Rosé Tradition Brut von Griesel Sekt kupfrig und ohne Süße
Rosé Tradition Brut 2022 von Griesel Sekt ist ein Rosé-Sekt aus Pinot Noir und Pinot Meunier, zuerst weiß gekeltert und erst bei der Vermählung mit Rotwein auf Farbe gebracht. Zwanzig Monate lag er danach auf der Feinhefe, ehe die Hefe die Flasche verließ.
Rosé Tradition Brut 2022 ist der Rosé aus der Einstiegslinie von Griesel Sekt in Bensheim an der Hessischen Bergstraße, gelesen im September 2022 und mit 4 Gramm Dosage je Liter abgefüllt. Die beiden Sorten stellen das Gerüst, die kupfrige Farbe stellt der Rotwein ganz am Ende.
Wie die Farbe zuletzt entschieden wird
Wer einen Rosé über die Maische zieht, legt die Farbe in dem Moment fest, in dem er abpresst, und kann sie danach nicht mehr zurücknehmen. Griesel Sekt dreht die Reihenfolge um.
Pinot Noir und Pinot Meunier werden weiß gekeltert, sodass zunächst ein heller Wein aus roten Trauben entsteht. Erst bei der Vermählung kommt so viel Rotwein hinzu, dass der Ton ins Kupfrige geht und nicht ins grelle Rosa.
Der Vorteil liegt in der Genauigkeit, denn eine Menge Rotwein lässt sich abwägen und notfalls nachbessern, während eine Maischestandzeit mit jeder Stunde weiterläuft.
Kleine Erdbeeren, Rhabarber und warmes Brot
Er duftet nach kleinen roten Erdbeeren und süßsaurem Rhabarber, dazu kommen rote Johannisbeeren und zarte Orangenblüte. Dahinter liegen ein kräutriger Zug und weiches Fladenbrot aus der langen Hefereife.
Am Gaumen arbeitet die Perlage druckvoll und mundfüllend, das Mundgefühl bleibt mineralisch und griffig, und von Süße ist nichts zu spüren. So wirkt er puristisch, saftig und wach, auch wenn die Flasche schon eine Weile offen steht.
Lammkoteletts vom Rost holen die rote Frucht nach vorn, Tomaten mit Burrata treffen seine Säure, und eine kalte Gazpacho bekommt durch ihn erst ihre Kontur. Vor dem Essen steht er ebenso richtig, weil 4 Gramm Dosage je Liter kaum als Süße wahrnehmbar sind.
Was der warme Jahrgang 2022 mitbrachte
2022 war an der Bergstraße ein heißes und trockenes Jahr, in dem der Zucker in den Beeren schneller stieg, als die Säure mithalten konnte. Genau dagegen arbeiten Lage und Boden.
Die Reben stehen auf sandigem Granitzerfall, welcher kaum Wasser hält, und der Odenwald schickt nachts kühle Luft in die Weinberge. Diese Kühle in der Nacht ist an der Bergstraße das eigentliche Kapital. Gelesen wurde im September 2022 vollständig von Hand, gepresst so behutsam, dass nur etwa die Hälfte des Safts abläuft.
Knapp zwei Drittel der Grundweine reiften anschließend im Edelstahl, gut ein Drittel im Holz, und vergoren wurde spontan mit jenen Hefen, welche ohnehin auf den Beeren sitzen. Am 21. Juli 2023 kam der Wein zusammen mit der Tirage auf die Flasche. Ein Filter hat ihn nie gesehen, ein Schönungsmittel ebenso wenig.
Nach zwanzig Monaten auf der Feinhefe wurde degorgiert, und Ende März 2025 durfte er in den Verkauf. Wer die Linie weiterverfolgen will, findet den Blanc de Noirs Tradition aus denselben roten Sorten und den Riesling Tradition als hellen Gegenpol, und unter den Schaumweinen steht der Rest des perlenden Sortiments.