Paradeiser

Paradeiser ist das österreichische Wort für Tomate, gebräuchlich vor allem im Osten und Südosten des Landes, und es meint die rote Frucht ebenso wie die Pflanze, an der sie wächst.

Paradeisertatar von Erich Stekovics

Paradeiser ist das österreichische Wort für Tomate, gebräuchlich vor allem im Osten und Südosten des Landes, und es meint die rote Frucht ebenso wie die Pflanze, an der sie wächst.

Ein Paradeisersalat ist also ein Tomatensalat, eine Paradeisersuppe eine Tomatensuppe, und wer Paradeismark sagt, meint Tomatenmark. Der Paradeiser ist männlich, die Tomate weiblich. Viel mehr trennt die beiden nicht, nur erzählt das österreichische Wort die schönere Geschichte.

Was versteht man unter Paradeiser?

Man versteht darunter genau das, was in Deutschland Tomate heißt: die rötliche, fleischige Frucht eines Nachtschattengewächses mit gefiederten Blättern und gelben, sternförmigen Blüten. Das Wort hat es bis ins europäische Recht geschafft. Zum Vertrag über den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union gehört das Protokoll Nr. 10, und es listet 23 österreichische Ausdrücke, die in der EU denselben Status und dieselbe Rechtswirkung haben wie ihre in Deutschland üblichen Entsprechungen. Paradeiser steht dort neben Tomaten.

Aufschlussreich ist, was sonst auf der Liste steht: Erdäpfel und Karfiol, Marillen und Ribisel, Obers, Topfen und Kren. Alle 23 Wörter stammen aus dem Bereich Lebensmittel.

Warum nennt man Tomaten Paradeiser?

Wegen ihrer Farbe. Paradeis ist eine ältere Form des Wortes Paradies, und der Duden erklärt den Namen mit einem Vergleich: Das kräftige Rot der Frucht erinnerte an die Schönheit der verbotenen Frucht im Paradies. So wurde die Tomate zum Paradiesapfel, ein Wort, das landschaftlich bis heute vorkommt. In Österreich hieß sie Paradeisapfel, das gilt inzwischen als veraltet, genau wie der Liebesapfel. Geblieben ist der Paradeiser.

Das Wort Tomate hat einen weiteren Weg hinter sich. Es kam über das Französische und das Spanische zu uns und geht auf tomatl zurück, ein Wort aus dem Nahuatl. Die Pflanze selbst stammt aus den Andenregionen Südamerikas und wurde schon von den Ureinwohnern Mexikos und Perus angebaut. Im 16. Jahrhundert kam sie nach Europa und stand dort zuerst als Zierpflanze im Garten. Der eine Name erzählt, woher die Frucht kommt. Der andere erzählt, wie sie den Leuten gefallen hat.

Was bedeutet Paradeis?

Paradeis ist die ältere neuhochdeutsche Form von Paradies, im Frühneuhochdeutschen schrieb man paradeis. Das Wort ist noch viel älter. Es kam über das mittelhochdeutsche paradīs, das kirchenlateinische paradisus und das griechische parádeisos zu uns und stammt ursprünglich aus dem Persischen, wo es eine Einzäunung meinte, ein eingezäuntes Stück Land. Im Paradeiser steckt also ein Garten mit Zaun drumherum.

Sind Paradeiser Obst oder Gemüse?

Beides, je nachdem, wen man fragt. Botanisch ist die Frucht eine Beere und damit Obst, so ordnen es das Bundeszentrum für Ernährung und das Portal Pflanzenforschung.de ein. Im Alltag gilt sie als Fruchtgemüse, und so zählt sie auch die AMA-Marketing: Dort steht der Paradeiser beim Gemüse unangefochten an erster Stelle. Laut Statistik Austria verbraucht man in Österreich pro Person und Jahr 32,1 Kilogramm Tomaten, frisch oder verarbeitet.

Die Pflanze gehört zu den Nachtschattengewächsen und ist eng verwandt mit Kartoffel und Aubergine, auf Österreichisch also mit Erdapfel und Melanzani. In der Küche ist die Frage ohnehin rasch entschieden: Ein Paradeiser landet im Salat, in der Suppe und in der Sauce, nicht im Obstkorb.

Bunte Paradeiser aus Frauenkirchen

In Frauenkirchen im Burgenland baut Erich Stekovics seine Paradeiser im Freiland an. Er hat Theologie studiert, jahrelang als Religionslehrer gearbeitet und seinen Betrieb erst mit 35 Jahren gegründet. Samen sammelt er nach eigener Aussage sein Leben lang, so wie andere Briefmarken sammeln. Aufgewachsen ist er mit den Feldparadeisern, die sein Vater im Nebenerwerb anbaute.

Seine Sortenübersicht teilt die Früchte in Cocktail-, Salat-, Fleisch- und Ochsenherz-Paradeiser ein, und schon die ersten Einträge zeigen, wie wenig das Wort Tomate verrät. Die Argentinia kann bis zu ein Kilogramm schwer werden. Die Amethyst Cream Cherry trägt blassgelbe Früchte, die reif schwarze Sprenkel bekommen. Im Atlas der erlesenen Paradeiser sind Paradeiser in Grün, Violett und Orange zu sehen. Ab Mitte Juli gibt es auf dem Hof bunte Paradeiser, ab August die Einkochparadeiser, und geerntet wird jeden Tag.

Fest, mit Stiel und nie im Kühlschrank

Beim Einkauf ist ein guter Paradeiser fest und ausgereift, trägt noch Blütenansatz und Stiel und hat keine Druckstellen. Zuhause gehört er nicht in den Kühlschrank, denn Kälte nimmt ihm Aroma und verändert seine Konsistenz. Am besten liegt er kühl und dunkel bei 12 bis 16 °C, Rispentomaten bei 15 bis 18 °C. Lass den Stiel dran und leg ihn nicht neben anderes Obst und Gemüse. Paradeiser geben Ethylen ab, und das lässt die Nachbarn schneller reifen und verderben.

Runde Paradeiser gehören in Salat und Suppe, Fleischparadeiser kann man füllen, Kirschtomaten isst man roh. Für eine cremige Sauce leg die Früchte kurz in kochendes Wasser, dann lässt sich die Haut abziehen. Eine Scheibe reifer Paradeiser mit ein paar Flocken Fleur de Sel braucht nicht mehr. Wer es kräftiger mag, nimmt das Tomaten-Paradeisersalz vom Alten Gewürzamt in Klingenberg am Main: Meersalz mit Tomatenflocken, Paprika, Knoblauch, Oregano, Thymian und Rosmarin. Das Haus empfiehlt es für Tomatensalat, Caprese und Bruschetta, gestreut kurz vor dem Servieren.

Und wenn draußen keine Saison ist, steht der Sommer im Glas. Im Paradeisertatar von Erich Stekovics stecken Paradeiser, Rapsöl, Knoblauch, Paradeiser-Essig, Meersalz und Kräuter. Die Ofenparadeiser liegen mit Rapsöl, Knoblauch, Meersalz und Kräutern im Glas. Ein Brett mit dunklem Brot, daneben ein Schälchen Tatar und eine Gabel voll Ofenparadeiser, dazu ein Stück Käse: Das ist ein Abendessen für einen grauen Novembertag, und gekocht hat niemand.

Vom Paradeisertatar bis zum Paradeiser Essig

Die ganze Auswahl von Erich Stekovics findest du unter Stekovics Paradeiser. Zum Brot passen das Paradeisertatar und die Ofenparadeiser, zum Käse das Paradeiser Chutney; mehr über diese Würze steht im Eintrag Chutney. Der Paradeiser Essig entsteht aus dem Saft frischer Paradeiser und hat 5 % Säure. Zum Würzen gibt es das Tomaten-Paradeisersalz vom Alten Gewürzamt.

Quellen

Zuletzt geprüft am 02.10.2026


Von Kerstin Uhlenbusch
5 Min. Lesezeit

Die Produkte. Im Artikel erwähnt.

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