Die rosa Schachtel mit dem Querschnitt durchs Haus
Die gemischte Pralinenschachtel von Sawade enthält zehn Pralinen in fünf Sorten, 115 g. Trüffel, Nougat, Marzipan und Krokant nebeneinander, mit Alkohol. Sie ist die klassische Kostprobe des Berliner Sortiments.
Berliner Pralinen haben eine eigene Handschrift, und diese Schachtel führt sie in fünf Beispielen vor: Bitter-Sahne-Trüffel, Pistazien-Nougat, Marzipan-Krokant, Marc-de-Champagne-Trüffel und Blätterkrokant in Vollmilch, jede Sorte zweimal. Wer Sawade kennenlernen möchte, fängt hier an.
Marc de Champagne und ein Hauch Weinbrand
Zwei der fünf Sorten bringen Alkohol mit. Der Marc-de-Champagne-Trüffel ist ein klassischer Sahne-Trüffel, umhüllt von weißer Schokolade und noch warm in Kristallzucker gewälzt oder von Hand geigelt.
Der Bitter-Sahne-Trüffel arbeitet mit Weinbrand: feinherbe Ganache, aufdressiert, doppelt von Zartbitterschokolade umhüllt und in Handarbeit dekoriert. Doppelt überzogen heißt, dass die Hülle beim Zubeißen deutlicher knackt – ein hörbarer Unterschied zum einfach schokolierten Stück.
Die anderen drei kommen ohne aus. Marzipan-Krokant legt ein handgemachtes Haselnusskrokant-Plättchen auf reine Rohmasse, das Pistazien-Nougat trägt seine Pistazie obenauf, und der Blätterkrokant in Vollmilch bringt die feinblättrige Struktur mit, für die Sawade Zucker, Butter und Mandel-Nougat von Hand einschlägt.
Jede Sorte hat ihre Farbe
Die gemischte Schachtel ist rosa, die alkoholfreie rot, die Nougat-Auslese blau, die Trüffel-Auslese gelb. Im Regal erkennt man den Inhalt, bevor man den Deckel öffnet.
Das ist praktischer, als es klingt. Wer bei Sawade regelmäßig kauft, greift nach der Farbe, nicht nach der Beschriftung – und wer verschenkt, kann die Sorte wählen, ohne dass die beschenkte Person erst lesen muss.
Zehn Stück auf 115 g ergeben rund 11 g je Praline. Die Pralinentabletts lassen sich herausnehmen; danach ist die Kartonage zum Wegwerfen wirklich zu schade. Und wie alle Sawade-Schachteln trägt auch diese Blindenschrift.
Wenn du Berliner Pralinen verschenkst, ist diese Mischung die sicherste Wahl: Sie legt sich auf keine Richtung fest. Marzipanfreunde finden ihr Stück, Nougatfreunde ebenso, und die beiden Trüffel decken ab, wer es lieber cremig mag.
Kühl und dunkel lagern, zwischen 15 und 18 Grad, nicht im Kühlschrank. Zu warm wird die Kuvertüre grau, zu kalt verliert der Trüffel seinen Schmelz. Angebrochen sollte die Schachtel innerhalb weniger Wochen leer sein – erfahrungsgemäß kein Problem.
Seit 1880 dieselbe Handschrift
Ladislaus Ziemkiewicz hatte das Pralinenhandwerk in Paris gelernt, als er 1880 Unter den Linden seinen ersten Laden eröffnete. Den Firmennamen lieh er sich bei der Nachbarin Marie de Savadé.
Fünf Jahre später durfte er das königliche Wappen führen; Prinz August Wilhelm zu Preußen gehörte zu den Kunden. Über Nikolassee und Schöneberg kam die Produktion in den 1980er Jahren in die Wittestraße nach Reinickendorf, wo sie geblieben ist. Melanie und Benno Hübel führen das Haus seit 2013 mit rund 75 Menschen.
Geblieben ist auch die Arbeitsweise: Marzipan in offenen Kupferkesseln, Trüffel von Hand aufdressiert, geigelt oder gepudert, keine künstlichen Aromen, kein Palmöl. Das ist der Grund, warum eine Sawade-Praline anders aussieht als eine aus der Anlage – und warum keine zwei völlig gleich aussehen.
Zum Espresso nach dem Essen, als Gastgeschenk oder zum Kennenlernen des Sortiments. Ohne Alkohol geht es mit der Pralinenschachtel alkoholfrei, ganz auf Nuss mit der Pralinenschachtel Nougat. Alles Weitere steht bei Sawade Berlin, mehr Tafeln und Kugeln in der Schokolade.