche
Die Diciotto Lune ist der bekannteste Brand des Hauses und seit 2002 im Programm, benannt nach den achtzehn Monden ihrer Reifezeit.
Achtzehn Monate liegt sie in kleinen Fässern aus vier Hölzern: Kirsche, Esche, Eiche und Robinie. Jedes gibt etwas anderes ab, die Kirsche Frucht, die Robinie Honigton, die Eiche Struktur. Gebrannt wird sie aus fünf Trentiner Trestern, aus Marzemino, Teroldego, Merlot, Muskateller und Chardonnay, und kommt mit 41 Prozent ins Glas.
Im Shop steht sie in mehreren Größen, von der Miniatur über die 500-ml-Flasche bis zur 700-ml-Flasche. Wer es dunkler und süßer mag, nimmt die Riserva Botte Porto, die nach den achtzehn Monaten noch eine Runde im portugiesischen Portweinfass dreht.
Giare, sortenrein und drei Jahre im Fass
In der Giare-Linie wird jede Rebsorte einzeln gebrannt und dann 36 Monate im Eichenfass gereift, was den Charakter der Traube herausarbeitet statt ihn zu mischen.
Die Giare Amarone entsteht aus dem Trester der Amarone-Trauben Corvina, Rondinella und Molinara, reift in 500-Liter-Fässern und zeigt dunkle Frucht, Dörrpflaume, ein wenig Bitterschokolade. Sie ist der Abendbrand unter den dreien, 41 Prozent, langer Nachhall.
Deutlich blumiger gibt sich die Giare Gewürztraminer, die in großen 1.000-Liter-Fässern liegt und Rosenblatt und Litschi mitbringt. Die Giare Chardonnay wiederum reift im kleinen 225-Liter-Fass und kommt mit 45 Prozent am kräftigsten daher – schlank, nussig, mit Zug.
Dahinter steckt eine einfache Rechnung: Je kleiner das Fass, desto mehr Holzfläche trifft auf desto weniger Grappa. Deshalb bekommt der Chardonnay im Barrique seinen Vanilleton, während der Gewürztraminer im 1.000-Liter-Fass seine Blumigkeit behält. Gleiche Reifezeit, verschiedene Fässer, drei Handschriften.
Die Giare ist auch die am häufigsten ausgezeichnete Linie des Hauses. Die Amarone holte 2010 und 2018 eine Trophy beim International Wine & Spirit Competition, 2023 Gold beim 40. Premio Alambicco d'Oro der A.N.A.G. und 2024 die Gran Medaglia d'Oro von Città del Vino. Die Gewürztraminer bekam 2015 Gold Outstanding samt Trophy. Alle Achtung.
Anfora, Espressioni und die kleinen Serien
Neben den vier Hauptlinien gibt es Brände in kleiner Auflage, bei denen mit Gefäß, Zeit und Verfahren gespielt wird.
Die Anfora reift zehn Monate in 300-Liter-Amphoren aus Ton, gebrannt in Montelupo und Impruneta in der Toskana. Der Ton lässt Sauerstoff durch wie Holz, gibt aber keinen Geschmack ab. Heraus kommt ein Grappa, der gereift schmeckt, ohne nach Fass zu schmecken. 43 Prozent, ungewöhnlich klar im Ausdruck.
Die Linie Espressioni wählt Destilliermeister Andrea Marzadro jedes Jahr neu aus. Die Espressioni Solera reift fünf Jahre nach spanischem Solera-Verfahren, bei dem jüngeres Destillat immer wieder zu älterem gefüllt wird, bis alles miteinander verwoben ist. Die Espressioni Aromatica setzt dagegen auf aromatische Rebsorten.
Kühl einschenken, aber nicht eiskalt
Grappa zeigt sich am besten bei etwa sechzehn Grad in einem Glas, das sich nach oben verjüngt und die Aromen zusammenhält.
Zu kalt serviert verschließt er sich und schmeckt nur noch nach Alkohol, zu warm wird er scharf. Ein tulpenförmiges Stielglas ist ideal, ein kleiner Tumbler geht auch. Junge Brände wie die Trentina verträgt der Kühlschrank gut, gereifte wie die Giare Amarone möchten Zimmertemperatur, eher etwas darunter.
Besonders schmeckt uns die Diciotto Lune nach dem Essen zu einem Espresso, entweder nebeneinander oder als Caffè corretto direkt in die Tasse. Zu kräftigem Bergkäse passt die Giare Chardonnay wunderbar, zu dunkler Schokolade die Amarone. Und wenn du dich erst herantasten willst, nimm das Verkostungsset Le Mignon mit fünf Miniaturen.
Ein Marzadro Grappa braucht übrigens keine besondere Lagerung. Anders als Wein reift er in der Flasche nicht weiter, weil die Reifung im Fass endet – stehend, dunkel und bei Zimmertemperatur hält er sich jahrelang unverändert. Was offen ist, bleibt offen gut. Kantig, würzig, langlebig – so steht ein Marzadro Grappa auch nach Monaten noch da.
Wer lieber bei den süßen Sachen bleibt, findet unter Marzadro Liköre die weiche Seite des Hauses, und fertig verpackt liegt alles unter Marzadro Geschenksets. Fang klein an, dann findest du deinen.